Das Wort zum Sonntag ist seit 70 Jahren auf Sendung

Von schwarzweiß bis heute

Die Verkündigungssendung "Wort zum Sonntag" im Ersten feiert 70. Geburtstag. Der Rundfunkbeauftragte Pater Philipp blickt auf die Höhepunkte der vergangenen Jahre. Aber hat das Format in Social-Media-Zeiten noch eine Zukunft?

Das Wort zum Sonntag - Pfarrer Löffler aus Böblingen Eine Institution im deutschen Fernsehen: Das "Wort zum Sonntag" wird 70. Die erste Sendung wurde am 8. Mai 1954 ausgestrahlt. Sprecher von "Das Wort zum Sonntag" im April 1982 war Pfarrer Löffler aus Böblingen mit Kindern im Studio. / © Hugo Jehle (SWR)
Das Wort zum Sonntag - Pfarrer Löffler aus Böblingen Eine Institution im deutschen Fernsehen: Das "Wort zum Sonntag" wird 70. Die erste Sendung wurde am 8. Mai 1954 ausgestrahlt. Sprecher von "Das Wort zum Sonntag" im April 1982 war Pfarrer Löffler aus Böblingen mit Kindern im Studio. / © Hugo Jehle ( SWR )

DOMRADIO.DE: Sie sind Jahrgang 1963. Erinnern Sie sich noch daran, wie es war, wenn Sie als Kind oder junger Erwachsener das Wort zum Sonntag angeschaut haben? 

Pater Philipp Reichling (katholischer Rundfunkbeauftragter beim WDR): Ich erinnere mich noch, das war schwarzweiß. Wir hatten aber auch noch keinen Farbfernseher zu Hause und es war sehr langweilig. Aber da war ich noch ein Kind. Beziehungsweise es war ja spät am Abend und ich durfte ja auch nicht so lange aufbleiben. Also von daher war das eher so ein Abturner, muss ich ehrlicherweise sagen. Und ganz am Anfang war es ja auch der Schlussakkord, danach war Sendeschluss. 

DOMRADIO.DE: Und dann war früher natürlich auch das Programm ganz anders, als es heute ist. Es war viel steriler, da saßen die Priester oder Pfarrer hinter einem Tisch. Und das hat sich in 70 Jahren deutlich verändert - inwiefern? 

Die evangelische Theologin Renate Kirsch war von 1988 -1992 Sprecherin von "Das Wort zum Sonntag" (WDR/ARD-Foto)
Die evangelische Theologin Renate Kirsch war von 1988 -1992 Sprecherin von "Das Wort zum Sonntag" / ( WDR/ARD-Foto )

Pater Philipp: Ja, zum Glück. Also die ganze Sache hat sich deutlich aufgelockert, in dem teilweise das Studio verlassen werden konnte, was heute auch immer noch ab und an passiert, zum Beispiel beim Eurovision Song Contest oder bei anderen außergewöhnlichen Gelegenheiten. Ziel war es, näher an der Situation, an den Ereignissen dran zu sein. Sie konnten auch Dinge ins Studio mitbringen, ein Hund war schon mit dabei und an der Ice-Bucket-Challenge wurde auch teilgenommen. 

DOMRADIO.DE: Das Wort zum Sonntag hat auch oft Bezug auf aktuelle Themen genommen, zum Beispiel bei der Flugzeugentführung von Mogadischu oder beim Fall der Mauer. Gibt es für solche Fälle immer so eine Bereitschaftsteam? 

Pater Philipp Reichling

"Schnell noch mal ins Studio, um aktuell reagieren zu können."

Pater Philipp: Das ist immer sehr spannend. Normalerweise, fängt der oder die Autorin ungefähr acht Tage vorher an, sich Gedanken zu machen für die nächste Ausgabe. Und dann passiert eine Katastrophe und es muss schnell gehandelt werden. Darum sind die Autorinnen und Autoren gehalten, sich die letzten zwei Tage freizuhalten, um in solchen Fällen noch mal schnell ins Studio gehen zu können, um aktuell zu reagieren. Einmal ist es vorgekommen, dass jemand spontan frei ohne Manuskript gesprochen hat, um aktuell auf eine Krisensituation zu reagieren. 

DOMRADIO.DE: Warum ist es so wichtig, in solchen Situationen zu reagieren und aktuell zu sein? 

Pater Philipp: Ganz einfach, wenn es Ereignisse sind, die eine Gesellschaft erschüttern, dann muss die Kirche auch darauf aktuell reagieren. Vor allen Dingen, den Menschen Trost zu spenden, wenn es um Katastrophen geht. 

