Fastenimpuls von Kaplan Thomas Hufschmidt

Mittwoch der vierten Fastenwoche

Jeden Tag ein Impuls: Mit Kaplan Thomas Hufschmidt aus der Pfarreiengemeinschaft Sinzig durch die Fastenzeit.

 (DR)

Schrifttext:

Joh 5,17-30

In jener Zeit entgegnete Jesus den Juden: Mein Vater ist noch immer am Werk, und auch ich bin am Werk. Darum waren die Juden noch mehr darauf aus, ihn zu töten, weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen Vater nannte und sich damit Gott gleichstellte.

Jesus aber sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, wenn er den Vater etwas tun sieht. Was nämlich der Vater tut, das tut in gleicher Weise der Sohn. Denn der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er tut, und noch größere Werke wird er ihm zeigen, so dass ihr staunen werdet. Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, wenn er will. Auch richtet der Vater niemand, sondern er hat das Gericht ganz dem Sohn übertragen, damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt auch den Vater nicht, der ihn gesandt hat. Amen, amen, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben; er kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen. Amen, amen, ich sage euch: Die Stunde kommt, und sie ist schon da, in der die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden; und alle, die sie hören, werden leben. Denn wie der Vater das Leben in sich hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben in sich zu haben. Und er hat ihm Vollmacht gegeben, Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist. Wundert euch nicht darüber! Die Stunde kommt, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und herausbekommen werden: Die das Gute getan haben, werden zum Leben auferstehen, die das Böse getan haben, zum Gericht. Von mir selbst aus kann ich nichts tun; ich richte, wie ich es vom Vater höre, und mein Gericht ist gerecht, weil es mir nicht um meinen Willen geht, sondern um den Willen dessen, der mich gesandt hat.

Impuls:

Als ich vor ein paar Jahren auf einem internationalen Kongress für Priester und Seminaristen in Italien war, ging es als Einstieg in die Tage um den Austausch zum persönlichen Gottesbild. In meiner Kleingruppe waren viele Europäer, aber auch Priester aus Afrika und Lateinamerika. Ein Priester aus Burundi sagte in der Runde: Gott sei für ihn in aller erster Linie Gerechtigkeit. Denn in seinem Heimatland, wo so viele unter den Gräueltaten einiger weniger Menschen leiden mussten, sei die Gerechtigkeit Gottes das letzte, was viele Menschen am Ende erhofften. Dass es eines Tages wenigstens bei Gott Gerechtigkeit gebe, wenn das schon nicht hier auf Erden möglich sei.

Die Worte des burundischen Priesters haben mich beschäftigt. Gott und Gerechtigkeit: Ja, schon, aber irgendwie haben wir bis dahin bei uns hauptsächlich von Liebe und Barmherzigkeit gesprochen.

Je mehr ich darüber nachdachte, liebe Brüder und Schwestern, desto mehr konnte ich mich damit anfreunden, mit dem gerechten Richter. Heute im Evangelium war es ja schließlich auch wieder zu hören. Jesus sagt: „Ich richte, wie ich es vom Vater höre, und mein Gericht ist gerecht, weil es mir nicht um meinen Willen geht, sondern um den Willen dessen, der mich gesandt hat.“ Es lässt, wie ich finde, das Bild des Richters nicht so hart wie ein Damoklesschwert wirken, sondern eben gerecht. Und ich glaube wir sprechen hier von einer so großen Gerechtigkeit, die wir uns mit unserem menschlichen Verstand gar nicht vorstellen können. Ich glaube es lohnt sich, diesem Bild einmal nachzugehen und in der Fastenzeit das Leben in allen Facetten nochmal so nach zu justieren, dass sie keine Angst haben müssen vor dem gerechten Richter.


Kaplan Thomas Hufschmidt (privat)
Kaplan Thomas Hufschmidt / ( privat )
Quelle:
DR