Bischöfe fordern an Heiligabend Frieden und Nächstenliebe

"Werdet also Menschen mit einer großen Hoffnung"

An Heiligabend verbreiten die Deutsche Bischöfe in ihren Predigten Hoffnung. Angesichts zahlreicher Kriege, stärker werdender politischer Polarisierung und des Anschlags von Magdeburg gewinne die christliche Botschaft nur an Relevanz

Bischöfe mit gefalteten Händen / © Julia Steinbrecht (KNA)

Im Zeichen des Anschlags von Magdeburg und zahlreicher internationaler Krisen und Konflikte beginnen die Deutschen mit den Weihnachtsfeierlichkeiten. Die Ereignisse des letzten Jahres spiegeln sich denn auch in den Predigten der Deutschen Bischöfe.

So haben die Vertreter der beiden großen Kirchen in Bayern dazu aufgerufen, sich aktiv für Frieden und Veränderungen einzusetzen. 

Der Münchner katholische Kardinal Reinhard Marx appelliert laut seinem Manuskript in der Predigt zu Heiligabend an die Christen, "die Dinge, wie sie sind, nicht einfach hinzunehmen", sondern an Veränderung, Verbesserung und Zukunft zu glauben. 

Reinhard Kardinal Marx in Augsburg / © Marko Orlovic  (DBK)

Der evangelische Landesbischof Christian Kopp wirbt dafür, sich aktiv für Versöhnung, kluge Diplomatie und ein harmonisches Miteinander einzusetzen: "Von dir und mir kann Frieden ausgehen. Die Welt braucht diesen Frieden dringender denn je."  

Die weihnachtliche Hoffnung sei Inspiration und Kraftquelle für alle Menschen, betont der Kardinal. An die Gläubigen gewandt fordert er: "Werdet also Menschen mit einer großen Hoffnung!" 

Seinen Worten zufolge gilt es Möglichkeiten zu erkunden, angesichts des Krieges den Frieden zu suchen, inmitten von Gewalt den Weg der Gewaltlosigkeit zu erkennen. Im Dickicht von Hass und Polarisierung sollten die Augen aufgemacht und Brücken der Versöhnung gebaut werden. 

"All das ist möglich, es ist kein Wunschdenken, weil es auch immer wieder geschieht und wir es sehen und erfahren können."  

Worte können die Wirklichkeit verändern

Kopp ermutigt, sich von der Kraft positiver Worte inspirieren zu lassen: "Worte können die Wirklichkeit verändern. Lassen wir uns von der Botschaft des Weihnachtsfestes leiten, die Zuversicht und Hoffnung entzündet." 

Worte bewegten die Welt. Weihnachten sei eine Zeit der tiefen Emotionen und des Lichts, erklärt der Landesbischof. 

"Es bringt Licht in die dunkelsten Nächte und schenkt uns die Möglichkeit, immer wieder neu anzufangen."  Gerade an Weihnachten wird laut Marx deutlich: "Die Kirche, wir Christinnen und Christen, sind nicht für uns selbst da, sondern haben eine Botschaft für alle." 

Kirchen sind Anlaufstellen in Krisenzeiten

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, betont seinerseits die wichtige Rolle, welche Kirchen in Krisenzeiten zukommt. 

Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der DBK (DR)
Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der DBK / ( DR )

So könnten Kirchen gerade in Zeiten voll von Ängsten und Sorgen wie etwa nach dem Anschlag in Magdeburg eine Anlaufstelle sein. 

Das sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, an Heiligabend im Interview des Bayerischen Rundfunks. 

"Es gibt offenbar Situationen im Leben, da brauchen Menschen die Verbundenheit untereinander." 

"Und wir Kirchen sind geübt darin, so etwas zu organisieren und das ins Wort zu heben, was Menschen betrifft, was sie vielleicht gar nicht ausdrücken können im ersten Moment."  

Orte der Versammlung

Der Limburger Bischof sieht die Kirchen eigenen Worten zufolge als Orte der Versammlung von Menschen, wo sie Ermutigung finden können. Das sei das ganz Jahr über der Fall. 

"Aber gerade bei solchen Großlagen, die so unvorstellbar Schreckliches bringen, da können wir einen guten Dienst erweisen." 

Das gelte ganz unabhängig davon, ob die Menschen glaubten oder nicht glaubten.  

