Italiens Bischöfe bitten um Gebete für Papst

"Umarmen wir den Heiligen Vater mit Zuneigung"

Die Sorgen um Franziskus werden größer. Jetzt wendet sich die italienische Bischofskonferenz an die Gläubigen im Land. Auch in Argentinien wird schon gebetet. Zugleich hieß es vom Vatikan, die Nacht im Krankenhaus sei ruhig verlaufen.

Blick auf den Petersdom / © Julia Steinbrecht (KNA)

Nach der Lungenentzündung-Diagnose für Papst Franziskus haben Italiens Bischöfe die Gläubigen des Landes dazu aufgerufen, für den 88-Jährigen zu beten. In einer Erklärung heißt es: "Indem wir die Arbeit der Ärzte und des medizinischen Personals dem Herrn anvertrauen, umarmen wir den Heiligen Vater mit Zuneigung." Zugleich seien alle kirchlichen Gemeinschaften in Italien eingeladen, ihn "in diesem Moment des Leidens im Gebet zu unterstützen".

 Argentinien, Buenos Aires: Gläubige beten für die Gesundheit von Papst Franziskus während einer Messe  / © Rodrigo Abd/AP (dpa)
Argentinien, Buenos Aires: Gläubige beten für die Gesundheit von Papst Franziskus während einer Messe / © Rodrigo Abd/AP ( (Link ist extern)dpa )

Auch in Franziskus' Heimatland Argentinien wird bereits für ihn gebetet. Das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken liegt seit Freitag in Rom im Krankenhaus. 

Die Ärzte haben den "Beginn einer beidseitigen Lungenentzündung" diagnostiziert. Das bedeutet, dass sowohl der rechte als auch der linke Lungenflügel betroffen sind. Zuvor war nur von einer Infektion durch verschiedene Erreger die Rede.

Patriarch von Venedig bittet in Brief um Unterstützung

Der einflussreiche Patriarch von Venedig, Francesco Moraglia, mahnte die Gläubigen seines Bistums in einem gesonderten Brief, bei "jeder Gelegenheit" für den Papst zu beten. 

 © Alessandra Tarantino (dpa)

Mit Blick auf dessen Gesundheitszustand sprach er von einem "delikaten Bild". Deshalb müsse Franziskus nun "unsere Nähe spüren". Aus dem Krankenhaus hatte sich der Papst bereits schriftlich für alle Gebete und Genesungswünsche bedankt.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, übermittelte dem Papst schriftlich seine Genesungswünsche. In Österreich schrieb der Bischofskonferenz-Vorsitzende Franz Lackner: "Es ist eine sehr ernste Diagnose. Dennoch, so heißt es, ist er guter Dinge", so der Salzburger Erzbischof. "Seien wir es mit ihm!" Ähnlich äußerte sich Kardinal Christoph Schönborn.

Solidarität von Juden und Muslimen

Auch Juden und Muslime bekunden ihre Solidarität mit dem katholischen Kirchenoberhaupt. "Besorgt über die Nachrichten über den Gesundheitszustand von Papst Franziskus spreche ich meine besten Wünsche für eine schnelle und vollständige Genesung aus", schrieb der römische Oberrabbiner Riccardo Di Segni. Der Großimam von Al-Azhar in Kairo, Ahmad al-Tayyeb, bete täglich für die Genesung von Franziskus, hieß es überdies in den sozialen Netzwerken. Seit Jahren fördern Franziskus und der Großimam gemeinsam den christlich-muslimischen Dialog.

Lungenentzündung in hohem Alter gefährlich

Bei Menschen in hohem Alter gilt eine Lungenentzündung als gefährlich - auch weil das Risiko besteht, dass weitere Organe in Mitleidenschaft gezogen werden. Franziskus wird schon seit längerer Zeit mit Cortison und inzwischen auch mit Antibiotika behandelt. In seinem Umfeld wurde am Mittwoch aber betont, dass der 88-Jährige selbstständig atmen könne. Sein Herz halte sich "sehr gut".

Dem Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken hatten schon in früheren Wintern mehrfach die Atemwege zu schaffen gemacht. Erschwerend kommt dabei hinzu, dass ihm nach einer Operation bereits seit jungen Jahren der obere Teil des rechten Lungenflügels entfernt wurde. 

Rom: Gläubige aus Bolivien beten für Papst Franziskus vor der Poliklinik Agostino Gemelli in Rom (dpa)
Rom: Gläubige aus Bolivien beten für Papst Franziskus vor der Poliklinik Agostino Gemelli in Rom / ( (Link ist extern)dpa )

Nun musste er bereits vor Weihnachten die ersten Termine absagen. Mehrfach brach ihm bei Terminen die Stimme weg. Seinen Wohnsitz im Vatikan, die Casa Santa Marta, verließ er kaum noch. Nach längerem Zögern begab er sich vergangene Woche auf Anraten der Ärzte ins Krankenhaus. 

TV-Kameras vor Krankenhaus

Nach Angaben eines Papst-Sprechers verlief auch die fünfte Nacht im Krankenhaus ruhig. Franziskus, der in einem Sondertrakt im zehnten Stock des Gemelli-Krankenhauses liegt, sei dann aufgestanden und habe gefrühstückt. In seinem Zimmer sitze er in einem Sessel. Die Ärzte haben ihm aber "absolute Ruhe" verordnet. Dazu gehört, dass er mit Ausnahme der engsten Mitarbeiter keine Besuche empfangen darf.

Vor der Klinik haben sich inzwischen auch zahlreiche Kamerateams und Fotografen versammelt. Neue Aufnahmen des Papstes gibt es seit Freitag nicht mehr. In den italienischen Medien ist der Gesundheitszustand des Argentiniers - mit bürgerlichem Namen Jorge Mario Bergoglio - seit Tagen Thema Nummer eins. 

Kardinal: Schicksal liegt in Händen des Herrn

Ursprünglich hatte es geheißen, der Papst könne möglicherweise an diesem Mittwoch zurück in den Vatikan. Nun gibt es keinen Termin. Der italienische Kardinal Angelo Comastri sagte dem Sender Rai zum Befinden des Pontifex: "Franziskus ist sehr gelassen. Sein Ruder liegt in den Händen des Herrn."

Kurienkardinal Angelo Comastri / © Cristian Gennari (KNA)

Mit seinen 88 Jahren ist Franziskus inzwischen der zweitälteste Papst der Geschichte. Als Nachfolger von Papst Benedikt XVI. ist er seit März 2013 im Amt. Nur Papst Leo XIII. wurde nach den Aufzeichnungen des Vatikans noch älter: Der Italiener starb 1903 mit 93 Jahren. Franziskus' deutscher Vorgänger, mit bürgerlichem Namen Joseph Ratzinger, wurde zwar 95, trat aber schon neun Jahre vor seinem Tod zurück.

Gemelli-Klinik

Die Gemelli-Klinik ist das akademische Lehrkrankenhaus der Katholischen Universität «Sacro Cuore» in Rom. Das Klinikum nahm seinen Dienst 1964 auf, es gilt als eines der besten Krankenhäuser Roms. Seinen Namen verdankt es dem Mediziner und Psychologen Pater Agostino Gemelli (1878-1959).

Nach dem plötzlichen Tod von Johannes Paul I. (1978) wurde im zehnten Stock der Klinik ein eigenes Appartement für Päpste reserviert. Bis dahin wurden sie im Falle einer Erkrankung im Vatikan oder am Sommersitz Castel Gandolfo medizinisch behandelt.

Gemelli-Klinik in Rom (dpa)