Der gemeinsame Podcast vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken und DOMRADIO.DE dreht sich um die Frage, wie die Demokratie gestärkt werden kann. ZdK-Generalsekretär Marc Frings führt dabei mit unterschiedlichen Akteuren aus Politik, Gesellschaft und Religion Gespräche.
In der aktuellen Folge vom 11. Februar 2025 spricht Sabine Hark, Mitherausgeber:in der Zeitschrift Feministische Studien und Leiter:in des Zentrums für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (ZIFG) an der TU Berlin, über die Bedingungen für eine gelingende Demokratie und die Notwendigkeit von Solidarität.
Im Podcast betont Hark, dass "Solidarität der zentrale Begriff" für das gesellschaftliche Zusammenleben ist und kritisiert im Gespräch mit Marc Frings die häufige Diskussion über Integration und Assimilation von Zugewanderten und plädiert stattdessen für die "Ermöglichung von Solidarität", die sicherstellt, dass alle in gleicher Weise an demokratischen Prozessen teilnehmen können.
Wie kann mehr Teilhabe gelingen? Nichts dürfe entschieden oder verhandelt werden ohne die, die es betrifft, greift Hark im Podcast eine Formulierung aus der us-amerikanischen Behindertenbewegung auf. Das sei ein guter Grundsatz für demokratische Gesellschaften. Es brauche in einer repräsentativen Demokratie auch andere Formen der Partizipation, wie Bürgerräte. Ein Problem dabei sei, dass viele Menschen die Demokratie als "entkoppelt von ihrem Alltag" erleben und setzt sich deswegen für mehr "echte Partizipation" und die Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen ein.
Asylpolitik und christliches Menschenbild
Wie das Zentralkomitee der deutschen Katholiken kritisiert Sabine Hark pauschale Grenzschließungen in der Migrationspolitik. Aus demokratischer Sicht, aus menschenrechtlicher Sicht und "ganz sicherlich auch vor dem Hintergrund eines christlichen Menschen- und Weltbilds" dürfe das Asylrecht nicht ausgesetzt werden.

Ein zentraler Text bei der Frage nach Teilhabe aller ist Harks Essay "Gemeinschaft der Ungewählten" Darin bezieht sich Sabine Hark auf Hannah Arendt und betont, dass wir alle "ungewählt" sind und mit den Menschen leben müssen, die da sind, sowie mit denen, die noch kommen werden. Dies schließt auch die Verantwortung für zukünftige Generationen ein.
Sorge als zentraler Begriff
Ein wichtiger Begriff bei Hark und im Podcast ist "Sorge" – um sich selbst, um andere und um die Welt. Sabine Hark erklärt im Gespräch, dass eine demokratische Solidarität nicht exkludierend oder herrschaftlich sein darf. Es brauche eine Kultur des Lernens, die Dominanzstrukturen hinterfragt und eine inklusive Gemeinschaft fördert. Zugleich warnt die Soziologin vor einer Überbetonung von Sorge um sich selbst: "Die Sorge um sich kann nicht gelingen, wenn ich nicht auch mich um die anderen sorge und um die Welt, also um das, was zwischen den Menschen ist, weil ich nicht ohne die anderen und ohne die Welt bin."
In den beiden ersten Folgen von "Frings fragt" sprach Marc Frings mit der Psychologin Marina Weisband und dem Politik-Journalisten Albrecht von Lucke.