Im Münchner Liebfrauendom wird am Sonntagabend ein Mahnmal gegen das Vergessen des Missbrauchs aufgestellt. Das 60 Zentimeter hohe Werk "Heart" des Münchner Künstlers Michael Pendry soll bis Ostern am Altar und danach dauerhaft auf einer Stele in der Krypta des Gotteshauses stehen. In Anlehnung an Psalm 147,3 ist das Werk mit der Inschrift versehen: "Wer heilt die zerbrochenen Herzen?" Die Enthüllung werden der Vorsitzende des Betroffenenbeirats in der Erzdiözese München und Freising, Richard Kick, und Kardinal Reinhard Marx am Abend vornehmen.

Kritik an der Aktion kam vorab vom Eckigen Tisch in Berlin. Dessen Sprecher Matthias Katsch bezeichnete es in seiner Stellungnahme vom Wochenende zwar richtig, eine Erinnerungskultur für den Missbrauchsskandal zu entwickeln. Vor allem aber sollte damit die Kirche an ihr Versagen in der Vergangenheit erinnert und gemahnt werden, es in Zukunft besser zu machen. Es spreche auch nichts dagegen, in diesem Zusammenhang an das Leid der Missbrauchsbetroffenen zu erinnern. Die Münchner Aktion nannte er jedoch problematisch. Katsch warf dem Erzbistum unter anderem vor, Betroffene nicht ausreichend einbezogen zu haben.
Projekt des Betroffenenbeirats
Ein Sprecher der Erzdiözese München und Freising erklärte auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), bei dem Mahnmal "Heart" handele es sich um ein vom unabhängigen Betroffenenbereit der Erzdiözese initiiertes, entwickeltes und umgesetztes Projekt. Es gehe in seiner künstlerischen Gestalt auf eine Radpilgerreise zahlreicher Betroffener nach Rom vor zwei Jahren zurück. Auf ihre Bitte hin habe das Erbistum das Vorhaben finanziell und organisatorisch unterstützt.
Auch der künftige Aufstellungsort sei entsprechend auf den Wunsch der Betroffenen hin realisiert worden, von denen einige am Sonntagabend auch anwesend sein werden, hieß es. Für die Erzdiözese sei dieses Mahnmal ein wichtiger Baustein in der Aufarbeitung und Prävention von Missbrauch, aber sicherlich kein Schlusspunkt.
"Heart"
Geschaffen hat das Werk der 1974 geborene Michael Pendry. Die gitterartig aus Vierkantstahl gefertigte und mit Goldton-Pulver beschichtete Skulptur "Heart" stehe für die Brüche und Lücken im Leben von Missbrauchsbetroffenen, heißt es. Zugleich solle damit die emotionale Verbindung zum erlittenen Leid, zur Kirche und zum Glauben zum Ausdruck kommen.
"Das Kunstwerk zeigt die Verletztheit, Fragilität und Erstarrtheit der Herzen von Missbrauchten und Geschändeten. Die Taten haben die Lebendigkeit und das Vertrauen in das Leben geraubt. Das goldene, strahlende Leuchten der Skulptur weist uns den Weg zu Glaube, Liebe, Zuversicht und Heilung", lautet die Erläuterung im Programm zur Installation.