Tagungsteilnehmende diskutieren Mehrwert eines Diakonats der Frau

"So atmet die Kirche nur mit einem Lungenflügel"

Bei einem internationalen Treffen in Rom ging es auch um die zusätzlichen Möglichkeiten, die Diakoninnen der katholischen Kirche bringen würden. Jutta Mader-Schömer vom Netzwerk Diakonat der Frau hat einen Workshop angeboten.

Workshopteilnehmende bei der Studientagung des Internationalen Diakonatszentrums in Rom. 
v. l. Geert Decubber, Jutta Mader-Schömer, Yolanda Scott-Brown, Ellie Hidalgo, Anna Robertson (privat)
Workshopteilnehmende bei der Studientagung des Internationalen Diakonatszentrums in Rom. v. l. Geert Decubber, Jutta Mader-Schömer, Yolanda Scott-Brown, Ellie Hidalgo, Anna Robertson / ( privat )

DOMRADIO.DE: Sie haben auf Einladen des (Link ist extern)Internationalen Diakonatszentrums (IDZ) an der Studientagung zum Thema "Diakone: Frohe Zeugen der Hoffnung sein" in Rom teilgenommen. Was genau ist das IDZ?  

Dr. Jutta Mader-Schömer (Vorsitzende des (Link ist extern)Netzwerks "Diakonat der Frau") Das Internationale Diakonatszentrum wurde unmittelbar nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gegründet. Es war eine Reaktion auf die Entscheidung, den Ständigen Diakonat wieder einzuführen, den es in der frühen Kirche bereits gegeben hatte. Außerdem wurde das IDZ in der Absicht gegründet, eine weltkirchliche Zusammenarbeit, eine gegenseitige Information und ein Miteinander möglich zu machen. 

Das IDZ sollte von Beginn an eine weltkirchliche Institution sein. Auch wenn der Ständige Diakonat nicht in allen Ländern eingeführt wurde, sind heute immerhin 73 von ihnen Mitglied. 

Netzwerk Diakonat der Frau

Beharrlichkeit führt zum Ziel - das scheint ein Leitmotiv des "Netzwerk Diakonat der Frau" zu sein. Bereits zum dritten Mal seit 1999 hat dieser Zusammenschluss aus bundesweit über 200 Einzelpersonen und 50 Initiativen zur Förderung des sakramentalen Diakonats der Frau einen Diakonatskreis organisiert, eine Fortbildung, mit der Frauen für diakonische Leitungsfunktionen qualifiziert werden sollen. Im Fokus des Netzwerks: Aufgabenbereiche und Weihe.

Pastoralreferentin - eine Frau im weißen liturgischen Gewand / © Harald Oppitz (KNA)
Pastoralreferentin - eine Frau im weißen liturgischen Gewand / © Harald Oppitz ( (Link ist extern)KNA )

DOMRADIO: Bevor wir über die Konferenz und ihre Inhalte sprechen, sollten wir noch einmal den Diakonat definieren. Was genau ist der Diakonat? Welcher Dienst in der Kirche wird so bezeichnet? 

Mader-Schömer: Der Ständige Diakonat in Abgrenzung zum Diakonat, der später zur Priesterweihe führt, stellt auf Dauer sicher, dass die Sorge um die Menschen am Rand und um die Menschen in Not auch institutionell im Blick bleibt. 

Bischof Klaus Krämer, der Protektor des IDZ, hat es in seiner Eröffnungsrede sehr deutlich gesagt: Der Diakon ist explizit beauftragt, dafür zu sorgen, dass diese Grunddimension von Kirche niemals verloren geht. Er soll dafür sorgen, dass die Armen und am Rande Stehenden im Blick der Kirche bleiben. Er soll sicherstellen, dass die Kirche sich kümmert, dass Kontakt stattfindet, dass Brücken gebaut werden unter den Menschen und auch zu Gott. 

DOMRADIO.DE: Sie haben bei der Studientagung in Rom nicht nur mitdiskutiert, sondern auch einen Workshop angeboten. Was war Ihr Thema? 

Mader-Schömer: Ich bin sehr dankbar, dass wir eingeladen waren, diesen Workshop zu halten zum Thema "Welchen Beitrag können Frauen zu einer diakonischen Kirche leisten?" Zunächst waren wir vom Netzwerk Diakonat der Frau dazu angefragt, und wir haben dann mit Erlaubnis des IDZ noch unsere nordamerikanischen Kolleginnen mit eingebunden. Wir hatten sie in Rahmen der Weltsynode bei unserem Nachmittag der Begegnung kennengelernt, so dass wir schon international unterwegs waren. 

