Erzbistum Toronto entsetzt über Bluttat

Zehn Tote bei Amokfahrt

Mit Entsetzen hat die katholische Kirche auf die Todesfahrt mit einem Lieferwagen im kanadischen Toronto reagiert.  Ein 25-Jähriger tötete zehn Menschen, etliche Passanten wurden schwer verletzt.

Autor/in:
Johannes Schmitt-Tegge
Anschlag in Toronto / © Nathan Denette/The Canadian Press (dpa)
Anschlag in Toronto / © Nathan Denette/The Canadian Press ( dpa )

Die Katholiken seien in Gedanken und Gebeten bei den Toten und Verletzten, hieß es am Dienstag auf dem Twitterkanal der Erzdiözese Toronto. "Lasst uns einander aufrichten in dieser Zeit des Schmerzes", so der Appell im Namen ihres Kardinals Thomas Collins.

Der Täter war am Montagnachmittag (Ortszeit) mit einem gemieteten Transporter vorsätzlich in die Menschenmenge gefahren. Dabei starben nach bisherigen Informationen mindestens zehn Passanten, 15 weitere wurden nach Polizeiangaben verletzt. Der Wagen kam mit demolierter Motorhaube auf dem Gehweg zum Stehen, ehe die Polizei ihn umstellte und den Fahrer festnahm. Bei dem Täter handelt es sich laut Polizei um einen 25-Jährigen aus Toronto.

Motiv noch unklar

Zu Motiven oder einem möglichen terroristischen Hintergrund machten die Behörden zunächst keine Angaben. Alles sehe nach einer vorsätzlichen Tat aus, ermittelt werde in alle Richtungen, sagte Saunders. Die Sender NBC und CTV berichteten unter Berufung auf Strafverfolger und Sicherheitskreise, der Täter sei vermutlich geistig verwirrt.

Die zuvor geltende mittlere Terrorwarnstufe in der kanadischen Millionenmetropole, wo bis Montag die Außenminister der G7-Staaten getagt hatten, bleibe unverändert, sagte Ralph Goodale, Minister für öffentliche Sicherheit. Für eine erhöhte Terrorgefahr gebe es keine Hinweise. Kanadas Premierminister Justin Trudeau äußerte sich entsetzt über den "schrecklichen Vorfall" und dankte den Rettern vor Ort. Bundesaußenminister Heiko Maas spra

ch den Überlebenden des "schrecklichen Verbrechens" sein Beileid aus, ebenso wie die US-Regierung.

Todesfahrt in Schlangenlinien

Innerhalb von Minuten verwandelte sich die Geschäftsgegend im Bezirk North York, der etwa 30 Minuten nördlich von der Innenstadt liegt, in einen blutigen Tatort. Mit 60 bis 70 Stundenkilometern erfasste der weiße Wagen Fußgänger, als er um die Mittagszeit von der Straße auf den Bürgersteig fuhr und über rund 15 Straßenblocks hinweg immer wieder zwischen Straße und Geweg wechselte.

Der Täter sei in Schlangenlinien gefahren, sagte Augenzeuge Amir Bahmeyeh dem "Toronto Star". Er habe beobachtet, wie das Auto fünf oder sechs Menschen erfasste. "Ich sah einen alten Mann durch die Luft fliegen." Die Menschen hätten um Hilfe geschrien und versucht, die Polizei in Richtung des Fahrers zu lotsen.

"Überall waren Körper"

Michele Kelman, die in der Gegend bei einer IT-Firma arbeitet, wurde auf dem Rückweg vom Mittagessen fast von dem Auto erfasst. Sie und ihre Freundin hätten hinter sich Schreie gehört und durch die Luft wirbelnde Gegenstände gesehen, sagte sie der "Globe and Mail". Der Wagen sei auf sie zugerast und habe dann ihre Freundin tödlich getroffen. "Überall waren Körper", sagte Kelman.

Laut Polizeichef Saunders handelt es sich bei dem nicht vorbestraften Fahrer um einen 25-Jährigen namens Alek Minassian. Sein Wagen kam mit völlig demolierter Motorhaube auf dem Gehweg zum Stehen, ehe die Polizei ihn umstellte. Im Video eines Augenzeugen ist zu sehen, wie der Fahrer mit einem Gegenstand in Richtung eines Polizisten zeigt und dabei "Töte mich!" sowie "Schieß' mir in den Kopf!" ruft. Schüsse fielen vor seiner Festnahme aber nicht. Laut Polizeichef Saunders hatte der Mann auch gar keine Schusswaffe bei sich.

Bürgermeister mahnt zur Ruhe

"Er hat die Leben so vieler Menschen zerstört", sagte Augenzeuge Alex Shaker dem Sender CTV. "Alles, was ihm in den Weg kam." Auch jemand mit einem Kinderwagen sei vom Auto erfasst worden. Kurz nach dem Schock versuchten Augenzeugen, verletzten Opfern zu helfen. Auf dem Gehweg waren Blutspuren zu sehen, Fotos zeigten mit orangefarbenen Planen bedeckte, offenbar leblose Körper.

Torontos Bürgermeister John Tory sprach den Bürgern Mut zu. "Die Stadt ist momentan in sicheren Händen", sagte Tory. Er bat Anwohner, nach Hause zu gehen und Ruhe zu bewahren. "Es ist eine Zeit, in der wir so ruhig wie nur möglich sein sollten." Die Polizei sperrte die Gegend ab, auch der U-Bahnverkehr wurde unterbrochen.

Schreckliche Wiederholung

In Kanada war es schon mehrmals zu Attacken mit Fahrzeugen gekommen. In Edmonton im Westen des Landes griff ein Angreifer im September einen Polizisten mit einem Messer an und rammte dann vier Menschen mit einem gemieteten Lieferwagen. 2014 fuhr ein Mann in Québec zwei Soldaten an, einer von ihnen kam ums Leben.

 


Trauer in Toronto / © Aaron Vincent Elkaim/The Canadian Press (dpa)
Trauer in Toronto / © Aaron Vincent Elkaim/The Canadian Press ( dpa )
Quelle:
KNA , dpa
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