Als Präsident des Bundesarchivs in Koblenz ist der Historiker Prof. Dr. Michael Hollmann Herr über zahllose Akten. Schon 1950 wurde das Archiv gegründet, das Hollmann als einen Ort gegen Fake News ansieht, denn bei ihm kann jeder sich die Primärquellen ansehen, kann sich direkte Zeugnisse der Vergangenheit anschauen, längst auch in digitaler Form.
Im gemeinsamen Podcast vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken und DOMRADIO.DE spricht ZdK-Generalsekretär Marc Frings mit Hollmann über den richtigen Umgang mit der Vergangenheit. Hollmann sagt, dass die Aufgabe des Archivs nicht nur die Archivierung, sondern auch die Bereitstellung von Informationen für die Öffentlichkeit ist. "Wir halten das, was wir hier tun, für einen zentralen Beitrag im Rahmen des Artikels fünf Grundgesetz, den die meisten Menschen nur kennen unter Meinungsfreiheit". Es gehe darum, dass das Archiv authentisches Quellenmaterial bereitstellt, das von der Öffentlichkeit genutzt werden kann, um sich eine eigene Meinung zu bilden. "Hier geht es tatsächlich nicht um Meinungen. Wir sagen nicht etwas, was wir meinen, was ist, sondern wir stellen die Quellen als solche zur Verfügung", so Hollmann.

Auch die aktuelle Debatte um die deutsche Erinnerungskultur sprechen Frings und Hollmann in der vierten Folge von "Frings fragt" an, insbesondere im Hinblick auf den Kolonialismus und die Shoah. Hollmann sieht die Notwendigkeit, sich an den Quellen zu orientieren, um eine lebendige Erinnerungskultur zu fördern.
Aus der Vergangenheit Mut schöpfen
Zugleich warnt er davor, nur auf die negativen Seiten der deutschen Geschichte zu schauen. Denn auch wenn gerade zu Beginn der Bundesrepublik noch viele braune Wurzeln da gewesen seien, hätten es die damaligen Frauen und Männer dennoch in der politischen Auseinandersetzung geschafft, über ein parlamentarisch fundiertes Recht "den besten Staat, den wir je hatten" zu formen. Das mache ihm Mut für die Zukunft.
Daher gibt es einen Bereich im Bundesarchiv in Koblenz, in dem sich Hollmann besonders gern aufhält. Denn in einer Regaleinheit dort steht die Sammlung der Urschriften der Gesetze der Bundesrepublik: "Da habe ich das Gefühl, ich stehe mitten in der Rechtsordnung unseres Landes."

In den beiden ersten Folgen von "Frings fragt" sprach Marc Frings mit der Psychologin Marina Weisband und dem Politik-Journalisten Albrecht von Lucke. Zuletzt war in der dritten Folge Soziolog:in Sabine Hark zu Gast.