Caritas begrüßt mögliche Abhilfe gegen Pflegekräftemangel

Neues Konzept soll helfen

Anfang Juli wird bei der Caritas ein Reformprojekt umgesetzt, das den Fachkräftemangel in der Pflege abfedern soll. Rainer Schlaghecken ist Leiter des Referats "Pflege" in Düsseldorf und erklärt den Nutzen des Modells.

Symbolbild Pflege / © Ground Picture (shutterstock)

DOMRADIO.DE: Welche neue Zusammensetzung greift denn am 1. Juli?

Rainer Schlaghecken, Referatsleiter für die Pflege des Caritasverbands Düsseldorf / © Inga Paas (Caritas Duesseldorf)
Rainer Schlaghecken, Referatsleiter für die Pflege des Caritasverbands Düsseldorf / © Inga Paas ( )

Rainer Schlaghecken (Referatsleitung "Pflege" beim Caritasverband Düsseldorf e.V.): Die Regularien sind eigentlich gar nicht so neu. Der Gesetzgeber hat schon im Jahr 2016 nach der sogenannten "Rothgang-Studie" festgelegt, dass man die Aufgaben, die sich in der Langzeitpflege, also der Pflege von Menschen in Pflegeheimen ergeben, ein bisschen differenzierter beleuchtet.

Aus dieser Betrachtung und Zuordnung der einzelnen Aufgabenfelder wurde erkannt, dass man unterschiedliche Qualifikationen braucht. Daraus ist dann der Bedarf entstanden, dass man in Zukunft in den Pflegeheimen ein Drittel ausgebildete Fachpflegekräfte einsetzt, ein Drittel Pflegefachassistenten und ein Drittel angelernte Mitarbeiter.

DOMRADIO.DE: Inwiefern ändert das die bisherige Vorgehensweise?

Schlaghecken: Die bisherige Vorgehensweise sah vor, dass 50 Prozent der Mitarbeitenden der Pflege über eine vollständige Fachausbildung verfügten und 50 Prozent der Mitarbeiter angelernte Mitarbeiter waren. Die Mitarbeitenden, die über eine geringere Qualifikation verfügten, sind gar nicht in den Blick genommen worden.

Jetzt wird die dreistufige Differenzierung angewendet, die meiner Meinung nach viel besser zu den unterschiedlichen Aufgaben und Kriterien in der Pflege passt.

Symbolbild Pflege / © Monkey Business Images (shutterstock)
Symbolbild Pflege / © Monkey Business Images ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Kritiker bemängeln, dass die Leistung dann bei den nicht ausgebildeten Fachkräften leidet. Wie sehen Sie das?

Schlaghecken: Das sehe ich nicht so. Ich setze an einer anderen Stelle an. Ich denke im Hinblick auf die höher bewertete dreijährige Ausbildung muss man diesen Mitarbeitern auch kompetente und verantwortungsvolle Aufgaben zuweisen. Das geschieht, wie in anderen Berufsbereichen auch, durch ein Delegationsprinzip.

Um dann Aufgaben entsprechend der Qualifikation zu verteilen, braucht man unterschiedliche Ausbildungsgrade. Das hat man jetzt umgesetzt. Diese Regelung betrifft jetzt den Bereich der Pflege. Es ist selbstverständlich, wenn das in der Übergangszeit noch etwas haken wird.

Rainer Schlaghecken (Referatsleitung Pflege vom Caritasverband Düsseldorf e.V.)

"Ich kann insbesondere jungen, verantwortungsvollen Mitarbeitern kompetentere Aufgaben zuordnen."

DOMRADIO.DE: Für Sie ist es also eine Erleichterung, weil die Teams jetzt nicht mehr zu 50 Prozent aus voll ausgebildeten Fachkräften bestehen müssen?

Schlaghecken: Absolut richtig. Dadurch reduziert sich der Anteil der examinierten Kräfte. Ich kann insbesondere jungen, verantwortungsvollen Mitarbeitern kompetentere Aufgaben zuordnen.

Den Mitarbeitern, die eine einjährige Ausbildung haben und stärker an den Menschen arbeiten möchten, kann ich auch eine interessante Aufgabe gewähren. Nach einer gewissen Berufserfahrung haben sie auch die Möglichkeit, die dreijährige Ausbildung zu machen.

DOMRADIO.DE: Haben Sie denn wegen dieser Regelung ausreichend Kräfte?

Schlaghecken: Zum derzeitigen Zeitpunkt habe ich im Hinblick auf diese Entwicklung ausreichend Kräfte. Die personelle Problemlage ergibt sich bei den einjährigen Mitarbeitenden. Die sind in der nun notwendigen Anzahl noch nicht auf dem Markt.

Das System muss in die Richtung erst mal angepasst werden. Es müssen mehr Ausbildungsstätten oder Ausbildungskurse für einjährige Mitarbeiter dieser sogenannten Pflegefachassistenten auf den Markt gebracht werden.

Das Interview führte Tobias Fricke.

Caritas Deutschland

Der Deutsche Caritasverband (DCV) ist der größte Wohlfahrtsverband Europas. Die Dachorganisation katholischer Sozialeinrichtungen setzt sich für Menschen in Not ein. Mit rund 690.000 hauptamtlichen Mitarbeitern - 80 Prozent sind Frauen - ist die Caritas zudem der größte private Arbeitgeber in Deutschland. Der Begriff "caritas" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Nächstenliebe. Sitz des 1897 gegründeten Verbands ist Freiburg. Wichtige Bedeutung haben die Büros in Berlin und Brüssel.

Hinweisschild der Caritas / © Michael Althaus (KNA)
Hinweisschild der Caritas / © Michael Althaus ( KNA )
Quelle:
DR