Sie haben von ihrer Arbeit als (Link ist extern)Discerning Deacons in den USA erzählt und wir von unseren Erfahrungen im Netzwerk Diakonat der Frau. Außerdem hatten wir die Zeugnisse von zwei Frauen, was sie bereits diakonisch tun und wieso sie darüber hinaus die Weihe brauchen, was die Weihe an Mehrwert für sie selbst, aber eben auch für auch für die Kirche und die Menschen vor Ort, bringen würde. 

Außerdem war der einzige bei der Weltsynode zugelassene Ständige Diakon Geert De Cubber aus Belgien dabei und hat beschrieben, was sich für ihn durch die Weihe geändert hat in seiner Tätigkeit für die Menschen. Seine Aussage war uns wichtig.  Sie hat gezeigt, wie viel mehr möglich sein könnte, bekämen Frauen auch diesen Status. Dann könnten sie diesen diakonischen Aspekt auf Dauer sicherstellen. 

Jutta Mader-Schömer

"Immer wieder haben mir Frauen gesagt, dass sie so etwas niemals einem Mann hätten erzählen können."

DOMRADIO.DE: Was könnten Frauen denn speziell einbringen in dieses Amt der Kirche? 

Mader-Schömer: Ich habe in Rom zum Beispiel von meiner Zeit als Krankenhausseelsorgerin berichtet. Denn immer wieder haben mir Frauen nach sehr intensiven, tiefen Gesprächen gesagt, dass sie so etwas niemals einem Mann hätten erzählen können. Oft war das im Zusammenhang von Lebensbeichten. Gerade, wenn es um Themen wie Sexualität, Machtmissbrauch, missbräuchliche Strukturen und Verhaltensweisen geht, wäre es für Männer schwer, einen guten Zugang zu finden. 

Das gilt natürlich auch für spezielle Frauenthemen und -problematiken wie zum Beispiel Armut von Frauen. Eine amerikanische Kollegin hat sehr eindrücklich berichtet, wie es von Abschiebung betroffenen Frauen ergeht. Nur Kleriker haben Zugang zu den Abschiebegefängnissen, obwohl sie selbst die Betroffenen jahrelang in der Gemeinde begleitet hatte. 

Diese Beispiele verdeutlichen, wo und wie Frauen noch einmal einen ganz anderen Beitrag leisten könnten als Männer. Deshalb sollten wir uns in der Kirche dringend mit diesen Fragen beschäftigen. 

DOMRADIO.DE: Warum also bräuchte es aus Ihrer Sicht dringend auch die Weihe für Diakoninnen? 

Mader-Schömer: Weil die Kirche nur mit einem Lungenflügel atmet, solange Frauen nicht in diesem Amt tätig sein können. Solange Frauen nicht in diesem Amt tätig sein können, beschneidet die Kirche ihre eigene Kompetenz, ihre Menschennähe und ihre Nachfolgemöglichkeiten.

DOMRADIO.DE: Das Motto der Tagung war "Frohe Zeugen der Hoffnung sein". Wie müsste denn die Kirche, Diakone und gegebenenfalls auch Diakoninnen stärken und ausstatten, damit sie wirklich "frohe Zeugen der Hoffnung" sein können? 

Mader-Schömer:  Wichtig wäre der Rückhalt, dass wir das, was wir tun, nicht als private Personen tun müssen. Ausbildung sowie Kolleginnen und Kollegen, aber auch das Miteinander und die Ausrüstung mit dem Sakrament würden einfach Stärke und Rückhalt geben, um diese wichtige Aufgabe leisten zu können. Das gilt besonders für Frauen.

Es käme also darauf an, nicht als Privatpersonen handeln müssen, sondern wirklich im Auftrag der Kirche mit allem Rückhalt, den sie als Schutz und Unterstützung zu bieten hat.

Jutta Mader-Schömer

"Weil die Kirche nur mit einem Lungenflügel atmet, solange Frauen nicht in diesem Amt tätig sein können."

DOMRADIO.DE: Was haben Sie sich aus Rom von dieser Tagung mitgebracht? 

Mader-Schömer: Mich hat vor allem die Internationalität bewegt, die Einblicke in andere Kontexte und Lebenswirklichkeiten. Ich habe noch einmal neu verstanden, wie wichtig der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus ist. Ich habe verstanden, dass wir den Weg immer nur gemeinsam gehen können. 

Die katholische Kirche ist als Global Player mit ihren vielen unterschiedlichen Ausprägungen ein Schatz. Sie wird erst durch ihre Vielfalt zu diesem Schatz und wir sollten uns noch viel stärker vernetzen. 

Das Interview führte Hilde Regeniter.

Quelle:
DR

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