Erzbischof Bentz will im Irak Christen stärken

Wiege des frühen Christentums

Mit Erzbischof Udo Markus Bentz besucht erstmals seit 2018 besucht ein deutscher Bischof den Irak. Nach schweren Zeiten bemüht sich das Land um eine friedliche Zukunft. Christen, Jesiden und Muslime suchen nach ihrer Rolle.

Erstkommunionkinder in Karakosch, Irak / © Jean-Matthieu Gautier (KNA)

Mit einem Besuch im Irak wollen die deutschen Bischöfe die verbliebenen Christen im Land stärken. Er wolle "den Christinnen und Christen im Irak sagen, dass wir an ihrer Seite stehen", erklärte der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz am Freitag nach seiner Ankunft in der irakischen Hauptstadt Bagdad. 

Dr. Udo Markus Bentz, Erzbischof von Paderborn. / © Besim Mazhiqi (EBP)

"Der Irak hat sich nach den Terrorjahren des 'Islamischen Staates' erholt, aber er sucht noch immer nach friedlicher Koexistenz von Religionen und Konfessionen", fügte der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Bischofskonferenz hinzu. Zuletzt war ein deutscher Bischof 2018 im Irak. Danach geplante Reisen waren wegen der Corona-Pandemie und aus Sicherheitsgründen abgesagt worden.

Vom Irak lernen

Der Irak mache einen Versöhnungsprozess durch, an dem die Kirche mit ihrem zivilgesellschaftlichen Einsatz wesentlich beteiligt sei, so Bentz weiter. Gerade angesichts der Unsicherheit in der christlichen Bevölkerung nach dem Sturz des Assad-Regimes in Syrien wolle er vom Irak lernen, wie das Land nach einer Terrorherrschaft zu neuer Zuversicht und gemeinsamer Verantwortung aller Bevölkerungsteile gefunden habe.

"Mir ist wichtig, dass wir den Irak – als Wiege der Zivilisation und auch des frühen Christentums – nicht aus dem Blick verlieren", ergänzte der Bischof. In Bagdad, im nordirakischen Erbil und in der Ninive-Ebene wird Bentz ranghohe Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft treffen. Außerdem will er Hilfsprojekte der Caritas besuchen und sich ein Bild machen von Wiederaufbauprogrammen und den Rückkehrmöglichkeiten von Christen in der Region.

Auch die Jesiden nicht vergessen

"Beim Wiederaufbau des Irak bedarf es einer verantwortungsvollen Kooperation von Kirchen, Religionen und dem Staat. Nur zusammen lässt sich dieser Prozess forcieren", betonte der Bischof. Außerdem wolle er "bei aller Solidarität mit unseren christlichen Schwestern und Brüdern die Jesiden nicht vergessen, die in besonderer Weise unter dem Terror gelitten haben". 

Wie den Christen müsse auch dieser Glaubensgemeinschaft der verfassungsrechtlich zugesicherte Minderheitenstatus erhalten bleiben: "Mein Solidaritätsbesuch gilt daher allen: Christen, Jesiden und auch den muslimischen Bekenntnissen."

Christen im Irak

Der Irak zählt zu den ältesten Siedlungsgebieten des Christentums. Dessen Ursprünge im Zweistromland werden bis auf den heiligen Apostel Thomas zurückgeführt. Im irakischen Kernland, dem früheren Mesopotamien, stellten Christen vor der islamischen Eroberung im 7. Jahrhundert die Bevölkerungsmehrheit. Ihr Anteil nahm danach immer weiter ab.

Papst Franziskus zu Besuch im Irak / © Ameer Al Mohammedaw (dpa)