Die ehemalige Klosteranlage Corvey blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Am 25. September 822 hatten Mönche aus Westfranken den Grundstein für ein Kloster gelegt, das zwischenzeitlich als "Wunder Sachsens und des Erdkreises" von sich reden machte.
Vitus, ein zu Beginn des vierten Jahrhunderts gestorbene Märtyrer aus Italien, dem angeblich weder siedendes Öl noch hungrige Löwen etwas anhaben konnten, ist dabei so etwas wie ein Sinnbild für die wechselvolle Geschichte Corveys: Mehrere Male stand die Abtei buchstäblich vor dem Aus. Um dann in letzter Minute wieder aufzuerstehen.
Der Anstoß zur Gründung erfolgte durch keinen Geringeren als Karl den Großen. Benannt nach dem nordfranzösischen Mutterkloster Corbie sollte das von Karls Nachfolger Ludwig dem Frommen 822 zu Ende geführte Werk die kurz zuvor eroberten sächsischen Territorien in das Reich der Franken eingliedern.
Im lichten Tal der Weser gelegen, zog Corvey die Menschen bald in seinen Bann. Das Wissen der Zeit trugen die Mönche in einer riesigen Bibliothek zusammen und vervielfältigten es in der Schreibstube, dem Skriptorium. Wirtschaftliche Grundlage lieferten ausgedehnte Besitzungen, die Anfang des 11. Jahrhunderts von Holland bis an die Elbe reichten. Doch der Einfluss der Geistlichkeit war manchen weltlichen Herren bald ein Dorn im Auge; der Stern Corveys begann zu sinken.
Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) schließlich hinterließ die Abtei in Trümmern. Doch schon gut 50 Jahre später stand die neue Abtsresidenz. Neben dem mit karolingischen Originalmalereien verzierten Westwerk der ehemaligen Abteikirche ist der barocke Prachtbau bis heute ein Fixpunkt auf dem 80.000 Quadratmeter großen Areal.
1803 schien erneut das letzte Stündlein für Corvey zu schlagen: Als Folge der Säkularisierung erlosch das geistliche Leben in der Abtei. Grund und Boden kamen in Adelshände. Seit 1840 führen die Besitzer die Titel eines Herzogs von Ratibor und Fürsten von Corvey. Sie haben die "Freude und Herausforderung", den geschichtsträchtigen Ort für die Nachwelt zu erhalten, wie es der fünfte Fürst von Corvey und Herzog von Ratibor, Viktor, formuliert.
Dazu zählt auch der Erhalt der Bibliothek. Aus alten Zeiten blieben zwar nur 16 Bücher. Aber Landgraf Viktor Amadeus von Hessen-Rotenburg, ein Vorfahr des jetzigen Schlossherrn, sorgte für Ersatz. 36.000 Bände umfasste seine Sammlung - die dessen Neffe Viktor mit Hilfe eines berühmten Experten noch einmal verdoppeln ließ. Von 1860 bis 1874 arbeitete August Heinrich Hoffmann von Fallersleben als Bibliothekar in Corvey. Der Dichter der deutschen Nationalhymne liegt im Schatten seiner Wirkungsstätte begraben.
Die Verantwortung für das Anwesen teilt sich Herzog Viktor V. mit zwei weiteren Parteien: der gemeinnützigen Gesellschaft "Kulturkreis Höxter-Corvey" und der örtlichen Kirchengemeinde Sankt Stephanus und Vitus. (KNA)






Corvey 1
37671 Höxter
Deutschland