Fehrs will Risikofaktoren für Missbrauch erforschen lassen

"Zu wenig Fälle erfasst"

Die angekündigte Studie über Missbrauch in der evangelischen Kirche soll Erkenntnisse zu den Risikofaktoren für sexualisierte Gewalt in der Kirche geben, erhofft sich Kirsten Fehrs. Die Studie soll Ende Januar veröffentlicht werden.

Kirsten Fehrs / © Heike Lyding (epd)
Kirsten Fehrs / © Heike Lyding ( epd )

Die amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, erhofft sich von der Studie über Missbrauch in der evangelischen Kirche Erkenntnisse zu den Risikofaktoren für sexualisierte Gewalt in allen Bereichen des kirchlichen Lebens. "Von der Diakonie über die Gemeindearbeit, von der Kirchenmusik bis zum Leben im Pfarrhaus und der Verknüpfung von familiärer sexualisierter Gewalt mit der Gemeindearbeit", sagte Fehrs dem Bremer "Weser-Kurier" (Samstag).

Die von der EKD in Auftrag gegebene sogenannte ForuM-Studie soll Ende Januar veröffentlicht werden. Sie rechne mit einer Zunahme der bekannten Fälle sexualisierter Gewalt in der Kirche, sagte Fehrs. "Wir haben derzeit 858 Fälle, in denen Betroffene Anerkennungsleistungen beantragt haben." Daneben gebe es ein großes Dunkelfeld - "und auch ein Hellfeld, denn nicht jeder Betroffene, von dem wir wissen, hat Leistungen beantragt".

Aufarbeitungsgesetz gefordert

In der quantitativen Studie, die auch die Diakonie einschließe, werde es bestimmt eine höhere Zahl geben. "Aber auch die wird nicht alle Fälle erfassen", sagte Fehrs und führte aus: "Wir brauchen deshalb unbedingt eine bessere Dunkelfeldforschung in Deutschland, die von der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs hoffentlich auch demnächst auf den Weg gebracht wird."

Ein staatliches Aufarbeitungsgesetz, das allen Betroffenen einen Rechtsanspruch auf Aufarbeitung ihrer Fälle geben würde, sei sehr wichtig, ergänzte Fehrs. "Unabhängig, ob sie in den Kirchen, im Sport, in den Schulen oder Familien stattfanden." Solch ein Gesetz würde Standards schaffen, "die dann für alle gelten", sagte die Theologin.

Quelle:
epd