So funktioniert der muslimische Fastenmonat Ramadan

Essen und Trinken erst am Abend

Fasten am Tag, Essen erst nach Sonnenuntergang: Für Muslime beginnt der Fastenmonat Ramadan. In diesem Jahr gibt es eine Besonderheit: Zumindest zu Teilen überschneiden sich christliche und muslimische Fastenzeit.

Autor/in:
Joachim Heinz
Ein Mann öffnet am 2. Februar 2025 ein Türchen am Ramadankalender / © Julia Steinbrecht (KNA)
Ein Mann öffnet am 2. Februar 2025 ein Türchen am Ramadankalender / © Julia Steinbrecht ( (Link ist extern)KNA )

Ab Samstag (1. März) wird ein guter Teil der weltweit schätzungsweise zwei Milliarden Muslime rund vier Wochen lang fasten. Der Fastenmonat Ramadan dauert in diesem Jahr bis zum 29. März. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) beantwortet fünf Fragen zum Ramadan.

Ramadan - was bedeutet das eigentlich?

Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Kalender. Sein Name kommt aus dem Arabischen. Er leitet sich aus der Wurzel "ramida" ab und steht für "brennende Hitze und Trockenheit". Nach islamischer Überzeugung wurde dem Propheten Mohammed in diesem Monat der Koran geoffenbart. Im Ramadan fasten gläubige Muslime. 

Eine Person hält beim Essen am gedeckten Tisch ein Stück Fladenbrot in der Hand, vor ihr ist ein Teller Suppe, beim Iftar, der gemeinsamen Mahlzeit im muslimischen Fastenmonat Ramadan am 22. April 2022 in Berlin / © Jannis Chavakis (KNA)
Eine Person hält beim Essen am gedeckten Tisch ein Stück Fladenbrot in der Hand, vor ihr ist ein Teller Suppe, beim Iftar, der gemeinsamen Mahlzeit im muslimischen Fastenmonat Ramadan am 22. April 2022 in Berlin / © Jannis Chavakis ( (Link ist extern)KNA )

Die "brennende Hitze" soll nicht auf die Jahreszeit, sondern auf das Gefühl im Magen des Fastenden verweisen. Das Fasten ("Saum") gehört neben dem Glaubensbekenntnis ("Schahada"), dem täglich fünfmaligen Gebet ("Salat"), der Almosensteuer ("Zakat") und der Pilgerfahrt nach Mekka ("Hadsch") zu den fünf sogenannten Säulen des Islam.

Für wen gilt das Fastengebot, und was hat ein gläubiger Muslim dabei zu beachten?

Das Fastengebot gilt für alle Muslime ab der Religionsmündigkeit, was dem Alter von etwa 14 Jahren entspricht. Maßgeblich sind die Verse 183 bis 185 von Sure 2. Diese Koranpassage beginnt mit den Worten:

"Ihr Gläubigen! Euch ist vorgeschrieben zu fasten, so wie es auch denjenigen, die vor euch lebten, vorgeschrieben worden ist." Zwischen dem Beginn der Morgendämmerung und dem Sonnenuntergang ist Muslimen Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr untersagt. Die Gläubigen sollen sich ganz auf ihre Hingabe an Gott konzentrieren.

Der Fastenmonat ist deshalb auch eine Zeit der guten Werke für die Mitmenschen.

Die 30 Papiertüten eines Ramadankalenders stehen am 29. Februar 2024 auf einem Sofa in Bonn / © Harald Oppitz (KNA)
Die 30 Papiertüten eines Ramadankalenders stehen am 29. Februar 2024 auf einem Sofa in Bonn / © Harald Oppitz ( (Link ist extern)KNA )

Mit dem "Iftar", dem gemeinsamen Abendessen, wird das Fasten täglich beendet. Gegebenenfalls folgen spezielle Gebete ("Tarawih"). An den Ramadan schließt sich - diesmal ab dem 30. März - das dreitägige Fest des Fastenbrechens, arabisch "Id al Fitr", an. Im Türkischen heißt das Fest "ramazan bayram" ("Ramadanfest"). 

