Lateinisches Patriarchat warnt vor Annexionen durch Israel

Nur "eine temporäre Erleichterung"

Die Lage im Heiligen Land ist nach Worten des Direktors des Lateinischen Patriarchats, Sami al-Yousef, sehr schlecht. In Gaza drohe eine Wiederaufnahme des Kriegs, in der Westbank hingegen drohen israelische Annexionen.

Ein Luftbild zeigt die Trümmer von zerstörten Häusern in Rafah, einen Tag nach Inkrafttreten eines Abkommens über eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen.  / © Abed Rahim Khatib (dpa)
Ein Luftbild zeigt die Trümmer von zerstörten Häusern in Rafah, einen Tag nach Inkrafttreten eines Abkommens über eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen. / © Abed Rahim Khatib ( (Link ist extern)dpa )

Der Generaldirektor des Lateinischen Patriarchats in Jerusalem, Sami al-Yousef, hat ein düsteres Bild der Lage im Heiligen Land gezeichnet. Es sei zu befürchten, dass der am Sonntag in Kraft getretene Waffenstillstand im Gazastreifen nur "eine temporäre Erleichterung" sei, sagte er am Montag bei einem Treffen mit einer internationalen Bischofsgruppe in Jerusalem. 

Sami al-Yousef, Generaldirektor des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem / © Andrea Krogmann (KNA)
Sami al-Yousef, Generaldirektor des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem / © Andrea Krogmann ( (Link ist extern)KNA )

Für die besetzten palästinensischen Gebiete im Westjordanland warnte er vor Plänen der rechtsnationalen israelischen Regierung für eine teilweise oder vollständige Annektierung. Das Lateinische Patriarchat von Jerusalem vertritt die römisch-katholischen Christen im Heiligen Land.

Den zerstörten Gazastreifen bezeichnete Al-Yousef als "quasi unbewohnbar". Der Wiederaufbau werde sehr lange brauchen. Eine der Schwierigkeiten werde dabei sein, dass die internationale Gemeinschaft als Hauptgeber das Vertrauen in die Nachhaltigkeit vonInvestitionen in Gaza verloren habe.

Zerstörungen auch in der Westbank

Als Desaster bezeichnete der Patriarchatsdirektor die Lage im von Israel besetzten Westjordanland. Die gegenwärtige israelischeRegierung betreibe eine Politik, die die wenigen verbliebenen Errungenschaften der Oslo-Abkommen zerstöre und darauf abziele, eine israelische Herrschaft über die palästinensischen Gebiete zu etablieren. Als ein Beispiel nannte er Zerstörungen palästinensischer Häuser durch Israel erstmals auch in den sogenannten A- und B-Gebieten.

Katastrophale Wirtschaftslage 

Die größten Herausforderungen für die Palästinenser sind laut Al-Yousef die stark gestiegene Siedlergewalt und eine katastrophale Wirtschaftslage. Der Zusammenbruch des Tourismus und Pilgerwesens und die Aufhebung von rund 150.000 Arbeitserlaubnissen für Palästinenser in Israel sorgten für eine nie dagewesene Arbeitslosenrate, gerade unter palästinensischen Christen.

Für den öffentlichen Sektor komme hinzu, dass die finanziell ohnehin angeschlagene Palästinensische Behörde durch Israels Stopp von Steuertransfers nicht oder nur sehr eingeschränkt in der Lage sei, Gehälter zu zahlen. Davon betroffen seien rund 180.000 Mitarbeiter.

Bischofstreffen

An dem bis Mittwoch dauernden Solidaritätstreffen nehmen zwölf katholische Bischöfe aus neun Ländern teil. Auf dem Programm stehen neben Treffen mit kirchlichen und diplomatischen Vertretern Besuche in Gemeinden und christlichen Einrichtungen. Das Bischofstreffen findet seit 1998 jeweils im Januar im Auftrag des Heiligen Stuhls und auf Einladung der katholischen Bischöfe des Heiligen Landes statt.

Lateinisches Patriarchat von Jerusalem

Das Lateinische Patriarchat von Jerusalem betreut die römisch-katholischen Christen im Heiligen Land. Seine Jurisdiktion erstreckt sich über das Staatsgebiet von Israel, Jordanien, Zypern und die Palästinensischen Gebiete. Die Ursprünge des Patriarchats liegen in der Zeit der Kreuzfahrer, die sich als "Lateiner" bezeichneten. Es erlosch jedoch mit dem Fall Akkos 1291. Im Jahr 1847 belebte Papst Pius IX. das Patriarchat neu.

Blick auf Jerusalem / © Kyrylo Glivin (shutterstock)