Neu-Kardinal Laszlo Nemet hat die Kirchen davor gewarnt, Extremisten im öffentlichen Diskurs das Feld zu überlassen. Wie das österreichische Nachrichtenportal kurier.at am Sonntag berichtete, sind identitäre, pseudo-christliche Ideologien für den Belgrader Erzbischof eine Negierung der Botschaft des Evangeliums.
In einem Vortrag an der Katholischen Universität Linz forderte Nemet die Kirchen auf, die Demokratie zu schützen und Religion und das Religiöse vor Missbrauch zu bewahren. Die Religionsgemeinschaften und Kirchen dürften den religiösen Diskurs nicht Neu-Fundamentalisten und identitären Populisten überlassen. Kirche sollte als brückenbauende, vermittelnde Instanz in einer polarisierenden Welt agieren, in der "nicht die Macht das Recht hat, sondern das Recht die Macht".
Europa: Gemeinschaft mit gemeinsamen Werten
Der Kardinal erklärte, Europa sei für ihn "weit mehr als ein geografisches Konzept oder eine politische Union". Europa sei vielmehr "eine Gemeinschaft, die auf einer tiefen Verwurzelung in gemeinsamen zivilisatorisch-kulturellen Werten basiert". Die unantastbare Würde jedes einzelnen Menschen, Freiheit, die den Respekt vor anderen einschließt, Streben nach Gemeinwohl und Religionsfreiheit zählten zu den Grundprinzipien.
Wichtig für die Zukunft Europas sind für Nemet die Integration von Minderheiten, Friedensförderung, Respekt für Verschiedenheiten, Bildung sowie die Förderung der Einheit der Kirche und der Austausch der christlichen Kirchen untereinander, insbesondere mit den orthodoxen Kirchen. Der Belgrader Kardinal forderte einen wertschätzenden Dialog auf Augenhöhe.
Mehr Demokratie in der Kirche?
Mit Blick auf den kircheninternen Diskurs sagte der Kardinal, die Kirche müsse realisieren, dass demokratische Werte wie Teilhabe und Mitverantwortung sowie eine offene, dialogbereite Haltung und der Mut, Neues zu wagen, nicht nur die Gesellschaft bereichern, sondern auch das Leben innerhalb der Kirche positiv beeinflussen.
Der im Dezember von Papst Franziskus ins Kardinalskollegium aufgenommene Nemet ist Erzbischof von Belgrad und Vorsitzender der über mehrere Balkanländer verteilten "Bischofskonferenz der Heiligen Kyrill und Method", sowie seit 2021 Vizepräsident des Rats der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE).