Ansprache von Stadtdechant Msgr. Robert Kleine im Segensgottesdienst beim Richtfest für den Rosenmontagszug

Dom- und Stadtdechant Msgr. Robert Kleine / © Beatrice Tomasetti (DR)
Dom- und Stadtdechant Msgr. Robert Kleine / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Erlauben Sie mir eine kurze persönliche Vorbemerkung. Seit ich als Stadtdechant in gutem ökumenischen Miteinander immer am Dienstag vor Karneval hier beim Richtfest diesen kurzen Segensgottesdienst mitgestalte, habe ich immer betont, was Segen und Segnen bedeutet.

Im Lateinischen heißt "segnen" "benedicere"  – übersetzt "Gutes sagen", "jemandem etwas Gutes zusprechen". Und Gott spricht uns Menschen Gutes zu.

Und deshalb sprechen wir zwar davon, dass Orgeln, Wohnungen oder Wagen gesegnet werden, aber es geht immer um die Menschen.

Um die Menschen, die die Orgel spielen oder hören. Um die Menschen, die in der Wohnung wohnen oder dort zu Besuch sind. Um die Menschen, die jetzt, am Rosenmontag, die Wagen steuern, um Beifahrer und die anderen Verkehrsteilnehmer bei einer Autosegnung sowie die, die sich auf dem Fußweg befinden.

 So ist das auch immer der Fall bei dieser Segnung. Ich erbitte seit Jahren voller Freude und mit Dankbarkeit den Segen für einen unfallfreien Rosenmontagszug. Ich segne nicht die dargestellten Motive. Oder die dahinterstehenden expliziten oder impliziten Aussagen.

Die meisten von Ihnen und Euch wissen, dass besonders ein Motivwagen in auch öffentlich geäußerter Kritik steht. Und auch ich persönlich finde diesen Wagen missverständlich, – und die Bemühungen der Kirche um Aufarbeitung der furchtbaren Missbrauchsverbrechen nicht in den Blick nehmend. 

Aber der Wagen legt den Finger zurecht in die Wunde. Ich hätte mir aber eine eindeutige und nicht mehrdeutige Darstellung gewünscht, die viele Jecke am Rand in der Kürze der Zeit am Rosenmontag vielleicht in ihrer Komplexität nicht erfassen können.

Ich habe auch den Verantwortlichen des Festkomitees meine Kritik an dem Wagen und meinen Vorschlag um Veränderung mitgeteilt.

Aber der jetzige Segen – und dass ich hier oben stehe – bedeutet eben nicht, dass ich die Darstellungen der Motiv-Wagen ab-segne oder gut-heiße, das ist auch nicht meine Aufgabe und das wäre auch anmaßend und übergriffig, in die Wahl der Wagen des Rosenmontagszuges eingreifen zu wollen.

Und aus diesem Grund werde ich jetzt wieder voller Freude mit Dr. Seiger die Wagen segnen, obwohl es bis eben noch manche Aufforderungen an mich gab, es in diesem Jahr explizit nicht zu tun. Aber ich sehe es als meine Aufgabe, die Wagen zu segnen.

Denn es ist mir ein Herzensanliegen, dass es auch in diesem Jahr im wahrsten Sinne des Wortes ein gesegneter, unfallfreier und unbeschwerter Rosenmontagszug wird.