Streit um Synodalen Ausschuss entzweit deutsche Bischöfe

Katholische Reformdebatte gerät ins Stocken

Vier von 27 katholischen Ortsbischöfen haben Nein zur weiteren Finanzierung der kirchlichen Reformdebatte gesagt. Es ist nur eine kleine Minderheit, könnte man meinen. Doch ihr Nein hat gravierende Folgen.

Autor/in:
Joachim Heinz
Bischöfe überqueren die Straße / © Harald Oppitz (KNA)
Bischöfe überqueren die Straße / © Harald Oppitz ( KNA )

Seit Dienstag ist klar: Eine Minderheit der deutschen Ortsbischöfe will den Fortgang der beim Synodalen Weg begonnen Debatte über Reformen in der Kirche nicht weiter finanzieren. Damit ist vorerst offen, woher das Geld für den geplanten Synodalen Ausschuss kommt. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Thema.

Was verbirgt sich hinter dem Synodalen Ausschuss?

Der Synodale Ausschuss soll unter anderem die Einrichtung eines Synodalen Rates vorbereiten. In diesem neuen Gremium wollen Bischöfe und katholische Laien nicht nur beraten, sondern auch gemeinsam entscheiden über mögliche Reformen in der Kirche. Damit wollen sie den im März beendeten Synodalen Weg fortsetzen. Darin hatten Bischöfe und Laien in Deutschland seit 2019 als Konsequenz aus den Missbrauchsskandalen über Reformen gesprochen. Es ging unter anderem um mehr Kontrolle bischöflicher Macht, Frauenrechte und einen angemessenen Umgang mit der Vielfalt geschlechtlicher Identitäten.

Wer sitzt in dem Gremium?

Dem Synodalen Ausschuss gehören nominell 74 Mitglieder an: die Ortsbischöfe, also die Leiter der 27 Bistümer in Deutschland, sodann 27 Mitglieder, die das das höchste repräsentative Gremium der katholischen Laien in Deutschland, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ZdK, gewählt hat; hinzu kommen 20 bei der letzten Vollversammlung des Synodalen Wegs gewählte Vertreter.

Droht die Debatte über Reformen die Kirche in Deutschland zu spalten?

Kritiker haben immer wieder davor gewarnt, dass der Synodale Weg zu Verwerfungen bis hin auf Ebene der Weltkirche führen könne. Mitunter wurden gar Parallelen zu Martin Luther und dem Zeitalter der Reformation vor 500 Jahren gezogen, als sich im deutschsprachigen Raum die protestantischen Kirchen herausbildeten.

Befürworter des Synodalen Weges betonen dagegen immer wieder ihre Einheit mit der Weltkirche. Seit Dienstag ist dessen ungeachtet aber etwas anderes klar: Die deutschen Bischöfe sind uneins über den weiteren Fortgang des Reformdialogs. Gregor Maria Hanke (Eichstätt), Stefan Oster (Passau), Rudolf Voderholzer (Regensburg) und Kardinal Rainer Maria Woelki (Köln) wollen dafür keine weiteren Mittel mehr über den Verband der Diözesen Deutschlands VDD bereitstellen.

Dabei dürfte es weniger um das Geld an sich gehen. Angesichts eines Haushaltes von derzeit rund 130 Millionen Euro stellt die mutmaßlich sechsstellige Summe für den Synodalen Ausschuss keine unüberwindbare Hürde dar. Weil aber die Beschlüsse im VDD einstimmig von allen Ortsbischöfen gefällt werden müssen, haben Hanke, Oster, Voderholzer und Woelki den weiteren Fortgang der Reformdebatte vorerst ausgebremst.

Welche Rolle spielt der Vatikan?

Eine ganz wesentliche, weil die katholische Kirche hierarchisch organisiert ist und deswegen alle Fäden in Rom zusammenlaufen. Mit der von Papst Franziskus 2021 gestarteten Weltsynode hat die Debatte über die Zukunft der Kirche international an Fahrt aufgenommen. Am Dienstag, dem gleichen Tag also, an dem des Dissens unter den deutschen Bischöfen zum Synodalen Ausschuss bekannt wurde, stellte der Vatikan ein Arbeitspapier zur Weltsynode mit Leitfragen zu möglichen Veränderungen in der katholischen Kirche vor.

Gleichzeitig hat Rom immer wieder betont, dass die katholische Kirche in Deutschland nicht befugt sei, ein gemeinsames Leitungsorgan von Laien und Klerikern einzurichten. Nach Ansicht der vier Bischöfe läuft deswegen bereits die Einrichtung eines vorbereitenden Synodalen Ausschusses den Weisungen von Papst Franziskus zuwider.

Wie geht es jetzt weiter?

Trotz des Sondervotums der vier Bischöfe soll die erste Sitzung des Synodalen Ausschusses wie geplant am 10. und 11. November stattfinden. Derzeit wird laut Bischofskonferenz nach alternativen Finanzierungsmodellen gesucht.

Beobachter verfolgen nun gespannt, wie diese Suche ausgeht. Denn sollte dadurch beispielsweise das Einstimmigkeitsprinzip beim VDD grundsätzlich aufgebrochen werden, könnten sich künftig einzelne Bischöfe auch aus der Finanzierung anderer gemeinsamer Aktivitäten zurückziehen. Was das für die Zukunft des seit 1968 bestehenden Dachverbands, den es in dieser Form nur in Deutschland gibt, bedeutet, bleibt abzuwarten.

Für die mit vielen Erwartungen und Hoffnungen beim Synodalen Weg begonnene Reformdebatte bedeutet das Sondervotum der vier Bischöfe einen Rückschlag. ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp erklärte, es seien doch gerade die Bischöfe gewesen, die 2019 in Einigkeit das ZdK gebeten hätten, mit Ihnen diesen Weg zu beginnen. "Angesichts des unfassbaren Missbrauchsskandals in den Reihen der Kirche sind wir gemeinsam mit dem Anspruch gestartet, Umbruch und Erneuerung zu organisieren. Offenbar fehlt es bei einzelnen Diözesanbischöfen an Ernsthaftigkeit." 

Synodaler Weg

Der Begriff "Synodaler Weg" verweist auf das griechische Wort Synode. Es bedeutet wörtlich "Weggemeinschaft"; im kirchlichen Sprachgebrauch bezeichnet Synode eine Versammlung von Bischöfen oder von Geistlichen und Laien.

Der Reformdialog Synodaler Weg dauerte von Ende 2019 bis Frühjahr 2023. Dabei berieten die deutschen katholischen Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) zusammen mit weiteren Delegierten über die Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschland.

Das gelochte Metallkreuz und Teile des Schriftzugs Synodaler Weg  / © Julia Steinbrecht (KNA)
Das gelochte Metallkreuz und Teile des Schriftzugs Synodaler Weg / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
KNA