Regierungschef verurteilt Vorwürfe gegen Johannes Paul II.

"Ich verteidige unseren geliebten Papst"

Im Streit um den Vorwurf der Missbrauchsvertuschung gegen Papst Johannes Paul II. nimmt nun auch Polens Regierungschef den Landsmann in Schutz. Ministerpräsident Mateusz Morawiecki veröffentlichte ein Video in den Sozialen Medien.

Autor/in:
Oliver Hinz
Papst Johannes Paul II. auf Deutschlandbesuch 1996 (KNA)
Papst Johannes Paul II. auf Deutschlandbesuch 1996 / ( KNA )

Ministerpräsident Mateusz Morawiecki erklärte in einem von ihm am Mittwoch in Sozialen Medien veröffentlichten Video: "Ich verteidige heute unseren geliebten Papst, weil ich wie die eindeutige Mehrheit meiner Landsleute weiß, dass wir Johannes Paul II. als Volk sehr, sehr viel verdanken, vielleicht alles verdanken."

Mateusz Morawiecki / © Olivier Matthys (dpa)
Mateusz Morawiecki / © Olivier Matthys ( dpa )

Es gebe eine "Unmenge von Beweisen" dafür, dass der frühere Papst auch in der Kirche gegen "Schandtaten" gekämpft habe. Hingegen gebe es keine oder nur "sehr, sehr zweifelhafte" Belege, dass Johannes Paul II. solche Taten bewusst ignoriert habe, so Morawiecki, ohne sexuellen Missbrauch durch Geistliche beim Namen zu nennen.

Die "Attacken" auf das einstige Kirchenoberhaupt verurteilte der nationalkonservative Regierungschef scharf: "Heute tobt der Krieg nicht nur außerhalb unserer östlichen Grenze. Leider gibt es Kreise, die versuchen, bei uns in Polen keinen militärischen, aber einen Zivilisationskrieg auszulösen." Denn bei den Angriffen auf den polnischen Papst handele es sich nicht um eine zivilisierte Debatte oder einen Bürgerstreit. Sie gingen laut ihm von Kreisen aus, die statt Tradition, Kultur und Normalität eine Revolution wollten, "die das bisherige Leben der Mehrheit der Gesellschaft auf den Kopf stellt".

Fernsehsender beschuldigt früheren Papst

Der Fernsehsender TVN24 hatte Johannes Paul II. (1978-2005) am Montagabend in einem Bericht beschuldigt, in seiner Zeit als Erzbischof von Krakau in den 70er Jahren von Missbrauchsfällen gewusst zu haben. Trotzdem habe er die Täter weiter als Priester in Pfarreien arbeiten lassen.

Papst Johannes Paul II. (Archiv) / © Anton Fuchs (KNA)
Papst Johannes Paul II. (Archiv) / © Anton Fuchs ( KNA )

Auch Betroffene von sexualisierter Gewalt durch Geistliche, die Karol Wojtyla als Erzbischof unterstellt gewesen seien, kamen in dem TV-Bericht zu Wort. Einer der Priester, die des Kindesmissbrauchs beschuldigt wurden, sei vom späteren Papst nach Österreich geschickt worden. Kardinal Wojtyla habe für ihn ein Empfehlungsschreiben an den damaligen Wiener Erzbischof Kardinal Franz König geschrieben, ohne ihn über die Vorwürfe gegen den Priester zu informieren.

Fürsprache auch aus der Bischofskonferenz

Der Krakauer Erzbischof Marek Jedraszewski wies die gegen Johannes Paul erhobenen Vorwürfe energisch zurück. Aktuell laufe mit "Lügen und Unterstellungen" eine "Operation zur Zerstörung der leuchtenden Erinnerung an ihn", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz am Dienstagabend bei einem Gottesdienst in Krakau.

Erzbischof Marek Jedraszewski / © Romano Siciliani (KNA)
Erzbischof Marek Jedraszewski / © Romano Siciliani ( KNA )

"Johannes Paul II. bleibt weiterhin ein Feind der Prediger der Gender-Ideologie, der Befürworter von Abtreibung und Euthanasie, deshalb wird versucht, ihn zu vernichten", so Jedraszewski. Es werde versucht, die Autorität des früheren Papstes zu untergraben: "Man muss seinen heiligen Namen aus unseren Herzen herausreißen." Angesichts eines "Anschlags" auf Johannes Paul II. forderte er zum Gebet und zum Ruf "Bleib bei uns!" auf. Er betonte: "Wir müssen kämpfen."

Wichtige Autorität in Polen

Der Koordinator der Bischofskonferenz für den Schutz von Kindern und Jugendlichen, Pater Adam Zak, sprach sich für eine "weitere Archivrecherche" aus. Sie sei für eine "gerechte Beurteilung der Entscheidungen und Handlungen" von Erzbischof Wojtyla notwendig.

Johannes Paul II. leitete von 1964 bis zu seiner Wahl zum Papst 1978 das Erzbistum Krakau. Er gilt bis heute als wichtige Autorität in Polen und wurde 2014 von der Kirche heiliggesprochen.

Papst Johannes Paul II.

Am 16. Oktober 1978 war der Krakauer Kardinal Karol Wojtyla im Konklave zum Papst gewählt worden. Der damals 58-Jährige war der erste Nicht-Italiener auf dem Papstthron seit 1523 und wählte den Namen Johannes Paul II. Seine Inthronisation fand am 22. Oktober 1978 statt.

Papst Johannes Paul II. in Polen im Jahr 1979 / © KNA-Bild (KNA)
Papst Johannes Paul II. in Polen im Jahr 1979 / © KNA-Bild ( KNA )
Quelle:
KNA