Pastoralreferentin hofft auf strukturelle Reformen

"Nicht zum Scheitern verurteilt"

Themen wie Macht, Sexualmoral und die Position der Frauen stehen ab diesem Donnerstag im Zentrum der vierten Synodalversammlung. Pastoralreferentin Lisa Holzer nimmt teil und hofft auf eine weiblichere und diversere Kirche.

Zwei Teilnehmerinnen in der Synodenaula auf der dritten Synodalversammlung in Frankfurt (Archiv) / © Julia Steinbrecht (KNA)
Zwei Teilnehmerinnen in der Synodenaula auf der dritten Synodalversammlung in Frankfurt (Archiv) / © Julia Steinbrecht ( KNA )

DOMRADIO.DE: Papst Franziskus ist offen für die Beteiligung von Frauen an Bischofswahlen, so die Schlagzeile von Dienstag. Hier hätten alle Getauften einen Platz. Macht Ihnen das Mut, wenn solche Meldungen auftauchen und Frauen stärker in Entscheidungsprozesse der katholischen Kirche einbezogen werden sollen? 

Lisa Holzer (Pastoralreferentin, Geistliche Bundesleiterin der Katholischen jungen Gemeinde (KjG), Expertin/Beraterin im Synodalforum III: "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche"): Na ja, nicht so richtig. Klar gibt es Orte in Kirche, wo Menschen - nicht nur Männer - irgendwie mitentscheiden können. Aber die sind doch sehr begrenzt. Das zu ändern, wäre ein großes Anliegen von uns. Das funktioniert bei uns Verbänden auch anders, dass wir Inhalte mitgestalten können und mitentscheiden können. 

Lisa Holzer, Pastoralreferentin

"Die Kirche muss sich unbedingt reformieren, sodass die Kinder und Jugendlichen, die jetzt heranwachsen, genauso einen Ort an Heimat erfahren können, wie ich das getan habe."

DOMRADIO.DE: Sie sind nicht eine der 15 jungen Synodalen unter 30, haben kein Stimmrecht, sondern haben damals aus Termingründen gesagt, man könne sie gerne auf irgendwelche Listen schreiben. Für das dritte Synodalforum "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" ist das dann geschehen. Woran werden Sie jetzt arbeiten? 

Holzer: Im Frauenforum sind wir heute dran, zum Thema Maßnahmen gegen Missbrauch an erwachsenen Frauen, was bisher noch nicht auf dem Schirm ist, einen Handlungstext einzubringen. Dann geht es nochmal um den Grundtext zu Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche. 

Deutsche Katholiken setzen bei Synodalem Weg weiter auf Reformen

Mitten in einer der schwersten Krisen geht das Reformprojekt der katholischen Kirche in Deutschland in eine vorentscheidende Runde. Von Donnerstag bis Samstag treffen sich 230 Bischöfe und Laien zur vierten Vollversammlung des sogenannten Synodalen Wegs in Frankfurt. Dabei geht es vor allem um den Umgang mit Macht, die Rolle von Frauen, das Leben der Priester und um eine mögliche Neuausrichtung der katholischen Sexualmoral.

Teilnehmer bei der dritten Synodalversammlung in Frankfurt
Teilnehmer bei der dritten Synodalversammlung in Frankfurt

DOMRADIO.DE: Inwiefern haben Sie sich vorgenommen, von Ihrem Rederecht im Rahmen Ihrer Tätigkeit für das Frauenforum Gebrauch zu machen? Was wollen Sie sagen? 

Holzer: Im Prinzip geht es mir darum, Frauen zu stärken, aber natürlich auch andere Geschlechter, andere Menschen, in ihrer Macht zu stärken. Ich verstehe Demokratie so, dass ich zuhören möchte. Deshalb habe ich mir nicht vorgenommen, unbedingt etwas zu sagen, sondern wenn ich es für richtig halte, wenn es gerade passt. 

DOMRADIO.DE: Vor einer Woche haben Sie Ihr Amt als Geistliche Leiterin der KjG auf Bundesebene angetreten. Was wünschen Sie sich für die jungen Menschen in der katholischen Kirche und bringen es in den Prozess mit ein? 

Holzer: Die Kirche muss sich unbedingt reformieren, sodass die Kinder und Jugendlichen, die jetzt heranwachsen, genauso einen Ort an Heimat erfahren können, wie ich das getan habe. Als Leiterin ist es immer wieder auch ein Zwiespalt, ob ich Kinder und Jugendliche von einem Rahmen begeistern kann, der strukturell Missbrauch begünstigt. Das wäre ein großes Anliegen, dass das strukturell geändert wird. 

DOMRADIO.DE: Ein kritisches Schreiben aus dem Vatikan gegen die Reformdiskussion, Stimmen aus der katholischen Kirche in Deutschland und der Weltkirche, die vom deutschen Sonderweg sprechen und eine Kirchenspaltung befürchten - sieht es nicht vor Ende des Reformprozesses schon so aus, als würde das Projekt scheitern? 

Lisa Holzer, Pastoralreferentin

"Da steckt so viel Herzblut drin."

Holzer: Das finde ich nicht. Papst Franziskus hat ja selber davon gesprochen, dass die Kirche dezentral ist und auch die Stärken vor Ort unterstützt werden müssen. Das, finde ich, müsste eigentlich noch viel mehr geschehen. Da steckt so viel Herzblut drin. Ich glaube, das ist nicht unbedingt zum Scheitern verurteilt. Schöner wäre es natürlich, wenn es auch klar wäre, dass das, was beschlossen wird, von den Bischöfen auf jeden Fall umgesetzt werden wird. 

DOMRADIO.DE: Wie weiblich - wenn wir es jetzt auf das Forum beziehen, in dem sie mitarbeiten - oder divers und vielfältig wird die katholische Kirche durch den Synodalen Weg? 

Holzer: Im Optimalfall natürlich sehr viel weiblicher, sehr viel diverser. Im Text, wo es um Sexualmoral geht, werden auch sexuelle Identitäten anerkannt. Vor allem geht es da aber auch um sexuelle Orientierungen. Das wäre natürlich ein großer Gewinn. Das ist immer wieder eine offene Diskussion, wie es da weitergeht und gerade auch, wie wir das in der Sprache nutzen. Bei der KjG und in den Verbänden gendern wir geschlechtergerecht. Es ist immer wieder die Frage, ob das auch im Synodalen Weg passiert. Das machen ganz viele und gerade im Frauenforum wird inklusiv gegendert.

Das Interview führte Katharina Geiger.

Quelle:
DR