Mahnmal gegen Missbrauch im Münchner Liebfrauendom enthüllt

Gegen das Vergessen

Es war eine berührende Stunde mit Tanz und Lichtinstallation im Münchner Liebfrauendom anlässlich der Enthüllung des Mahnmals "Heart". Michael Pendrys Kunstwerk erinnert dort nun an das Leid von Missbrauchsbetroffenen.

Autor/in:
Barbara Just
Blick auf die Kirchturmspitzen des Doms zu Unserer Lieben Frau durch eine Häuserreihe am 22. Januar 2021 in München.  / © Dieter Mayr (KNA)
Blick auf die Kirchturmspitzen des Doms zu Unserer Lieben Frau durch eine Häuserreihe am 22. Januar 2021 in München. / © Dieter Mayr ( (Link ist extern)KNA )

Im Münchner Liebfrauendom ist am Sonntagabend ein Mahnmal gegen das Vergessen des Missbrauchs errichtet worden. Anwesend waren Betroffene, Vertreter des Klerus und der Politik. Das 60 Zentimeter hohe Werk "Heart" des Münchner Künstlers Michael Pendry soll bis Ostern am Altar und danach dauerhaft auf einer Stele in der Krypta des Gotteshauses stehen.

In Anlehnung an Psalm 147,3 ist das Werk mit der Inschrift versehen: "Wer heilt die zerbrochenen Herzen?" Die Enthüllung der Skulptur nahmen der Vorsitzende des Betroffenenbeirats in der Erzdiözese München und Freising, Richard Kick, und Kardinal Reinhard Marx vor.

Die gitterartig aus Vierkantstahl gefertigte und mit Goldton-Pulver beschichtete Skulptur "Heart" stehe für Liebe, Empathie und Menschlichkeit im Miteinander, erläutert Kick die Bedeutung. Denn ohne Liebe kein Leben. Zugleich zeige das Kunstwerk die Verletztheit, Fragilität und Erstarrung der Herzen von Missbrauchten und Geschändeten. Die Taten hätten die Lebendigkeit und das Vertrauen in das Leben geraubt. Das goldene, strahlende Leuchten der Skulptur weise aber den Weg zu Glaube, Liebe, Zuversicht und Heilung.

Nicht nur Symbol, sondern Auftrag

Das Mahnmal sei nicht einfach nur ein Symbol, sondern ein Auftrag, weiterzumachen in der Aufklärung, betonte Marx. Die vergangenen 15 Jahre seit Bekanntwerden des Missbrauchsskandals seien für ihn ein Weg der Befreiung gewesen, von der Angst, wirklich die ganze Wahrheit anzuschauen; und dies werde weitergehen. Er habe, bekannte der Kardinal, einen neuen Blick auf seinen Glauben und die Realität der Kirche bekommen. Nur die Wahrheit mache letztlich frei. Dieser Weg sei für die Betroffenen ein schwieriger, aber für die Kirche ein heilsamer.

Kritik an der Aktion war vorab vom Eckigen Tisch in Berlin gekommen. Dessen Sprecher Matthias Katsch bezeichnete es am Wochenende zwar richtig, eine Erinnerungskultur für den Missbrauchsskandal zu entwickeln. Vor allem aber sollte damit die Kirche an ihr Versagen in der Vergangenheit erinnert und gemahnt werden, es in Zukunft besser zu machen. Es spreche auch nichts dagegen, in diesem Zusammenhang an das Leid der Missbrauchsbetroffenen zu erinnern. Die Münchner Aktion nannte er problematisch. Katsch warf dem Erzbistum unter anderem vor, Betroffene nicht ausreichend einbezogen zu haben.

Projekt des Betroffenenbeirats

Ein Sprecher der Erzdiözese München und Freising erklärte auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), bei dem Mahnmal "Heart" handele es sich um ein vom unabhängigen Betroffenenbeirat der Erzdiözese initiiertes, entwickeltes und umgesetztes Projekt. Es gehe in seiner künstlerischen Gestalt auf eine Radpilgerreise zahlreicher Betroffener nach Rom im Jahr 2023 zurück. Auf ihre Bitte hin habe das Erzbistum das Vorhaben finanziell und organisatorisch unterstützt. Auch der künftige Aufstellungsort sei auf den Wunsch der Betroffenen hin realisiert worden.

Rückblick auf die MHG-Studie

Die MHG-Studie war ein Forschungsprojekt, das die Deutsche Bischofskonferenz in Auftrag gegeben hat, um das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche in Deutschland zu ermitteln. Von 2014 bis 2018 haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim, des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg und des Bereichs Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzug der Universität Gießen die Häufigkeit des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Kleriker untersucht.

MHG-Studie / © Harald Oppitz (KNA)