Laienspielgruppe in Rieden bringt die Passion Christi auf die Bühne

Passionsspiele mit langer Tradition

In Rieden in der Eifel starten im März die Passionsspiele. Oliver Minwegen ist Vorstandsmitglied der Laienspielgruppe des Junggesellenvereins und selbst Darsteller. Im Interview gewährt er einen Einblick hinter die Kulissen.

Symbolbild Passionsspiele / © imagestockdesign (shutterstock)

DOMRADIO.DE: In weniger als zwei Monaten ist die Premiere, auf die alle hingearbeitet haben. Spüren Sie schon eine gewisse Anspannung?

Oliver Minwegen (Vorstandsmitglied Laienspielgruppe Junggesellenverein Rieden): Natürlich verspürt man eine gewisse Anspannung. Wir sind ja Laiendarsteller und machen das ehrenamtlich in unserer Freizeit. Wir machen so ein großes Event mittlerweile nur noch alle sechs Jahre. Es ist immer wieder was Neues.

Oliver Minwegen

"Toll ist auch, dass während dieser Zeit eine riesige Spielgemeinschaft entsteht."

DOMRADIO.DE: In diesem Jahr finden die Passionsspiele in Rieden zum zwölften Mal seit 1923 statt. Früher hat man den Erlös für die Erweiterung der Pfarrkirche eingesetzt. Welche Bedeutung haben die Passionsspiele für den kleinen Ort in der Eifel? 

Minwegen: In erster Linie sind es traditionelle und kulturelle Gründe. Mit dem Erlös werden aber auch gewissen Rücklagen für den Verein gebildet. Wir haben Unterhaltungskosten wie zum Beispiel Requisiten oder eine eigene kleine Halle. Außerdem spenden wir eine große Summe. Toll ist auch, dass während dieser Zeit eine riesige Spielgemeinschaft entsteht. Die Darsteller wachsen während der sieben Monate Proben und Aufführungen zusammen. Das ist die Hauptbedeutung.

DOMRADIO.DE: Rieden hat um die 1.200 Einwohner. Sind da alle bei den Passionsspielen mit dabei?

Minwegen: Nein, der ganze Ort ist nicht dabei. Wir haben insgesamt 235 Mitwirkende. Dazu gehören circa 110 Darsteller im Alter von 8 bis 80, die Bühnenbauer, der Kartenvorverkauf und die Kostümschneiderin. Insgesamt ist das eine große Gruppe. Außerdem haben wir einen Projektchor gegründet, den sogenannten "Passionschor". Sobald die Spiele laufen, haben wir noch eine Catering-Gruppe und Platzanweiser, zudem eine Gruppe der Riedener Feuerwehr, die unser "Parkleitsystem" im Ort sind. 

DOMRADIO.DE: Sie selbst sind auch mit als Schauspieler dabei. Wen spielen Sie?

Minwegen: Ich spiele Ammon, einen Pharisäer. Es kommt immer darauf an, nach welcher Schrift beziehungsweise Passion man spielt. Bei uns ist Ammon ein böser Pharisäer. Er unterbreitet den anderen Pharisäern den perfiden Plan, Judas zu überreden, dass er Jesus verrät und ausliefert.

DOMRADIO.DE: Seit Oktober laufen die Proben. Wie sicher fühlen Sie sich alle?

Minwegen: Eigentlich ganz gut. Wir haben viele Darsteller, die dieselbe Rollen wie schon 2017 spielen. Wir haben aber auch viele, die neu mit dabei sind oder eine neue neue Rolle spielen. Die letzten drei Monate liefen die Hauptproben. Hier konnten diejenigen proben, die mehr Text haben. 

Seit Ende Dezember haben wir die Großgruppen-Szenen, wo viel Volk auf der Bühne steht, zum Beispiel der Einzug in Jerusalem. Da ist eine gute Koordination wichtig, um zu klären, wann wer ruft und wann wer schreit. Bei der Pilatus-Szene ist es zum Beispiel sehr hektisch. Es macht aber Spaß.

Oliver Minwegen

"Mittlerweile brauchen die Interessenten eine Bedenkzeit. Die Zeit hat sich komplett verändert."

DOMRADIO.DE: Gibt es eigentlich immer genügend Interessenten, um alle Rollen zu besetzen?

Minwegen: Bei uns sind die Hauptrollen die Rollen, die mehr Sprechtext haben. Es sind nicht unbedingt die klassischen Hauptrollen wie Jesus oder Petrus. Vor über 30 Jahren haben wir diese Rollen nur einmal besetzt. Das war ein großes Risiko. Diese Rollen haben wir jetzt doppelt besetzt. Alleine um Ausfällen vorzubeugen. 

Dann gibt es natürlich einige, die auch mitspielen wollen. Dadurch kommt man in die Doppelbesetzung rein. Man muss aber auch erwähnen, dass die Menschen vor 30 Jahren direkt für die Rolle zugesagt haben. Mittlerweile brauchen die Interessenten eine Bedenkzeit. Die Zeit hat sich komplett verändert.

DOMRADIO.DE: Alle, die bei ihnen auf der Bühne stehen, sind Laien. Sie haben normale Berufe, eine Ausbildung oder gehen zur Schule. Wie kriegt man das alles unter einen Hut, vor allem in so einer Phase?

Minwegen: Das geht eigentlich ganz gut. Natürlich ist es eine Belastung. Da die meisten noch berufstätig sind, proben wir seit Oktober zweimal die Woche, immer dienstags und freitags spät am Abend für jeweils zwei Stunden. Das geht eigentlich noch. 

Die Herausforderung ist später dann in der Spielzeit. Wir spielen vom 8. März bis zum 20. April jeden Freitag, Samstag und Sonntag. Das Stück dauert dreieinhalb Stunden. Wenn man mit einrechnet, dass man eine Stunde vorher da sein muss, um sich umzuziehen und sich vorzubereiten und dann noch die Aufführungszeit und die Nachbereitung mit einrechnet, kommt einiges zusammen.

Jeder Spieltag kommt auf fünf Stunden Gesamtzeit. Das ist schon eine Belastung. Es gibt kein freies Wochenende mehr in dieser Zeit. 

Das Interview führte Carsten Döpp.

Quelle:
DR

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