Bischöfe üben scharfe Kritik an neuem Bollywood-Film

Verzerrung christlicher Glaubensinhalte?

Indische Kirchen kritisieren den Film "Sanatani - Karma hi Dharma" scharf. Sie befürchten, dass er die Religionsfreiheit im Land gefährdet und Konflikte schürt. Außerhalb der Kirchen erhält der Film sehr gute Kritiken.

Symbolbild Filmrolle / © Fer Gregory (shutterstock)

Ein neuer Bollywoodfilm hat zu heftigen Kontroversen in Indien geführt. Der Film "Sanatani - Karma hi Dharma" stelle Jesus, christliche Gottesdienste und die Taufe auf herabwürdigende Weise dar, kritisiert das "National United Christian Forum" in Indien. Dem Forum gehören unter anderem katholische, protestantische, orthodoxe und evangelikale Bischöfe an.

Die Kirchenvertreter warnen: Christliche Glaubensinhalte würden verzerrt dargestellt und religiöse Spannungen geschürt. Der Film stelle "religiöse Bekehrung fälschlicherweise als kriminelle Aktivität dar" und untergrabe somit die Religionsfreiheit. Berichten zufolge dreht sich der Film um christliche Bekehrung und Hexerei in Stammesdörfern. Im Trailer sieht man, wie Menschen mit Fackeln ein Tor zu einer christlichen Kirche aufbrechen.

Sorge um interreligiöses Miteinander

Die Bischöfe warnen vor Auswirkungen auf das interreligiöse Zusammenleben in Indien und möglichen Spaltungen indigener Gemeinschaften. Durch die Darstellung der Konversion als krimineller Akt werde das verfassungsmäßige Recht auf Religionsfreiheit infrage gestellt, schreiben sie. Jedem Bürger Indiens müsse jedoch das Recht gewährt werden, seinen Glauben frei zu wählen und auch zu wechseln.

Vor Filmstart hatten die Kirchen ein Verbot des Films gefordert. Eine Klage wurde jedoch vom Obersten Gerichtshof Indiens zunächst zurückgewiesen. Der Hauptdarsteller des Films, Sambit Acharya, betonte in diesem Zusammenhang: Der Film stelle sich nicht gegen Religionen, sondern Konversionen. Nach kirchlicher Kritik soll es nun am 19. Februar zu Gesprächen kommen.

Gute Kritiken für Bollywood-Film

Währenddessen stößt der Film auf große Resonanz. Auf indischen Filmwebsites wie "bookmyshow.com" gibt es viele positive Bewertungen. Ein User schreibt laut dem asiatischen katholischen Pressedienst "Ucanews": "Jeder Inder sollte diesen Film gesehen haben." Ein anderer schreibt: "Die schlechten Bewertungen hier kommen von Menschen, die eine Gefahr für die indische Gesellschaft darstellen."

Der Name des Films verwendet das Sanskrit-Wort "Sanatani", das sich auf Menschen bezieht, die der hinduistischen Religion folgen. Im Film wird behauptet, dass für Hindus der Grundsatz "Karma hi Dharma" (Pflicht ist Religion) gelte.

Filme werden in Indien von Millionen Menschen gesehen und haben große Wirkmacht. Bollywood ist nach Hollywood der weltweit wichtigste Filmproduzent. Die scharfe Kritik der Kirchen hängt mit extrem-nationalistischen Hindugruppen zusammen, die Indien langfristig zu einem hegemonial-hinduistischen Staat umformen wollen. Besonders gegen die Konversion zum Christentum hetzen die Nationalisten. Immer wieder kommt es in Indien zu Übergriffen auf Christen.

Katholische Kirche in Indien

Unter den rund 1,38 Milliarden Indern sind die Katholiken mit etwa 18 Millionen nur eine kleine Minderheit. Im Verhältnis zu ihrem Bevölkerungsanteil von unter zwei Prozent ist ihr Einfluss im Land jedoch viel größer. Die Kirche stellt ein Fünftel der schulischen Leistungen, dazu ein Viertel aller Unterstützungsprogramme für Witwen und Waisen und knapp ein Drittel der Versorgung von Lepra- und Aidskranken. Indien ist auch das Land mit den meisten Priesterberufungen weltweit.

Christen in Indien  / © Jaipal Singh (dpa)