Vatikanmedium sieht im US-Eklat Negativ-Beispiel für Diplomatie

Verhandlung vor laufenden Kameras

Aus vatikanischer Sicht haben am jüngsten Eklat zwischen US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj beide Seiten Schuld. Zudem markiere der Vorfall im Weißen Haus einen "Paradigmenwechsel".

Stühle werden vom Unterzeichnungstisch im Weißen Haus entfernt, nachdem ein Treffen zwischen US-Präsident Trump und dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj im Oval Office in Washington in hitzige Worte ausartete / © Carol Guzy (dpa)
Stühle werden vom Unterzeichnungstisch im Weißen Haus entfernt, nachdem ein Treffen zwischen US-Präsident Trump und dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj im Oval Office in Washington in hitzige Worte ausartete / © Carol Guzy ( (Link ist extern)dpa )

In einem am Samstag veröffentlichten Kommentar der Vatikanzeitung "Osservatore Romano" heißt es, das heftige Wortgefecht im Oval Office zeige, was dabei herauskomme, wenn man vor laufenden Fernsehkameras über Abkommen wie in einer Show verhandle. Zugleich werde dadurch die Komplexität des Problems deutlich und "dass man geschützte Räume braucht, um Wege zum Frieden zu finden".

Kompromissfähigkeit steht in Frage

Der Vorfall im Weißen Haus sei ein "Paradigmenwechsel". Er zeige, dass die klassischen Schemata der Diplomatie gesprengt wurden. "Eine solche Verhandlung passiert nicht live im Fernsehen", so der Kommentar der Vatikanzeitung. Und weiter: "Um eine solch komplexe Verhandlung nach drei Jahren Krieg und angesichts der dauernden Furcht vor einem Dritten Weltkrieg zu einem guten Ende zu bringen, müssten alle Seiten beteiligt werden - und das nicht im Fernsehen." Ferner müssten alle "in der Lage sein, einen Schritt zurückzutreten", um das zu erreichen was Papst Franziskus "ehrbare Kompromisse" genannt habe.

Diplomatie sei keine "Talk-Show"

Abschließend heißt es in dem Kommentar: "Es steht hier nicht nur das Überleben eines verwüsteten Landes auf dem Spiel, sondern vor allem die Fähigkeit der Großmächte, miteinander zu sprechen und eine Eskalation auf globaler Ebene zu vermeiden. Denn der Krieg ist immer eine Niederlage (...), und die Diplomatie ist ein schwieriges, geduldiges Unterfangen, und keine Talk Show."

Vatikandiplomatie

Der Heilige Stuhl unterhält derzeit diplomatische Beziehungen zu 183 Staaten weltweit. Hinzu kommen die EU und der Souveräne Malteserorden. 88 Staaten sowie die EU und der Malteserorden lassen ihre Botschafter beim Heiligen Stuhl in Rom residieren. Ferner sind die Arabische Liga, die Internationale Organisation für Migration und das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge UNHCR mit eigenen Gesandten beim Vatikan vertreten.

Vatikanflagge zwischen USA-Flaggen / © Michael Reynolds (dpa)