Der Oberbürgermeister von Münster, Markus Lewe (CDU), hat die kirchliche Stellungnahme in der Migrationsdebatte scharf kritisiert. Er habe sie als "heuchlerisch und verletzend" empfunden. Besonders in katholischen Verbänden werde teilweise "mit ausgestrecktem Finger auf sogenannte Nestbeschmutzer gezeigt", sagte der Politiker im Interview des Magazins "Cicero" (Dienstag).

Gut drei Wochen vor der Bundestagswahl hatten die beiden großen Kirchen in einer Stellungnahme vor den Vorstößen zur Migrationspolitik der Union im Bundestag gewarnt. Die Fraktion hatte in einem Antrag und einem Gesetzentwurf einen schärferen Migrationskurs gefordert und dafür auch Stimmen der AfD in Kauf genommen.
Gesellschaftlicher Einfluss bedroht
Vorstandsmitgliedern in Verbänden, so Lewe weiter, würden "Maulkörbe" umgehängt und sie würden zum Rücktritt gedrängt. Als Konsequenz sei er nach 44 Jahren aus dem Kolping-Verband ausgetreten. Durch eine mangelnde politische Ausgewogenheit der Kirchen drohe ihr gesellschaftlicher Einfluss zu schwinden. Das sei schädlich.
"Was die Kirchen an Gemeinwohlorientierung eingebracht haben, war kostbar, aber das System funktioniert nicht mehr richtig", erklärt der Kommunalpolitiker. Als Konsequenz sprach er sich dafür aus, die Kirchensteuer abzuschaffen und durch eine Gemeinwohlsteuer zu ersetzen.