Einzige Chance für Nahost die Zwei-Staaten-Lösung  

Mit Blick auf die Lage in Israel und Palästina sagte Bätzing: 

"Diebeiden Völker kommen ja nicht auseinander, sie müssen miteinander leben. Die Zwei-Staaten-Lösung ist für mich die einzige Chance, dass dort in der Region wirklich dauerhaft Frieden ist." 

Kinder strecken ihre Gefäße aus, um in der Stadt Beit Lahia im nördlichen Gazastreifen Nahrung zu bekommen / © Mahmoud Zaki/XinHua (dpa)
Kinder strecken ihre Gefäße aus, um in der Stadt Beit Lahia im nördlichen Gazastreifen Nahrung zu bekommen / © Mahmoud Zaki/XinHua ( (Link ist extern)dpa )

Er erinnerte daran, dass auf beiden Seiten Christinnen und Christen lebten. Ihnen gelte die besondere Solidarität in diesen weihnachtlichen Tagen.

Er denke, dass viele darauf warteten und fragt: "Denn wo sind sonst die Quellen einer Hoffnung, die uns ermutigt, die uns inspiriert, die uns Kraft gibt, die Welt immer wieder neu zu verbessern?" 

Ohne Hoffnung könne niemand leben, ohne Hoffnung verbleibe man in der Finsternis: "Das treibt uns an, Quellen der Hoffnung zu erschließen, sonst verzweifeln wir." 

"Heilsamer Gegenpol"

Für Gerhard Feige, als katholischer Magdeburger Bischof in den vergangenen Tagen besonders stark mit den entsetzlichen Ereignissen konfrontiert, ist Weihnachten ein "heilsamer" Gegenpol zu dem brutalen Anschlag. 

Gerhard Feige, Bischof von Magdeburg / © Dominik Wolf (KNA)

"Trotzdem oder gerade deshalb feiern wir Weihnachten, das Fest, das viele mit einer großen Sehnsucht nach Liebe, Heimat und Geborgenheit verbinden."  

Schon vor 2.000 Jahren eine zerrissene Welt  

Die Menschwerdung Gottes an Weihnachten vor 2.000 Jahren habe auch nicht in einer heilen und unversehrten Welt stattgefunden, "sondern in der Welt, wie sie ist, zerrissen und widersprüchlich und manchmal kaum auszuhalten". 

Krippenfresko in der Franziskaner-Kapelle auf den Hirtenfeldern in Bait Sahur, nahe Bethlehem / © meunierd (shutterstock)

Die christliche Weihnachtsbotschaft lasse aber neuen Mut schöpfen: "Gott will uns nahe sein und uns in allen Nöten und Schwierigkeiten beistehen."  

Mit gutem Gewissen Weihnachten feiern 

Auch die Hamburger evangelische Bischöfin Kirsten Fehrs ermunterte dazu, trotz aller Krisen mit gutem Gewissen Weihnachten zu feiern: 

Bischöfin Kirsten Fehrs / © Katharina Gebauer (KNA)

Das Fest könne eine Auszeit sein und dazu einladen, "all den Irrsinn und die bedrückende Gewalt, um politischen Streit, um Krisen und schlechte Nachrichten einmal hintenan zu stellen", betonte die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in ihrer Weihnachtsbotschaft.  

"Eine solche Auszeit bedeutet keine Gleichgültigkeit. Sie ist vielmehr eine Einladung, Kraft zu schöpfen und neu auf die Herausforderungen unserer Welt zu blicken." Die Weihnachtstage seien auch eine Chance für die Menschen in Deutschland, neu zueinander zu finden.

Weihnachten

Weihnachten ist das Fest der Geburt Jesu Christi. Wann genau vor etwa 2.000 Jahren Jesus geboren wurde, ist nicht bekannt. Die Feier des 25. Dezember als Geburtsfest Jesu ist erstmals für das Jahr 336 in Rom bezeugt.

Weihnachten heißt so viel wie heilige, geweihte Nächte. Die Geburt Jesu bedeutet nach christlichem Verständnis die Menschwerdung Gottes; in Jesus hat sich Gott den Menschen mitgeteilt, sich in ihre Geschichte hinein begeben, sich ihrer erbarmt und ihnen Heil geschenkt. Deshalb gilt Weihnachten als Fest der Liebe.

Weihnachtsbaum / © Bernd Weissbrod (dpa)