Ost-Bistümer suchen Wissenschaftler für Missbrauchsstudie

Sozialwissenschaftlicher Ansatz

In die Missbrauchsaufarbeitung in Ostdeutschland kommt Bewegung. Nach anhaltenden Unstimmigkeiten geben die Bistümer Berlin, Dresden-Meißen und Görlitz eine Aufarbeitungsstudie in Auftrag. Dazu wird bis Mai ein Forschungsteam gesucht.

Akten auf einem Tisch / © Julia Steinbrecht (KNA)

Die Bistümer Berlin, Dresden-Meißen und Görlitz haben angekündigt, eine sozialwissenschaftliche Missbrauchsstudie in Auftrag zu geben. Damit wolle man Missbrauchsfälle erfassen und Verantwortlichkeiten benennen, teilte das Erzbistum Berlin am Freitag mit. Die Befunde früherer Untersuchungen sollen dabei einbezogen werden.

Vorschlag des Betroffenenbeirats

Die Ausschreibung der Missbrauchsstudie in den katholischen Ost-Bistümern folgt auf längere Unstimmigkeiten. So drängten die zuständigen Betroffenenbeiräte die kirchlichen Verantwortlichen wiederholt zum Handeln. "Zeitzeugen versterben. Betroffene resignieren", hieß es in einer Stellungnahme des Betroffenenbeirats Ost im Mai 2024.

In seinem Tätigkeitsbericht (November 2024) skizzierte der Beirat ein Studienkonzept, auf das man sich geeinigt habe. Drei Teilprojekte sollen sich Bewältigungsstrategien von Betroffenen, der Verantwortung von Tätern sowie der Rolle von Gemeinden widmen: "Das Studienkonzept stellt die Frage nach den Bedingungen, welche notwendig sind, damit Betroffene handlungsfähig werden (Ermächtigung), damit Täterinnen und Täter Verantwortung übernehmen (Verantwortung) und damit Gemeinden sich ihrer Vergangenheit stellen und Lehren für die Zukunft ziehen (Partizipation)." Diese Schritte nennt nun auch das Erzbistum Berlin.

Auf drei Jahre angelegt

Nun suche man ein Forschungsteam mit Erfahrung in der quantitativen und qualitativen Erfassung, Analyse und Bewertung von sexuellem Missbrauch und eine interdisziplinäre Expertise im historischen, theologischen, soziologischen sowie juristischen Bereich. Interessierte Forscherteams sollen sich bis Mitte Mai mit einem Forschungsexposé melden. Die Studie ist auf drei Jahre angelegt.

Italiens Bischöfe planen Studie zu Missbrauch durch Geistliche

Italiens Bischöfe planen eine Pilotstudie über sexuellen Missbrauch durch Geistliche in den Jahren 2001 bis 2021. Dazu wurde in den vergangenen Monaten eine Testphase mit Beteiligung einiger Diözesen durchgeführt, wie die Italienische Bischofskonferenz zum Abschluss ihrer Vollversammlung in Rom mitteilte. Für die wissenschaftliche Untersuchung seien das Istituto degli Innocenti in Florenz und das Zentrum für Opferforschung und Sicherheit in Bologna zuständig. Sie seien als unabhängige Institutionen anerkannt.

Italienische Bischöfe hinter einer Madonnenfigur / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Italienische Bischöfe hinter einer Madonnenfigur / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( (Link ist extern)KNA )