Evangelische Kirche lädt zum Kirchentagssonntag ein

Startschuss für die Vorfreude

Wie wäre es mit ein bisschen Kirchentagsfeeling im Winter? An diesem Sonntag lädt die Evangelische Kirche in Deutschland dazu ein, Gottesdienste am Kirchentagssonntag zu feiern. Ilka Issermann erklärt, was hinter dieser Idee steckt.

Kirchentagsschals beim Schlussgottesdienst des Deutschen Evangelischen Kirchentags 2019 in Dortmund / © Harald Oppitz (KNA)
Kirchentagsschals beim Schlussgottesdienst des Deutschen Evangelischen Kirchentags 2019 in Dortmund / © Harald Oppitz ( KNA )

DOMRADIO.DE: Wieso gibt es diesen Kirchentagssonntag?

Ilka Issermann (Vorsitzende des Leitungskreises für den Landesausschuss des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Mitteldeutschland): Der Kirchentagssonntag ist 2007 entstanden. Vielleicht sagt dieses Jahr dem ein oder anderen etwas. Das war der Beginn der Reformationsdekade. Im Jahr 2017 hatten wir das große Reformationsjubiläum. Da hat man schon zehn Jahre vorher angefangen zu feiern und damit den Kirchentagssonntag etabliert.

Es ist ein schönes Format, das in den Alltag der Gemeinden immer mal wieder das Thema Kirchentag reinbringt. Der Deutsche Evangelische Kirchentag findet nur alle zwei Jahre statt. Dazwischen ist eine große Lücke. Da hinein hat man diesen Kirchentagssonntag etabliert. Da kann man sich schon mal für den nächsten Kirchentag inspirieren lassen oder sich an den letzten erinnern.

Persönlich finde ich es besonders schön, dass es eine Gelegenheit gibt, die Kirchentagslieder nochmal zu singen. Das ist ja ein ganz eigenes Liederbuch, was da entsteht. Da gibt es auch ganz viele Sachen, die im Gesangbuch so nicht zu finden sind.

Das ist einfach eine gute Gelegenheit, die Kirchentagsschals rauszuholen und Kirchentagslieder zu singen und sich auf den nächsten Kirchentag einzustellen, der dann kommt.

Ilka Issermann (Vorsitzende des Leitungskreises für den Landesausschuss des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Mitteldeutschland)

"Es können auch dort Gottesdienste gefeiert werden, wo keine Pfarrperson da ist."

DOMRADIO.DE: Was passiert heute bei Ihnen?

Issermann: Bei uns gibt es ein paar Gottesdienste in der Landeskirche. Wir sind als Landesausschuss ehrenamtliche Vertreter, die über die ganze Landeskirche verteilt sind. Das reicht vom Norden in Stendal bis zum Süden in den Thüringer Wald. Je nachdem bieten die ein oder anderen Kirchentagssonntagsgottesdienste an, wo sie ihre Kirchentagspapphocker rausholen, falls vorhanden. Denn die gehören irgendwie immer dazu. Dann kann man einen Gottesdienst feiern, der an den Kirchentag angelehnt ist.

Das Tolle ist ja, dass der Deutsche Evangelische Kirchentag immer Materialhefte herausgibt. Die kann man auf der Homepage finden. Da sind ganz viele Bausteine vorhanden, die für diesen Sonntag angeboten werden. Das heißt, man hat dann zum Beispiel schon mal den Bibeltext, der beim Kirchentag die Losung zur Grundlage hat.

Sehr gut ist auch, dass der Kirchentag einen großen Fokus auf leichte Sprache legt. Das vergessen wir ja manchmal. Unsere Lutherübersetzung oder andere Übersetzungen sind nicht immer ganz der heutigen Sprache angepasst. Aber mit dem Fokus auf leichte Sprache ist der Zugang sehr hoch. Es ist toll, dass der Kirchentag darauf achtet.

Dieses Jahr ist der Bibeltext zum Beispiel auch auf Ukrainisch und in arabische Sprachen übersetzt. Da versucht man auch immer, viele Leute mit ran zu holen und niedrigschwellig an den Kirchentag heranzuführen.

Bei uns gibt es in Erfurt und im Kirchenkreis Stendal auch Kirchentagsgottesdienste, wo im Vorfeld Kirchentagsfans den Pfarrern gesagt haben, dass sie unbedingt Kirchentag feiern wollen und das nun umgesetzt wurde.

Aber es können auch dort Gottesdienste gefeiert werden, wo keine Pfarrperson da ist, denn das Material ermöglicht es, dass man sich durch die erwähnten Bausteine selber einen Gottesdienst vor Ort gestalten kann, ohne dass man auf den Pfarrer warten muss.

DOMRADIO.DE: Wie sind denn bei Ihnen die Reaktionen auf den heutigen Kirchentagssonntag? Freuen sich die Leute schon auf den Kirchentag, der da im Juni kommen wird?

Ilka Issermann (Vorsitzende des Leitungskreises für den Landesausschuss des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Mitteldeutschland)

"Das ist einfach der Versuch, Menschen einzuladen, miteinander zu reden und dann vielleicht noch einen Kaffee zu trinken."

Issermann: Ich kann natürlich nicht sagen, ob sich alle Leute darauf freuen. Wir hoffen natürlich, dass sie sich darauf freuen. Wir haben das Glück, dass der Kirchentag dieses Jahr in Nürnberg stattfindet. Das ist von uns aus betrachtet relativ nah an Thüringen dran. Da kann man gut hinreisen. Dortmund war ein bisschen weiter weg.

Es ist ein wenig das Anliegen des Kirchentagssonntags, dass man daran erinnert, dass der Kirchentag stattfindet und wie schön es eigentlich sein kann, entspannt in einer Gruppe zusammen zu sein und das Miteinander sowie das Christsein zu feiern.

Wir laden auch immer bewusst ein, dazu zu kommen, weil es sonst für den einen oder anderen vielleicht so hoch liturgisch ist, wie man das manchmal befürchtet, wenn man nicht so stark an Kirche angebunden ist.

Das ist einfach der Versuch, Menschen einzuladen, miteinander zu reden und dann vielleicht noch einen Kaffee zu trinken. Die einen erzählen dann vielleicht wie schön ihr erster Kirchentagsbesuch vor 30 Jahren war oder ähnliches. Es ist also vor allem ein Angebot zur Heimat, zum Zusammenkommen.

DOMRADIO.DE: Es ist eigentlich heute schon eine Art Startschuss für den 38. Kirchentag?

Issermann: Ja, natürlich. Wir versuchen einfach ein bisschen Stimmung zu machen und uns darauf zu freuen. Es ist ja nun Winter. Das heißt, es ist alles eh ein bisschen trübe.

Ich glaube, unser aller Stimmung kann es guttun, etwas zu haben, worauf man sich dann im Sommer freuen kann.

Das Interview führte Oliver Kelch.

Kirchentagssonntag

Um Gemeinden auf den Kirchentag einzustimmen, gibt es seit 2007 diesen besonderen Sonntag, den Kirchentagssonntag. In der Regel am Sonntag Septuagesimae begangen, soll er eine Station auf dem Weg zum Kirchentag sein, soll informieren, Lust machen auf die Bibeltexte und Themen, in die jeweilige Kirchentagsstadt einladen und die Gemeinden auf diesem Weg mitnehmen.

Evangelischer Kirchentag (Archiv) / © Harald Oppitz (KNA)
Evangelischer Kirchentag (Archiv) / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
DR