Im gemeinsamen Podcast vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken und DOMRADIO.DE spricht ZdK-Generalsekretär Marc Frings mit dem Literaturwissenschaftler und Lyriker Prof. Dr. Heinrich Detering, der auch Mitglied im ZdK ist. Gegen eine "robustere" Rede hat Detering nichts, das gehöre zum Wahlkampf dazu.
Doch mittlerweile würden in der politischen Debatte Dinge gesagt, die man früher noch als randständig empfunden habe, die nun aber "weit bis in die Mitte vorgedrungen sind". Sprache dürfe nicht zum Ausschließen von ganzen Bevölkerungsgruppen führen. Mit Blick auf das Schlagwort "Respekt", das Bundeskanzler Olaf Scholz als Kandidat bei der Wahl 2021 geprägt hatte, meint Detering im Bezug auf den aktuellen Wahlkampf: "Wenn es an Respekt gefehlt hat, dann würde ich sagen vielmehr in der Rede über diejenigen, die am Diskurs selber gar nicht beteiligt waren, also gegenüber den Abwesenden, zum Beispiel den Migrantinnen und Migranten."
Kirchliche Kritik richtig
Deutliche Kritik übt das Mitglied im Zentralkomitee am CDU-Kanzlerkandidaten Friedrich Merz und das Einbringen von Anträgen und Gesetzen zur Verschärfung der Migrationspolitik in den Bundestag, bei dem die Zustimmung durch die AfD in Kauf genommen worden sei. Dies habe er als "Tag der Schande" empfunden. Die deutliche Kritik daran, auch durch das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken, fand Detering sehr begrüßenswert: "Ich war geradezu ein wenig stolz auf das Zentralkomitee, als ich sah, wie schnell und wie klar da reagiert worden ist."
Die Kirche sei dazu da, "das, was Jesus Christus verkündet, praktiziert und von uns verlangt, gesellschaftlich zur Geltung zu bringen. Und zwar ganz egal, von welcher Seite und von welchen Personen oder Parteien aus das gerade angegriffen wird." Das sei auch keine unangemessene Einmischung in die Politik, sondern "das ist ganz im Gegenteil das geltend machen dessen, wofür sie als Kirche überhaupt einsteht."
Sorgen bereitet dem Literaturwissenschaftler die politische Entwicklung in Deutschland insgesamt und der Katholik erkennt Ähnlichkeiten in der aktuelle Situation mit den Jahren vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Detering sieht jedoch auch Hoffnung in den spontanen Demonstrationen gegen rechts und in den Stimmen innerhalb der bürgerlichen Parteien, die sich gegen die extremen Positionen stellen.
In den beiden ersten Folgen von "Frings fragt" sprach Marc Frings mit der Psychologin Marina Weisband und dem Politik-Journalisten Albrecht von Lucke. In der dritten Folge war Soziolog:in Sabine Hark zu Gast, zuletzt der Leiter des Bundesarchivs Prof. Dr. Michael Hollmann.