Ausgenommen vom Fastengebot sind Kinder, Alte, Kranke, Schwangere und Reisende.

Warum verschiebt sich der Ramadan von Jahr zu Jahr?

Die islamische Kalenderrechnung orientiert sich anders als der im Westen gebräuchliche gregorianische Kalender am Mond und nicht an der Sonne. Demnach hat das Jahr nur rund 354 und nicht 365 Tage. So kommt es, dass der Ramadan zwar immer rund 30 Tage dauert, aber jedes Jahr um etwa 11 Tage nach vorn wandert.

Was macht den Ramadan in diesem Jahr besonders?

Der Zeitpunkt. Denn diesmal überschneiden sich zumindest zu Teilen christliche und muslimische Fastenzeit. Wenn nach den Faschings- und Karnevalstagen an Aschermittwoch (5. März) die Fastenzeit für Christen beginnt, haben die Muslime allerdings schon vier Tage des Verzichts hinter sich.

Im Christentum dauert die Fastenzeit bis Ostern, der Ostersonntag fällt diesmal auf den 20. April. Der Erinnerung an den Tod und die Auferstehung Jesu sollen 40 Tage der Buße und Reinigung vorangehen.

Festliche Beleuchtung zum Ramadan hängt über der Venloer Straße in Köln Ehrenfeld / © Henning Kaiser (dpa)
Festliche Beleuchtung zum Ramadan hängt über der Venloer Straße in Köln Ehrenfeld / © Henning Kaiser ( (Link ist extern)dpa )

Früher wurde auch in den Wochen vor dem Weihnachtsfest, in der Adventszeit, gefastet, um sich auf das Fest der Geburt Jesu vorzubereiten. In den orthodoxen Kirchen ist das auch heute noch weit verbreitet.

Fasten - gibt es das auch in anderen Religionen?

Fasten ist kein Alleinstellungsmerkmal von Islam und Christentum. Die Juden kennen mehrere Fastentage, der bedeutendste ist Jom Kippur im September oder Oktober. Die Tradition geht vermutlich auf die Zeit des jüdischen Volkes im babylonischen Exil im 6. Jahrhundert vor Christus zurück.

Auch bei den Buddhisten gibt es mehrere Fastentage, darunter das Vesakh-Fest am ersten Vollmondtag im Mai oder Juni. Dann wird der Geburt, des Todes und der Erleuchtung Buddhas gedacht.

Eine extreme Form des Fastens ist das sogenannte Prayopavesa im Hinduismus. Bei diesem Ritual wird der Tod durch den kompletten Verzicht auf Nahrung in Kauf genommen. 

Das Prayopavesa ist der hinduistischen Lehre zufolge lediglich Menschen vorbehalten, die keine Verpflichtungen und Wünsche an das Leben mehr haben. Experten vergleichen diese Praxis mit dem Sterbefasten von Schwerkranken.

Islamischer Fastenmonat Ramadan

Für Muslime ist das Fasten, das jeweils im neunten Monat des islamischen Mondjahres stattfindet, eine der fünf Säulen ihrer Religion neben dem Pilgern nach Mekka, den täglichen Gebetszeiten, dem Glaubensbekenntnis zu Allah als einzigem Gott und dem Almosengeben. Auf das Ende des Ramadan folgt das dreitägige Fest des Fastenbrechens, arabisch 'Id al Fitr.

Viele gläubige Muslime verzichten im Fastenmonat Ramadan für vier Wochen tagsüber auf Genussmittel, Essen und Trinken / © Drazen Zigic (shutterstock)
Viele gläubige Muslime verzichten im Fastenmonat Ramadan für vier Wochen tagsüber auf Genussmittel, Essen und Trinken / © Drazen Zigic ( (Link ist extern)shutterstock )