Jerusalem rüstet sich für Kar- und Ostertage

Hochsaison im Heiligen Land

Jerusalem putzt sich raus: Ostern und Pessach sind traditionell besucherstarke Zeiten. Daran ändern auch Donald Trumps umstrittene Jerusalem-Erklärung und die Proteste der Kirchen gegen israelische Gesetzesvorhaben nichts.

Autor/in:
Andrea Krogmann
Kreuzweg durch die Via Dolorosa / © David Vaaknin (KNA)
Kreuzweg durch die Via Dolorosa / © David Vaaknin ( KNA )

Gleich zweimal hat das Heilige Land in jüngerer Zeit einen Dämpfer erhalten. Die umstrittene Jerusalem-Erklärung von US-Präsident Donald Trump sorgte gegen Weihnachten für Sorge um den Tourismus. Und eine Eskalation in einem seit längerem schwelenden Streit zwischen den Kirchen und dem Staat Israel führte mitten in der Fastenzeit zu einer vorübergehenden Schließung der Jerusalemer Grabeskirche.

Dem Aufwärtstrend bei den Besuchern im Heiligen Land hat offenbar beides keinen Abbruch getan. In Jerusalem stehen alle Zeichen auf pilgerreiche Kar- und Ostertage.

Hohe Touristenzahl

Schätzungen zu den Besucherzahlen für die Ostertage liegen nach Angaben des Polizeisprechers Micky Rosenfeld bislang ebenso wenig vor wie Informationen zu den Ausreisegenehmigungen für die Christen im Gazastreifen oder Angaben zum Einsatzkontingent der Polizei. Auch das Tourismusministerium hat seine Rechnungen noch nicht gemacht. Fest steht laut jüngsten Statistiken aber schon jetzt: Die Zahl der Touristen hat seit Jahresbeginn im Vergleich zum ohnehin guten Vorjahr noch einmal angezogen.

Das bestätigt auch das Christian Information Center in der Jerusalemer Altstadt. Die Zahl jener, die über das Zentrum Gottesdienste an Heiligen Stätten buchen, hat sich laut den Statistiken des Direktors, Franziskanerpater Tomasz Dubiel, von 11.000 Pilgern im Januar 2016 auf 26.000 im Januar 2018 mehr als verdoppelt - die orthodoxen Pilger nicht eingeschlossen.

Palmprozession einer der Höhepunkte

Als Indikator für den Pilgerandrang zur Kar- und Osterwoche gilt den örtlichen Kirchenvertretern erfahrungsgemäß der Palmsonntag - und die Antwort auf die Frage, wie viele einheimische und ausländische Gläubige dann mit ihren Palmwedeln in bunter Prozession von Bethfage über den Ölberg in die Jerusalemer Altstadt ziehen.

Die Palmprozession als Auftakt der Osterfeiern im Heiligen Land ist traditionell einer der Höhepunkte für Pilger. Für die einheimischen Christen ist sie zugleich eine festliche Darstellung ihrer Präsenz.

Es folgen am Gründonnerstag die Liturgie der Fußwaschung in der Grabeskirche, eine Prozession zum Abendmahlssaal auf dem Berg Zion und eine nächtliche Gebetswache beim Garten Getsemani. Am Karfreitag ziehen Gläubige traditionell im Gedenken an den Leidensweg Jesu mit großen Holzkreuzen über die Via Dolorosa bis zur Grabeskirche.

Am Freitagabend wird die seit Jahrhunderten von den Franziskanern gepflegte Tradition der Kreuzabnahme und Grablegung gefeiert. Dazu wird auf dem Golgota-Hügel eine hölzerne Jesusfigur vom Kreuz abgenommen, auf dem Salbstein gesalbt und zum Grab getragen. Die im sogenannten Status quo aus dem 19. Jahrhundert festgeschriebenen Regelungen verbieten jede Veränderung der Ordnung. Sie sind auch der Grund, warum die katholische Osternachtsfeier in der Grabeskirche bereits am frühen Samstagmorgen gefeiert wird.

Kalender sorgt für Entzerrung

Für Entzerrung an den neuralgischen Punkten in der Altstadt und um die Grabeskirche dürfte dabei die Tatsache sorgen, dass zwischen den Feiern der Ost- und Westkirchen durch die unterschiedlichen Kalender in diesem Jahr eine ganze Woche liegen. Der zweite Höhepunkt von Ostern in Jerusalem - die über 1.200 Jahre alte Liturgie des "Heiligen Feuers" am orthodoxen Karsamstag - fällt somit erst auf den 7. April.

Groß ist traditionell auch der jüdische Andrang zum jüdischen Pessachfest. Es beginnt in diesem Jahr mit Sonnenuntergang des 30. März - Karfreitag nach westlicher Kalenderrechnung - und endet am 7. April mit Anbruch der Dunkelheit. Der bevorstehende 70. Jahrestag der Staatsgründung Israels im April könnte nach Angaben der Tourismusbranche stellenweise zu Engpässen bei Hotelbetten führen.

Der Andrang der christlichen Pilger zu Ostern macht unterdessen an der Stadtgrenze Jerusalems nicht halt. Das Pilgerhaus Tabgha am See Genezareth ist ausgebucht; ebenso sind die Gästezimmer im benachbarten Benediktinerkloster von Mitte März bis Mitte Mai voll belegt. Gerade an Ostern, sagt Gastpater Jonas Trageser, buchten viele "oft schon ein Jahr im Voraus". 

Jerusalem

Blick auf Jerusalem / © JekLi (shutterstock)

Jerusalem ist für die drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam eine zentrale Stadt. Daran erinnern heute archäologische Zeugnisse und Heiligtümer, die sogenannten Heiligen Stätten. Kaum eine andere Metropole hatte eine so wechselvolle Geschichte; immer wieder änderten sich die politischen Machtverhältnisse.

Quelle:
KNA