Bei seiner Arbeit im Flüchtlingsdienst ist ihm wichtig, dass Geflüchtete als Menschen mit ihren individuellen Geschichten wahrgenommen werden. In einer oft anonymen und belastenden Situation schenkt er ihnen Aufmerk-samkeit und Gehör. Er schafft Räume, in denen sie sich öffnen können, ernst genommen werden und neue Perspektiven entwickeln. "Die Begegnung mit Asylsuchenden, Migrantinnen und Migranten, die viele persönliche Qualitä-ten haben, bereichert mich“, so Pater Korditschke.
Evangelisch-lutherisch getauft nahm er als Elfjähriger zum ersten Mal an einer Heiligen Messe teil. Das bewegte ihn so tief, dass er seitdem regel-mäßig katholische Gottesdienste besuchte und mit 16 Jahren katholisch wurde. Schön früh kam der Wunsch auf, Priester zu werden – um Jesus Christus nachzufolgen, in Verbundenheit mit ihm zu leben und sich für seine Botschaft vom anbrechenden Reich Gottes zu engagieren.
Er studierte Philosophie in München und Indiana (USA), anschließend Theo-logie in Frankfurt-Sankt Georgen. Nach der Priesterweihe war er als Kaplan in der Nähe von Hamburg tätig und dort Pfadfinderkurat und Dekanatsjugend-seelsorger. 2008 trat er in den Jesuitenorden ein und arbeitete nach dem Noviziat als Bildungsreferent, worauf ein Studium der Spiritualität in Spanien folgte. Seine weiteren beruflichen Stationen: 2015 bis 2017 Flüchtlingsseel-sorger in Berlin, vor allem in der Abschiebehafteinrichtung Eisenhüttenstadt, 2017 bis 2021 Leiter der Kath. Glaubensinformation Berlin, 2021 bis 2023 Seelsorger im Exerzitienhaus HohenEichen (Dresden), seit 2023 Arbeit für den Jesuiten-Flüchtlingsdienst und Diözesanflüchtlingsseelsorger in Berlin.
Danach gefragt, wen er gerne einmal kennengelernt hätte, nennt Pater Korditschke neben dem früheren Generaloberen des Jesuitenordens und Gründer des Jesuit Refugee Service Pedro Arrupe (1907 – 1991) die US-ame-rikanische, katholische Aktivistin, Sozialistin und Journalistin Dorothy Day (1897 – 1980), um von ihr zu hören, wie für sie Glaube und der Einsatz für Gerechtigkeit zusammengehören und wie sich dies im Leben von Katho-likinnen und Katholiken heute zeigen könnte und sollte.
Jesuiten in Zentraleuropa: Pater Jan Korditschke SJ