In einem am Samstag veröffentlichten Kommentar der Vatikanzeitung "Osservatore Romano" heißt es, das heftige Wortgefecht im Oval Office zeige, was dabei herauskomme, wenn man vor laufenden Fernsehkameras über Abkommen wie in einer Show verhandle. Zugleich werde dadurch die Komplexität des Problems deutlich und "dass man geschützte Räume braucht, um Wege zum Frieden zu finden".
Kompromissfähigkeit steht in Frage
Der Vorfall im Weißen Haus sei ein "Paradigmenwechsel". Er zeige, dass die klassischen Schemata der Diplomatie gesprengt wurden. "Eine solche Verhandlung passiert nicht live im Fernsehen", so der Kommentar der Vatikanzeitung. Und weiter: "Um eine solch komplexe Verhandlung nach drei Jahren Krieg und angesichts der dauernden Furcht vor einem Dritten Weltkrieg zu einem guten Ende zu bringen, müssten alle Seiten beteiligt werden - und das nicht im Fernsehen." Ferner müssten alle "in der Lage sein, einen Schritt zurückzutreten", um das zu erreichen was Papst Franziskus "ehrbare Kompromisse" genannt habe.
Diplomatie sei keine "Talk-Show"
Abschließend heißt es in dem Kommentar: "Es steht hier nicht nur das Überleben eines verwüsteten Landes auf dem Spiel, sondern vor allem die Fähigkeit der Großmächte, miteinander zu sprechen und eine Eskalation auf globaler Ebene zu vermeiden. Denn der Krieg ist immer eine Niederlage (...), und die Diplomatie ist ein schwieriges, geduldiges Unterfangen, und keine Talk Show."