Der Beginn der Warnstreiks der Bahnbeschäftigten hat am Freitagmorgen in drei westdeutschen Bundesländern zu Verspätungen im Nah- und Fernverkehr geführt. Die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA hatten am Donnerstagabend nach dem Scheitern erneuter Tarifgespräche mit dem Bahn-Vorstand über eine Beschäftigungsgarantie zu den Warnstreiks aufgerufen. Nach Angaben von Transnet traten in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland am frühen Morgen mehrere hundert Beschäftigte in den Ausstand.
Zunächst hätten rund 400 Eisenbahner in Köln, Dortmund, Saarbrücken und Trier die Arbeit befristet niedergelegt. Im Verlauf des Morgens würden sich Beschäftigte in Düsseldorf, Duisburg, Paderborn und Wuppertal anschließen. Voraussichtlich würden sich insgesamt rund 1000 Mitarbeiter beteiligen.
Hotline für Fahrgäste
Die Bahn richtete eine Hotline für Fahrgäste ein. Unter der kostenlosen Rufnummer 08000 996633 können sich die Kunden über die aktuelle Situation informieren. Fahrgäste, die aufgrund streikbedingter Zugausfälle oder Verspätungen ihre Reise nicht antreten können, hätten die Möglichkeit, ihre Fahrkarte kostenlos umzutauschen oder sich den Reisepreis erstatten zu lassen, teilte die Bahn mit.
Die Bahngewerkschaft Transnet konzentriert sich bei ihren Aktionen auf die Instandhaltungswerke. Dies werde vor allem in Nordrhein-Westfalen zu Verspätungen von Regional- und Fernzügen führen sagte, Karl-Heinz Zimmermann von der Eisenbahnergewerkschaft dem ZDF-"Morgenmagazin". Die Stimmung unter den Angestellten sei "hervorragend".
Bahn und Gewerkschaften hatten sich bis Donnerstag nicht darauf einigen können, ob der Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung bis 2010 für die rund 130 000 nicht verbeamteten Beschäftigten der 230 000 Mitarbeiter unabhängig von der Form der Privatisierung des Konzerns gelten soll.
Gewerkschaft Transnet hofft auf neues Angebot der Bahn
Transnet hoffe, dass die Arbeitgeber in den nächsten Tagen ein neues Angebot unterbreiten, sagte Zimmermann. Mit dem Vorschlag von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), das Schienennetz der Bahn zur wirtschaftlichen Nutzung zu überlassen, könne die Gewerkschaft leben. Allerdings werde Tiefensee bei der Umsetzung wohl Probleme mit den Unions-Bundestagsabgeordneten bekommen. Die Entscheidung über die Form der Bahnprivatisierung trifft der Bundestag.
Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Bundestages, der CDU-Abgeordnete Klaus Lippold, warf den Gewerkschaften vor, sie wollten mit den Warnstreiks Einfluss auf eine politische Entscheidung nehmen. Lippold sagte am Morgen im Deutschlandfunk, die Beschäftigungssicherung habe nichts mit der Organisationsform des Schienennetzes bei einem Börsengang der Bahn zu tun. Die Warnstreiks sollten daher eingestellt werden. Zudem teilten nicht alle Gewerkschaften die Meinung von Transnet und GDBA, sagte Lippold und verwies auf die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die Lokomotivführergewerkschaft GDL.
Der jüngste Kompromissvorschlag von Minister Tiefensee hat nach Ansicht von Lippold noch viele Ungereimtheiten. Er müsse intensiv geprüft werden, sagte Lippold weiter. Er laufe letztendlich auf das integrierte Modell, bei dem die Bahn das Schienennetz behält, hinaus. „Das kann nicht sein", sagte Lippold.
(ddp,dr)
Warnstreiks führen zu Zugverspätungen - Bahn schaltet Kundenhotline
Pünktlich wie die Bahn
Der Beginn der Warnstreiks der Bahnbeschäftigten hat am Freitagmorgen in drei westdeutschen Bundesländern zu Verspätungen im Nah- und Fernverkehr geführt. Die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA hatten am Donnerstagabend nach dem Scheitern erneuter Tarifgespräche mit dem Bahn-Vorstand über eine Beschäftigungsgarantie zu den Warnstreiks aufgerufen.

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