Ob "Ich, Judas" oder "Das Todesduell" von John Donne - anspruchsvolle Ein-Personen-Stücke mit religiösem Inhalt liegen Ben Becker. Daran habe er mit voller Überzeugung sehr lange gearbeitet, weil er diese Texte für sehr wichtig halte, sagte der Schauspieler dem Magazin "Die Stadtzeitung" aus Wuppertal am Freitag. Die Arbeit habe ihm "große Freude und Genugtuung" bereitet.
Weiter erklärte Becker: "Ich habe ja das Glück, dass mir eine gewisse Ausstrahlung, Präsenz und Charisma auf der Bühne mit in die Wiege gelegt wurde. Ich bin also Überzeugungstäter." Die Texte hätten ihn gefunden, er habe sie nicht wirklich gesucht. Bei "Judas" habe ihn ein kleiner Buchverlag auf das Stück aufmerksam gemacht. "Und ich habe gesagt: 'Dieser Text ist großartig, der muss auf die Bühne'", so Becker.
Das Leben als Duell mit dem Tod
Beckers aktuelles Projekt "Das Todesduell" zeigt die Predigt, die der Schriftsteller John Donne als Dekan der St. Paul's Cathedral in London wenige Wochen vor seinem Tod hielt. Thema: Sterblichkeit und die Hoffnung auf ein ewiges Leben. Darin beschreibt der Autor das Leben als Duell mit dem Tod.
Als die Leitung des Berliner Doms Becker gefragt habe, ob er neben dem "Judas" noch etwas Anderes dort präsentieren wolle, sei ihm dieser Text eingefallen, sagte der Schauspieler. Er habe sehr lange daran gearbeitet und selber ein Bühnenbild gebastelt, um das Stück als Inszenierung im Altarraum des Berliner Doms zu präsentieren.
Mittlerweile ist er mit dem "Todesduell" deutschlandweit auf Tour durch Kirchen und Theater. "Manchmal taucht man besser nicht zu tief in den Text und die Geschichte ein", sagte Becker. So stelle er im "Todesduell" nicht den dahin siechenden Priester dar, sondern versuche, dem Publikum sein Verständnis des bildgewaltigen Textes zu zeigen.
Der Schauspieler erklärte: "Wenn man dann selber noch einen draufsetzt und sagt, jetzt spiele ich die Figur auch noch, das wäre dann einfach zu viel und könnte dann sogar peinlich wirken." Es sei auch eine hohe Kunst, sich zurückzuhalten und den Verfasser und seinen Text in den Vordergrund zu rücken.
"Wählen Sie das Richtige"
Mit Blick auf die Bundestagswahl erklärte Becker: Schon seit einiger Zeit sehe er eine Gefahr für die Demokratie. "Ich zucke immer zusammen, wenn die Frau Weidel auftritt." Er sei noch mehr oder weniger in einer heilen Welt aufgewachsen. Jetzt breche Vieles auseinander. "Und das macht mir durchaus Angst. Deshalb kann ich auch nur dazu aufrufen: Wählen Sie - und zwar das Richtige."