Die ganze Welt an einem Tisch im Kreuzgang des Aachener Doms

Symbolische Installation

Eine Installation im Aachener Dom stellt rund 200 Länder der Welt an einem Tisch symbolisch dar. "The Global Supper" der Künstlerin Lilli Muller ist von diesem Montag an bis 18. Mai im Kreuzgang des Doms kostenfrei zu sehen.

Aachener Dom / © engel.ac (shutterstock)

"Unsere Idee ist, in einer Welt, in der die Konfrontation überhandnimmt, alle an einen Tisch zu bringen, miteinander essen, reden und diskutieren zu lassen", erklärte der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums, Jürgen Linden, in Aachen.

Die Schau gehört zum Rahmenprogramm der Verleihung des Karlspreises, der in diesem Jahr an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk geht.

Aufruf zu mehr Menschlichkeit und Toleranz

"Leider gibt es momentan in der Realität diesen Tisch nicht, an dem man über den Frieden verhandeln könnte, weil die Bedingungen dafür nicht gegeben sind", so Linden. Trotzdem müsse alles dafür getan werden, um Menschen unterschiedlicher Herkunft und Meinungen weltweit zusammenzuführen.

Kreuzgang am Aachener Dom / © Julia Steinbrecht (KNA)
Kreuzgang am Aachener Dom / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Die Installation solle zum Nachdenken anregen, wo der Platz des Einzelnen an dem symbolischen Tisch sein könne. Der Kreuzgang des Aachener Doms mit seiner großen Geschichte sei dafür der richtige Ort.

Die in Los Angeles lebende Künstlerin Muller rief angesichts von Krisen und Kriegen zu mehr Menschlichkeit und Toleranz auf. "Wir müssen alle Menschen akzeptieren und bei der Änderung des Verhaltens bei uns selbst anfangen." Jedes Land der Erde und auch Geflüchtete hätten an ihrem Tisch einen Platz.

Darstellung von Ungleichheit, Hunger und Ausbeutung

Für die Installation hat Muller lange, mit violettem Samt drapierte Esstische aufgebaut. Gläser mit unterschiedlichen Füllmengen geben Aufschluss über das jeweilige Bruttoinlandsprodukt eines Landes, Tischkarten Hinweise auf wirtschaftliche Daten wie Einwohnerzahl und Lebenserwartung. Dadurch sollen Ungleichheit, Hunger und Ausbeutung in der Welt dargestellt werden.

Paradiesbrunnen in der Mitte des Kreuzganges vom Aachener Dom / © Julia Steinbrecht (KNA)
Paradiesbrunnen in der Mitte des Kreuzganges vom Aachener Dom / © Julia Steinbrecht ( KNA )

"The Global Supper" war zuvor nur während der Biennale in Venedig zu sehen. Veranstalter in Aachen ist neben dem Karlspreisdirektorium auch die Europäische Stiftung Aachener Dom (ESAD). Die Installation wird von kulturellen Veranstaltungen und Diskussionsrunden begleitet. Sie findet auch mit Blick auf die Aachener Heiligtumsfahrt vom 9. bis 19. Juni statt.

Die Aachener Heiligtumsfahrt

Die Aachener Heiligtumsfahrt gibt es seit 1349. Sie findet alle sieben Jahre statt. Wegen der Corona-Pandemie wurde der Rhythmus unterbrochen: Statt 2021 wird sie dieses Jahr vom 9. bis 19. Juni veranstaltet. Ziel der Wallfahrt sind die im Aachener Dom befindlichen Heiligtümer: Tuchreliquien, bei denen es sich der Überlieferung nach um das Kleid Marias, das sie in der Geburtsnacht getragen hat, die Windel Jesu, das Enthauptungstuch Johannes' des Täufers sowie das Lendentuch Jesu bei der Kreuzigung handelt. (KNA/17.03.2023)

Heiligtumsfahrt Aachen (KNA)
Heiligtumsfahrt Aachen / ( KNA )
Quelle:
KNA