Der Lippische Landessuperintendent Dietmar Arends hat eine weitere Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt angekündigt. In der Lippischen Landeskirche soll eine Stabsstelle Sexualisierte Gewalt eingerichtet werden, wie Arends am Samstag vor der Lippischen Landessynode in Bad Salzuflen sagte. Für die weitere Aufarbeitung solle zudem ein externes Expertengremium eingeschaltet werden. Betroffene Menschen sollen demnach dabei eingebunden werden.
Inzwischen seien auch die Personalakten der Pfarrer seit 1989, die für die ForuM-Studie nicht herangezogen wurden, zusätzlich gesichtet worden, erklärte Arends weiter. Dort seien jedoch keine weiteren Hinweise auf Fälle sexualisierter Gewalt in der lippischen Kirche gefunden worden. Zudem seien in der Landeskirche Präventions- und Schutzkonzepte auf den Weg gebracht worden.
Weitere Zeugen meldeten sich
Im Zuge der Aufarbeitung hatte die Landeskirche Anfang des Jahres zwei Fälle von sexualisierter Gewalt öffentlich gemacht. Das seien Fälle aus den 1970er bis 1990er Jahren aus der Jugendarbeit der Landeskirche sowie aus der Jugend- und Konfirmandenarbeit einer Kirchengemeinde, teilte Arends mit. Daraufhin hätten sich weitere Betroffene und Zeugen gemeldet, auch zu anderen Fällen.
Bei diesen Fällen seien fast alle der Beschuldigten inzwischen verstorben. Zudem seien die Fälle strafrechtlich verjährt, erklärte der leitende Theologe. Die Verantwortungsträger seien im Ruhestand oder ebenfalls gestorben. Die Aufarbeitung «wird uns noch eine lange Zeit begleiten», unterstrich Arends.
Beschuldigte wurden beschützt
Die von einem unabhängigen Expertengremium im Januar vorgestellte ForuM-Studie habe eine bleibende Erschütterung ausgelöst, erklärte der Landessuperintendent. Dass es sexualisierte Gewalt auch in der evangelischen Kirche gegeben habe und gebe, sei zwar keine neue Erkenntnis. Die Studie habe jedoch der evangelischen Kirche ein systematisches institutionelles Versagen vorgeworfen. Beschuldigte wurden laut der Forscher systematisch geschützt, Betroffene nicht gehört. Das sei erschütternd, sagte Arends.
Ende Januar hatte ein unabhängiges Forschungsteam die ForuM-Studie vorgestellt. Es geht darin von mindestens 2.225 Betroffenen und 1.259 mutmaßlichen Tätern bundesweit aus, vermutet aber eine deutlich höhere Dunkelziffer.