Das sagte das Kirchenoberhaupt in seiner Predigt zum Sonntagsevangelium, in dem eine Ehebrecherin von Schriftgelehrten verurteilt werden sollten. Anstatt mit dem Finger auf andere zu zeigen, müsse man ihnen besser zuzuhören, so der Papst.
Nicht "als Vorkämpfer Gottes aufspielen"
"Wir werden nicht die Anwesenden zählen, sondern die Abwesenden aufsuchen", fügte er angesichts sinkender Katholikenzahlen im katholisch geprägten Malta, wo vor allem junge Menschen sich von der Kirche abwenden, hinzu: Keinesfalls dürfe man sich "als Vorkämpfer Gottes aufspielen", und dabei "Brüder und Schwestern mit Füßen treten". "Wir werden die Verachteten nicht ausgrenzen, sondern uns zuerst um die kümmern, die als Letzte angesehen werden."
Jesus habe der angeklagten Ehebrecherin vergeben und sie aufgefordert nicht mehr zu sündigen. Dies zeige, so der Papst, "dass jede Bemerkung, die nicht von Nächstenliebe motiviert ist", den anderen "noch mehr niederschmettert. Gott hingegen lässt immer eine Möglichkeit offen und versteht es, jedes Mal Wege der Befreiung und Erlösung zu finden."
Die strengen und theologisch geschulten Ankläger im Evangelium jedoch seien "das Abbild jener Gläubigen, die in jedem Zeitalter aus dem Glauben eine Fassade machen, bei der das feierliche Äußere im Vordergrund steht, aber die innere Armut fehlt, die der kostbarste Schatz des Menschen ist."
Kniebeschwerden des Papstes
An der Messe auf dem "Granaries Square" in Floriana nahmen auch Maltas Staatspräsident George Vella und seine Frau Miriam teil.
Wegen starker Kniebeschwerden konnte der Papst die Prozession zum Beginn des Gottesdienstes nicht mitgehen, sondern begab sich direkt auf die Altarbühne.
Am Morgen hatte er die Paulusgrotte in Rabat besucht und dort gebetet. Für den Nachmittag ist eine Begegnung mit Migranten in einem Aufnahmezentrum vorgesehen. Anschließend fliegt Franziskus nach Rom zurück.