DOMRADIO.DE: Sie haben zehn Jahre lang Gereon Alter begleitet. Welche Ausgaben des Wortes zum Sonntag sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben? 

Pater Philipp: Die Ice-Bucket-Challenge, das war natürlich ein großer Clou. Da ließ sich Gereon Alter am Ende so einen Eimer mit Eiswürfeln über den Kopf schütten. 

DOMRADIO.DE: War es schwierig, das durchzuziehen, gab es vielleicht Vorbehalte von Kollegen oder vom Sender? 

Pater Philipp Reichling

"Wort zum Sonntag, keine Performance zum Sonntag."

Pater Philipp: Die gab es, denn es soll ja ein Wort zum Sonntag sein und keine Performance zum Sonntag. Dann gibt es schon mal kritische Rückmeldung, aber ich glaube, dass so etwas bis heute sehr gut in Erinnerung bleibt.

DOMRADIO.DE: Es gab sogar Päpste als Gastsprecher: Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Wie haben Sie das erlebt? 

Pater Philipp: Das waren Folgen zu besonderen Anlässen wie den Katholikentag oder den Weltjugendtag. Die größte Herausforderung war es natürlich, überhaupt an den Papst heranzukommen. Ein Kollege vom Bayerischen Rundfunk verantwortet Gottesdienstübertragung aus dem Vatikan und er hat das Wort zum Sonntag mit den Päpsten ermöglicht. 

Allerdings ist es trotzdem schwierig, an den Papst heranzukommen in der Hinsicht, dass das Ganze auch etwas lockerer rüberkommt. Sonst würde es ein bisschen wie eine eingefrorene Audienz wirken. Und wenn man sich heute die Impulse des Papstes anschaut, dann wirken sie in der Tat leider Gottes so, wir hatten uns eigentlich ein bisschen mehr Lebhaftigkeit der Päpste erwartet. 

DOMRADIO.DE: Sie haben gerade schon die Ice-Bucket-Challenge als Highlight genannt. Was war denn das Besondere daran? Wahrscheinlich haben Sie das dann komplett anders erlebt als Kind vorm Fernseher. 

Pater Philipp: Natürlich. Das Spannende daran ist, dass wir damals gemeinsam zum Teil die Themen erarbeitet und überlegt haben, was gerade anliegt, wo der Schuh drückt und wozu man sinnvoll etwas sagen könnte. Danach wird an den Texten gefeilt, bis hinein in die Frage, wie wir so was dann vor der Kamera präsentieren.  

DOMRADIO.DE: Was soll und kann das Wort zum Sonntag heute bewirken? 

Pater Philipp Reichling

"Das ist eine Chance und ein Gewinn."

Pater Philipp: Ich hoffe, dass es immer noch im guten Sinne einen Anstoß gibt. Manche finden das vielleicht anstößig, aber dass die Menschen zum Nachdenken kommen, zu aktuellen Themen, und zwar aus einer ganz anderen Perspektive, ist unser Ziel. 

Wir sind im Alltag sonst immer sehr sachlich, realitätsbezogen. Auch im Fernsehprogramm werden vorher bei den Tagesthemen Fakten genannt und im Anschluss kommt auf einmal eine andere Perspektive, die zumindest die Rede von Gott noch wach halten will. Diese Perspektive soll uns sagen: "Es könnte ja noch anders sein, es könnte noch um mehr gehen." Und das ist eine Chance und ein Gewinn. 

DOMRADIO.DE: Was wird am kommenden Sonntag Thema sein? 

Pater Philipp: Das ist eine gute Frage. Das steht jetzt noch nicht fest, weil wir ja möglichst aktuell sein wollen. Darum sind die Redakteure und die Sprecherinnen und Sprecher jetzt dabei nachzudenken, was sie thematisieren möchten. Ich wünsche ihnen viel Erfolg dafür und gute Ideen. 

DOMRADIO.DE: Könnte natürlich auch was mit dem 70. Geburtstag zu tun haben, oder? 

Pater Philipp: Ich will das nicht ausschließen. 

DOMRADIO.DE: Das Wort zum Sonntag kann man ja auch jederzeit online abrufen, ist also lange schon keine reine Fernsehsendung mehr. Was denken Sie, wie alt wird das Wort zum Sonntag denn werden? 

Pater Philipp: Also ich will jetzt nicht in die Glaskugel gucken. Ich würde mich freuen, wenn wir 100 Jahre hinkriegen, aber wer weiß.

Das Interview führte Dagmar Peters.

Quelle:
DR