Christen in der Türkei beim Gebet festgenommen

Religionsfreiheit ad absurdum

In der türkischen Provinz Artvin sind 22 Christen aus ihrer Kirche heraus festgenommen und abgeführt worden, weil Anwohner und Sicherheitskräfte sie der "missionarischen Aktivitäten" verdächtigten. Wie die Tageszeitung "Taraf" und andere türkische Medien am Samstag meldeten, sichtete eine Streife der paramilitärischen Gendarmerie am Freitag im Dorf Cevizli einen Priester im Ornat auf der Straße vor einer Kirche - und handelten.

 (DR)

Die Soldaten nahmen sowohl den Priester als auch die in der Kirche betende Gemeinde - 18 Frauen und drei Männer - fest und führten sie zur Wache ab.

Bei dem Geistlichen handelte es sich um einen georgischen Priester, wie sich bei der Aufnahme der Personalien herausstellte. Der 33-Jährige war drei Tage zuvor aus dem nahen Georgien eingereist, um in den Kirchen der Region Gottesdienste zu zelebrieren. Die Bewohner von Cevizli gaben zu Protokoll, die Christen hätten im Dorf Bonbons an Kinder und Bibeln an Erwachsene verteilt. Die Gendarmen nahmen dem Geistlichen eine Geldstrafe von umgerechnet 70 Euro für das Tragen von religiöser Kleidung in der Öffentlichkeit ab, das in der Türkei verboten ist; anschließend wurden die Christen freigelassen.

Offiziell herrscht in der Türkei zwar Religionsfreiheit, weder der christliche Gottesdienst noch das Missionieren sind verboten. In der Praxis gelten Christen und erst recht Missionare der türkischen Öffentlichkeit aber vielfach als feindliche Agenten, die die türkische Nation unterwandern wollten.