Jüdischer Tourist im Kölner Hauptbahnhof überfallen

Ausgeraubt und beschimpft

Ein 37jähriger jüdischer US-Amerikaner ist im Kölner Hauptbahnhof von Jugendlichen überfallen worden. Der Angriff reiht sich in eine lange Kette antisemitischer Vorfälle, bei denen Juden in Deutschland dieses Jahr Opfer wurden.

Ein jüdischer Amerikaner wurde überfallen (dpa)

Jugendliche haben einen US-amerikanischen Touristen im Kölner Hauptbahnhof ausgeraubt und als "Jüdischen Bastard" beschimpft. Der 37-Jährige habe Samstagabend die Jugendlichen nach dem Weg zu seinem Gleis gefragt, teilte die Kölner Polizei am Dienstag mit. Die Angesprochenen hätten den Mann direkt angegriffen.

"Sie stießen ihn zu Boden und durchsuchten seine Kleidung", führte die Polizei aus. Dabei hätten die Jugendlichen den Davidstern an seiner Kette entdeckt und ihn beschimpft. Die Täter flohen laut Polizei mit dem Portemonnaie und den Reiseunterlagen des Touristen.

Die Flüchtigen hätten rasierte Köpfe und schwarz-weiß-rote T-Shirts, Jeans sowie Sweatshirts getragen.

Antisemitismus bei pro-palästinensichen Demos

In diesem Jahr sind außergewöhnlich viele Juden Opfer von antisemitischen Überfällen geworden. Besonders während des Gaza-Krieges häuften sich die Vorfälle. So riefen am 12. Juli in Frankfurt am Main pro-palästinensische Aktivisten bei einer Demonstration antisemitische Parolen wie "Kindermörder Israel" über den Lautsprecher der Polizei aus. Wenige Tage später, am 17. Juli, skandierten Demonstranten, die sich zu einer Solidaritätsbekundung mit den Palästinensern in Berlin zusammengefunden hatten: "Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein."

Drohanrufe in jüdischer Kita

In den folgenden Tagen kam es zu mehreren Vorfällen in der Hauptstadt. Ein Mann wurde angegriffen, weil er eine Kippa trug. Ein Imam predigte in einer Neuköllner Moschee: "Oh Allah, vernichte die zionistischen Juden." Der Zentralrat der Juden erstatteten Anzeige wegen Volksverhetzung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Auch unabhängig von den Kämpfen in Israel und den palästinensischen Gebieten wurden Juden bedroht, beschimpft und körperlich angegriffen. Die jüdische Kita in Duisburg erhielt Drohanrufe, den Kindern könne "etwas zustoßen". Auf die Barmer Synagoge in Wuppertal flogen Molotow-Cocktails. Auf Hauswänden und Bushaltestellen in Dresden schmierten Unbekannte Hakenkreuze.

Zeichen gegen den Hass

Der Zentralrat der Juden in Deutschland rief alle Bürgerinnen und Bürger auf, ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. "Steh auf! Nie wieder Judenhass!" lautete der Titel einer großen Kundgebung am 14. September am Brandenburger Tor, bei der auch Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Merkel teilnahmen.

Am 7. November findet um 19 Uhr eine Gedenkfeier zur Reichspogromnacht in Köln statt. Unter dem Titel "Gegen Wegschauen" lädt der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Köln zu einem Ökumenischen Friedensgebet. Die Veranstaltung findet im Lichthof der Kölner Pax-Bank, Christophstraße 35, statt. Weitere Informationen sind erhältlich unter 0221 255 462 oder unter (Link sendet E-Mail)koenen@dioezesanrat.de.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 erschütterte ein Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung das Deutsche Reich. Tausende Menschen verloren ihr Hab und Gut und viele bezahlten diesen Gewaltausbruch mit ihrem Leben.


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