Rotes Kreuz übt Kritik an Krisenmanagement des Bundes

"Kein Volk von Egoisten"

So groß wie in diesem Jahr waren die Spendeneinnahmen des Deutschen Roten Kreuzes seit Jahren nicht. Vor allem die Flutkatastrophe war ein Auslöser für den Rekord. Beim Krisenmanagement müsse der Bund jedoch mehr tun. 

Helfer des Deutschen Roten Kreuzes / © Filmbildfabrik (shutterstock)
Helfer des Deutschen Roten Kreuzes / © Filmbildfabrik ( shutterstock )

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat 2021 deutlich mehr Spenden erhalten als in den vergangenen Jahren. Es zeichne sich eine Größenordnung von rund 100 Millionen Euro ab, sagte DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt der "Rheinischen Post" (Dienstag). Der Großteil dieser Spenden sei zweckgebunden für die von der Flutkatastrophe betroffenen Gebiete eingegangen. Zudem habe es auch viele Spenden für die Coronahilfe im In- und Ausland sowie für die Auslandseinsätze etwa im Jemen, Syrien oder auch in Afrika gegeben.

Doppelt so viele Spenden wie im Vorjahr

"2020 kamen wir ungefähr auf eine Summe von 57 Millionen Euro, diesmal ist es fast doppelt so viel", fügte sie hinzu: "Wir haben 2021 den höchsten Spendenstand seit mehr als 15 Jahren zu verzeichnen. Nach dem Tsunami in Südostasien am zweiten Weihnachtsfeiertag 2004 mit mehr als 200.000 Toten kamen 124 Millionen Euro zusammen."

Hasselfeldt betonte, die Menschen seien von den Erfahrungen der letzten beiden Jahre - Corona und Flutkatastrophe - geprägt: "Sie gehen künftig bewusster mit sich und anderen um. Auch wenn das nicht für jeden Einzelnen gilt, so gilt es doch für die Gesellschaft insgesamt." Das habe man auch an der großen Hilfsbereitschaft in der Pandemie und besonders nach der Flutkatastrophe im Sommer gesehen: "Die Situation der Mitmenschen ist der Bevölkerung nicht egal. Wir sind kein Volk von Egoisten."

DRK: Mehr Koordination in Krisensituationen nötig

Hasselfeldt forderte in der "Rheinischen Post" eine stärkere Rolle des Bundes bei schwerwiegenden Krisen gefordert. "Es braucht eine stärkere Koordination auf Bundesebene, mehr gemeinsame Ausbildung und auch gemeinsame Übungen aller Akteure." Dies sei beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe richtig angesiedelt. Ob eine Grundgesetzänderung in dieser Frage nötig sei, werde sich zeigen: "Aber mehr Koordinierung und eine bessere Ausstattung auf Bundesebene sind absolut notwendig."

Hasselfeldt nannte ein Beispiel: "Wir brauchen deutschlandweit zehn Logistikzentren für die Betreuung und Versorgung von insgesamt 50.000 Menschen in Krisenfällen. Zwei davon befinden sich im Aufbau, eines davon ist vollfinanziert, eines teilfinanziert. Jetzt geht es darum, die restlichen acht Logistikzentren zügig umzusetzen."

Weiterentwicklung des Ehrenamtes

Außerdem brauche es mehr mobile Arztpraxen. Das Rote Kreuz habe derzeit vier, die alle in der Flutkatastrophe im Einsatz waren und sich auch in der Pandemie bewährt hätten, fügte Hasselfeldt hinzu: "Unser Vorschlag sind hier zwanzig mobile Arztpraxen insgesamt. Außerdem braucht es eine Ausbildung von Pflegeunterstützungskräften, also Ehrenamtliche, die dann über mehr Wissen verfügen als nur über einen Erste-Hilfe-Kurs und im Krisenfall in der Nachbarschaft pflegebedürftigen Menschen helfen."

Auch bei der Gleichstellung von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern des DRK und anderer anerkannter Hilfsorganisationen mit den Ehrenamtlichen bei Freiwilliger Feuerwehr und THW etwa in Fragen der Lohnfortzahlung und Freistellung vom Arbeitsplatz müsse einiges verbessert werden, ergänzte die DRK-Präsidentin.


Quelle:
KNA