Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)
Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)

21.11.2020

Sternberg zum vorläufigen Abschluss der Laien-Vollversammlung "Es war klar, dass vom ZdK ein klares Wort erwartet wurde"

Es war eine turbulente Vollversammlung in unruhigen Zeiten. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, bezeichnet sie als gelungen, sieht das Gremium aber weiter vor großen Herausforderungen.

KNA: Herr Professor Sternberg, wie war sie, die erste digitale Vollversammlung?

Sternberg: Es hat gelegentlich ein bisschen gehakelt, weil es schwierig ist, mit zwei Programmen auf zwei Bildschirmen zu arbeiten - dem Livestream und zugleich dem Abstimmungstool. Aber im Großen und Ganzen hat es gut geklappt. Faszinierend war, wie schnell Abstimmungen auf technischem Weg ausgezählt sind. Der unmittelbare Austausch hat gefehlt, aber es ist besser, als die Vollversammlung ganz ausfallen zu lassen. Insgesamt war es eine konzentrierte Sitzung mit disziplinierten Debatten.

KNA: Wie haben Sie die Stimmung im ZdK erlebt?

Sternberg: Das letzte physische Zusammentreffen in der großen Runde war vor einem Jahr, die Vollversammlung im April ist ausgefallen.
Daher war der Bedarf, zusammenzukommen, groß. Das wurde auch daran deutlich, dass die lange vorbereitete Tagesordnung über den Haufen geworfen wurde, weil die Besprechung aktueller Themen drängte. Es war wichtig, den Initiativantrag zum Thema Missbrauchsaufarbeitung aufzunehmen. Dafür konnten wir andere wichtige Themen nicht besprechen, etwa den Synodalen Weg. Dafür wollen wir uns nach Möglichkeit in den nächsten vier Wochen noch einmal eigens treffen.

KNA: Hat das Thema Missbrauchsaufarbeitung also die ganze Vollversammlung überschattet?

Sternberg: Überhaupt nicht. Es ist und bleibt ein wichtiges Thema. In der Presseberichterstattung spielt es die entscheidende Rolle. Und es war klar, dass vom ZdK ein klares Wort erwartet wurde.

KNA: Trotzdem kam das Thema erst spontan auf die Tagesordnung. Wurde die Dynamik der Debatte im Vorfeld unterschätzt?

Sternberg: Die Tagesordnung einer Vollversammlung wird über Monate vorbereitet. Die Fragen zum Umgang mit einem Gutachten im Erzbistum Köln betrafen zunächst dieses eine Erzbistum, und der Diözesanrat Köln hat darauf reagiert - das ist zunächst das zuständige Gremium.
Wenn die Presseberichte über die Vorgänge zutreffen, ist das ein ungeheurer Skandal. Im Moment scheint sich herauszustellen, dass vor allem der Umgang mit dem Betroffenenbeirat empörend ist - weil er in Kauf nimmt, dass es zu einer Retraumatisierung von Betroffenen kommt.

KNA: Das ZdK hat auch eine Veröffentlichung des Gutachtens gefordert.

Sternberg: Ich kann diese Frage nicht zureichend beantworten, weil ich den Text des Gutachtens nicht kenne. Es mag Gründe für die Nichtveröffentlichung geben. In diesem Sinne verlangen wir Klarstellung: Wenn man einen solchen Bericht nicht veröffentlichen kann, dann ist extreme Transparenz notwendig - im Zweifel transparente Argumente dafür, warum man ihn nicht veröffentlicht. Den Verdacht einer Unterdrückung von Gutachten zu wecken, schadet der Sache noch mehr.

KNA: Wie wichtig ist im Zusammenhang mit der Aufarbeitung die Selbstkritik des ZdK?

Sternberg: Wir wollen uns vor Selbstgerechtigkeit hüten. Auch Pfarrgemeinderäte oder Kirchenvorstände wussten in der Vergangenheit bisweilen von solchen Vorgängen. Wir werden künftig noch aufmerksamer sein und Gespräche mit Betroffenen, die es bereits gegeben hat, intensivieren. Wir werden allerdings nicht selbst Aufklärungsarbeit leisten, das ist Sache der Bischofskonferenz. Die Aufarbeitungsschritte in den Diözesen werden wir weiter sehr aufmerksam und kritisch begleiten.

KNA: Welche Herausforderungen stehen darüber hinaus an?

Sternberg: Es sind sehr große Herausforderungen. So geht es um die Gestaltung eines ökumenischen Großzeichens in der Tradition des Ökumenischen Kirchentags. Er wird in der bekannten Form mit Kirchentags-Feeling wohl kaum möglich sein. Anfang Dezember werden wir zu Beschlüssen kommen müssen. Daneben bereiten wir schon den Katholikentag 2022 in Stuttgart vor. Und die wichtigste Herausforderung ist für uns der Synodale Weg.

KNA: Nehmen Sie Anregungen aus dem digitalen Format mit - auch für die Zeit, wenn physische Großtreffen wieder möglich sind?

Sternberg: Das Format eignet sich ausgezeichnet für kurze Zwischensitzungen, Abstimmungen oder Klärungen - gerade wenn Personen weit auseinander wohnen. Dann spart man lange Anfahrtswege und kann schnell reagieren. Das gilt besonders für Gruppen, die sich unter anderen Umständen schon einmal persönlich getroffen haben. Der Wert einer analogen Tagung wird immer deutlicher, je mehr Videokonferenzen man erlebt. Das betrifft auch den Austausch am Rande. Ein informelles Abendessen hat eine wichtige Funktion - das war uns vielleicht noch nicht so klar, als wir noch nicht auf digitale Mittel beschränkt waren.

Paula Konersmann
(KNA)

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