DOMRADIO.DE: Sind 14/15 Grad gute Temperaturen zum Pilgern oder noch ein bisschen frisch?

Beate Steger (Pilgerexpertin): Das ist eigentlich ganz gut. Da kann man sich gut irgendwo hinsetzen und ein Picknick machen, ohne dass man auskühlt. Ich war letzte Woche bei uns in deutschen Landen pilgern und ich konnte keine zwei Minuten draußen sitzen, ohne das ich komplett ausgekühlt bin.
DOMRADIO.DE: Auf Sardinien gibt es auch einen Jakobsweg. Um nach Santiago zu kommen, muss man über das Meer, das ist sehr spannend oder?
Steger: Eine Freundin von mir ist gerade auf dem Jakobsweg in Sardinien unterwegs. Ich wusste vorher auch nicht, dass es da einen gibt. Mit der Fähre kommt man von Sardinien aus auf die Via Aurelia. Das ist dann ein Jakobsweg, der von Italien Richtung Pyrenäen führt und damit Richtung Santiago. Insofern gibt es schon eine Anbindung. So wie ich das verstanden habe, begreifen die Menschen auf Sardinien ihre Insel als einen eigenen Kontinent. Es gibt daher so viele andere Wege, nicht nur den Jakobsweg. Man hat also erst mal dort genug zu tun und muss gar nicht drüber nachdenken, wie man nach Santiago de Compostela kommt.
DOMRADIO.DE: Was hat Ihre Freundin noch erzählt?
Steger: Sie hat erzählt, dass es eine gigantische Insel ist mit sehr freundlichen Menschen. Der Jakobsweg wurde dort 2009 ins Leben gerufen. Der Weg hat alles, was ein Jakobsweg haben muss. Es gibt einen extra Pilgerpass dafür. Man kann auch ein Zertifikat bekommen, wenn man ein Stück des Weges gemacht hat. Wie viel Weg man gemacht haben muss, um dieses Zertifikat zu bekommen, das habe ich jetzt noch nicht rausfinden können.
Es gibt eine schöne Internetseite über die Wege, wo man sich auch die Tracks oder Wegbeschreibung runterladen kann. Meine Freundin war sehr begeistert. Auf dem Weg findet man alte Kirchen, die zum Teil auch dem Heiligen Jakobus geweiht sind, aber auch viele prähistorische Stätte. Mit solchen Menhiren, da sagt man auch das Stonehenge von Sardinien dazu. Es ist ein buntes Potpourri von allem.
DOMRADIO.DE: Sardinien ist hügelig und bergig. Wie anstrengend ist es da zu pilgern?
Steger: Es ist alles dabei. Meine Freundin hat auch von steilen Pfaden gesprochen, aber auch von 40 Kilometern auf einer stillgelegten Bahntrasse, wo es nur geradeaus ging. Es war relativ flach und das Besondere war, man wurde permanent daran erinnert, dass man auf einer Bahntrasse unterwegs ist, weil die Gleise noch liegen. Da war sie komplett alleine unterwegs. Sie pilgert mit ihrem Hund.

Sie hat aber auch ein Zelt dabei. Das heißt, sie ist nicht unbedingt darauf angewiesen, Unterkünfte zu finden. Aber auch da hatte sie immer mal wieder was, wo sie durchaus unterkommen konnte und das hat ihr unheimlich gut gefallen. Und dann noch Sonne, blauer Himmel und Blick aufs Meer. Was will man mehr?
DOMRADIO.DE: Da ist noch die Frage zu klären, ob man auch da Jakobsmuscheln findet? Ansonsten findet man die in Frankreich an der Küste.
Steger: Das Mittelmeer hat auch Jakobsmuscheln, da gibt es zwei verschiedene Sorten. Und die Muschel, die Jakobea genannt wird, die findet man tatsächlich im Mittelmeer. Im Atlantik ist es eher die Maximus, die große Jakobsmuscheln. Insofern kann man die da finden. Und man kann eben auch noch andere Wege machen. Man muss nicht unbedingt auf diesen Jakobsweg beschränkt sein.
DOMRADIO.DE: Es gibt auf Sardinien den Camino Santa Barbara. Was hat die heilige Barbara mit der Insel zu tun?
Steger: Sardinien hat eine lange Bergbautradition. Die Bergbaustätten der Insel gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Heilige Barbara wird als Schutzpatronin der Bergleute verehrt, weshalb es den Camino Santa Barbara gibt. Dieser wunderschöne Pfad führt durch steile Klippen, Sanddünen und Wälder. Eine sehr vielfältige Strecke. Sardinien ist auf jeden Fall eine Reise wert!
DOMRADIO.DE: Dann steht das nächste Reiseziel fest?
Steger: Ich denke, dafür braucht man mindestens ein halbes Jahr. Allein der Jakobsweg auf Sardinien ist über 1400 Kilometer lang. Man ist da schon eine ganze Weile unterwegs.
Das Interview führte Dagmar Peters.