Christen in Syrien droht laut dem Vatikan die Bedeutungslosigkeit

"Trotz Verschiedenheit mit einer Stimme sprechen"

Die neuen Machthaber in Syrien beginnen das Land umzugestalten. In dieser historischen Phase besucht der Ostkirchen-Beauftragte des Papstes, Kardinal Claudio Gugerotti, das Land und versucht, Brücken zwischen den Religionen zu bauen.

Gottesdienst in der maronitischen Kathedrale Saint Elie am 15. Dezember 2024 in Aleppo (Syrien) / © Jean-Matthieu Gautier (KNA)
Gottesdienst in der maronitischen Kathedrale Saint Elie am 15. Dezember 2024 in Aleppo (Syrien) / © Jean-Matthieu Gautier ( (Link ist extern)KNA )

Der Ostkirchen-Beauftragte des Papstes, Kardinal Claudio Gugerotti, warnt vor der Gefahr einer völligenBedeutungslosigkeit von Christen in Syrien. "Die ohnehin schon geringe christliche Präsenz an der Wiege des Christentums droht endgültig zu verschwinden", sagte der Kardinal dem Portal Vatican News. Am Donnerstag war er von einer einwöchigen Reise nach Syrien und in den Libanon zurückgekehrt.

Erzbischof Claudio Gugerotti, Präfekt des Dikasteriums für die Östlichen Kirchen. / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Erzbischof Claudio Gugerotti, Präfekt des Dikasteriums für die Östlichen Kirchen. / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( (Link ist extern)KNA )

"Das neue Syrien ist noch im Entstehen" so Gugerotti vor syrischen Kirchenvertretern. Er mahnte eine wichtige Rolle der christlichen Kirchen beim Wiederaufbau an. Christen müssten alles tun, um eine gleichberechtigte Rolle mit anderen Bürgern des Landes zu spielen. Trotz aller Unsicherheiten dürften sie sich nicht von Ängsten lähmen lassen. Der Vatikan-Beauftragte appellierte nach eigenen Angaben an die Vertreter der syrischen Kirchen, trotz ihrer Verschiedenheit mit einer Stimme zu sprechen.

Bei einem Treffen mit syrischen Bischöfen am Mittwochabend in Homs blickte Gugerotti auf die Zerstörung des arabischen Landes. Es schmerze ihn zu sehen, mit welcher Gewalt das Land und die Menschen in Armut gestürzt worden seien. Der Kardinal traf dort auch die Mutter eines 2012 entführten und seither verschwundenen Priesters.

"Neues soziales Gefüge"

Junge Syrer, Christen und Muslime, seien die Hoffnung für ein friedvolles Miteinander, so Gugerotti vor melkitischen Ordensleuten."Aber diese jungen Menschen müssen unterstützt, ausgebildet und einbezogen werden", sagte er und warb für konkrete Projekte, die der Heilige Stuhl fördern könne. 

In seiner Bilanz hob er junge Christen hervor, die auch während des Krieges etwa als Pfadfinder zusammenkamen. "Sie fühlen sich in erster Linie als Syrer; und als solche wollen sie die Herausforderung annehmen, ein neues soziales Gefüge aufzubauen", sagte der Kardinal.

Jacques Mourad / © Karin Leukefeld (KNA)

Um Unterstützung der syrischen Jugend warb auch der Erzbischof von Homs, Jacques Mourad, im Gespräch mit Vatican News. Man müsse die jungen Menschen im Land halten. Nach dem jahrelangen Leid fehle dafür möglicherweise der kreative Blick. "Wir haben nicht wirklich Visionen wie die Europäer zum Beispiel; wir haben keine idealen Ideen. Also brauchen wir dafür Hilfe", sagte Mourad, der 2015 selbst von Dschihadisten entführt und mehrere Monate gefangengehalten wurde.

Historischer Zeitpunkt

Gugerotti traf in Begleitung des päpstlichen Nuntius, Kardinal Mario Zenari, in Damaskus und Aleppo zahlreiche Bischöfe, Geistliche,Ordensleute und Laien. Der Leiter der vatikanischen Ostkirchenbehörde führte unter anderem Gespräche mit dem griechisch-katholischen melkitischen Patriarchen Joseph Al-Absi, mit dem syrisch-orthodoxen Patriarchen Mor Ignatius Aphrem II. und mit dem griechisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochien, Johannes X. Yazigi, sowie zahlreichen ostkirchlichen Würdenträgern.

Die referenzierte Medienquelle fehlt und muss neu eingebettet werden.

Die Reise fand in einer für Syrien wegweisenden Zeit statt: Am Montag hatten sich die Außenminister der EU-Staaten darauf geeinigt, die Sanktionen gegen das Land nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Baschar al-Assad zu lockern. Am Mittwoch wurde der frühere Milizenführer Ahmed al-Scharaa offiziell zum syrischen Präsidenten ernannt.

Christen in Syrien

Syrien gilt als Wiege des Christentums. Vor dem 2011 ausgebrochenen Bürgerkrieg waren laut Daten der Linzer "Initiative Christlicher Orient" etwa 7 Prozent der damals 21 Millionen Syrer christlich. Aktuelle Zahlen sind schwer zu ermitteln, auch weil mindestens 5,5 Millionen Syrerinnen und Syrer aus dem Land geflohen sind. Nach verschiedenen Schätzungen soll es noch maximal 500.000 Christen in Syrien geben. Rund drei Viertel der Syrer sind sunnitische Muslime, etwa 12 Prozent gehörten vor dem Krieg der Sekte der Alawiten an, darunter auch der nun gestürzte Assad-Clan. 

Außenansicht der Kirche Sankt Georg in Izra (Syrien) / © Karin Leukefeld (KNA)
Außenansicht der Kirche Sankt Georg in Izra (Syrien) / © Karin Leukefeld ( (Link ist extern)KNA )