Studie sieht Pessimismus und Rechtsruck bei Jugendlichen

"Jugend steckt Krisen schwer weg"

Angst vor wirtschaftlichem Abstieg führt zu Stress bei jungen Menschen. Forscher haben jetzt herausgefunden, dass diese Belastung politische Konsequenzen hat. Denn die Chancen der AfD bei jungen Leuten steigen.

Autor/in:
Nina Schmedding
Symbolbild Jugendlicher mit Skateboard / © yanik88 (shutterstock)
Symbolbild Jugendlicher mit Skateboard / © yanik88 ( shutterstock )

Jugendforscher sehen bei der jungen Generation in Deutschland einen "deutlichen Rechtsruck". Grund dafür sei die Sorge um die Sicherung des Wohlstands und die damit verbundene hohe politische Unzufriedenheit, erklärte Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann am Dienstag bei der Vorstellung der Studie "Jugend in Deutschland 2024".

Klaus Hurrelmann / © Britta Pedersen (dpa)
Klaus Hurrelmann / © Britta Pedersen ( dpa )

Er stellte einen "bröckelnden Zukunftsoptimismus" fest. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen seien so pessimistisch wie noch nie. In der repräsentativen Umfrage wurden den Angaben zufolge im Januar und Februar bundesweit rund 2.000 junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren befragt.

Rechtsruck in der jungen Bevölkerung

"Wir können von einem deutlichen Rechtsruck in der jungen Bevölkerung sprechen. Das schlägt sich in den politischen Präferenzen der 14- bis 29-Jährigen nieder. Während die Parteien der Ampel-Regierung in der Gunst immer weiter absinken, hat die AfD besonders großen Zulauf", erklärte Hurrelmann.

Schild zum Wahllokal (shutterstock)

Demnach würden 22 Prozent der Befragten die AfD wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre (2022: 9 Prozent). 20 Prozent würden sich für die CDU entscheiden (2022: 16 Prozent). Alle weiteren Parteien verlieren bei der jungen Generation Stimmen: Die Grünen liegen in der Gunst der jungen Wähler zur Zeit bei 18 Prozent (2022: 27 Prozent), die SPD bei 12 Prozent (2022: 14 Prozent), die FDP bei acht Prozent (2022: 19 Prozent). Ein Viertel bezeichnete sich als unentschlossen.

Der Eindruck, dass rechte Parteien nur von älteren Menschen gewählt würden, sei offensichtlich falsch; sie würden auch von jungen Leuten gewählt, sagte Hurrelmann. Autoritäre und rechtspopulistische Positionen wie die der AfD hätten bei jungen Leuten Resonanz. "Die Parolen werden aufgenommen."

Jugendliche bedrängen wirtschaftliche Sorgen

Weiter bedrängen wirtschaftliche Sorgen die Jugendlichen. An erster Stelle steht bei 68 Prozent der Jugendlichen die Sorge um steigende Inflation (2022: 46 Prozent). 60 Prozent gaben an, Angst vor einem Krieg zu haben (2022: 68 Prozent). Deutlich stieg auch die Angst vor einer Zunahme von Flüchtlingsströmen an. Sie lag in diesem Jahr bei 41 Prozent, im Jahr 2022 fürchteten sich davor nur 22 Prozent. Die Sorge um den Klimawandel ist dagegen zurückgegangen; er beschäftigt noch 49 Prozent der Befragten, 2022 waren es noch 55 Prozent.

Jugendliche / © DavideAngelini (shutterstock)

Gleichzeitig sind diejenigen in der Unterzahl, die bereit sind, für Nachhaltigkeit auch Verzicht zu üben. "Der Klimawandel ist durch andere Sorgen in den Hintergrund getreten", sagte Studienleiter Simon Schnetzer.

Zudem stehen laut Studie 51 Prozent der Jugendlichen unter mentalem Stress (2022: 45 Prozent), 36 Prozent fühlen sich erschöpft (2022: 32 Prozent) und 17 Prozent hilflos (2022: 13 Prozent). Dies könne auch mit der Dauerpräsenz vom Smartphone und anderen digitalen Medien zu tun haben, hieß es weiter. 53 Prozent der Befragten stimmen demnach der Aussage zu, dass sie das Smartphone mehr benutzen, "als mir lieb ist". Ein Drittel bezeichne sich als süchtig.

Tiefsitzende mentale Verunsicherung

"Unsere Studie dokumentiert eine tiefsitzende mentale Verunsicherung mit Verlust des Vertrauens in die Beeinflussbarkeit der persönlichen und gesellschaftlichen Lebensbedingungen", so Schnetzer. "Die Aussicht auf ein gutes Leben schwindet."

Ältere Menschen wunderten sich mitunter über diesen Pessimismus der Jugend, weil sie doch selbst erfolgreich zahlreiche Krisen gemeistert hätten, sagte Hurrelmann. Dass die jetzige junge Generation Krisen "nur schwer wegsteckt", könne damit zu tun haben, dass sie in einer Wohlstandsgeneration groß geworden und sehr behütet aufgewachsen sei.

Verzweifelter Jugendlicher / © Celiafoto (shutterstock)
Verzweifelter Jugendlicher / © Celiafoto ( shutterstock )

Grundsätzlich sei diese Generation zwar bereit, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen - glaube aber gleichzeitig, dass sie keinen großen Einfluss darauf habe. Zudem herrsche der Eindruck vor, dass man das Leben ohnehin nicht langfristig planen könne, weil es unberechenbar sei. "Die Widerstandsfähigkeit der jungen Menschen muss gestärkt werden", sagte Hurrelmann. Trotz aller Probleme gelte es, sich "eine Offenheit für eine Zukunftsperspektive zu bewahren".

Quelle:
KNA