Erzbistum Köln kürt wir-Magazin zum besten Pfarrbrief

Als Gegenpol zur hektischen Gegenwart

Der Pfarrbrief der Seelsorgeeinheit Düsseldorfer Rheinbogen wurde zum besten Pfarrbrief des Erzbistums für 2024 gekürt. Pastoralreferent Martin Kürble spricht über den Stellenwert des Magazins und neue Perspektiven seiner Redaktion.

Autor/in:
Carsten Döpp
Die Preisträgerinnen und Preisträger des Wettbewerbs "Pfarrbrief des Jahres 2024", Redaktion wir.  / © Deutscher (Erzbistum Köln)

DOMRADIO.DE: Was bedeutet Ihnen und Ihrem Team diese Auszeichnung?

Pastoralreferent Martin Kürble (DR)
Pastoralreferent Martin Kürble / ( DR )

Martin Kürble (Pastoralreferent): Das ist natürlich etwas Besonderes als der Pfarrbrief des Jahres im Erzbistum Köln ausgezeichnet zu sein. Das bedeutet einfach, dass wir eine gute Arbeit mit der Redaktion und mit allen, die diesen Pfarrbrief - oder das "Gemeindemagazin", wie es bei uns heißt - gemacht haben. Es bedeutet für uns, dass es auf die Menschen, die bei uns leben, wohnen, arbeiten und glauben, ausgerichtet ist und wir etwas Spannendes zusammengestellt haben. 

Martin Kürble

"Alles ist so schnell, der ganze Zeitgeist und das Leben sind hektisch und von dem Gedanken 'Zeit ist Geld' beeinflusst. Wir wollten einen Gegenpol zeigen"

DOMRADIO.DE: Das ist jetzt auch entsprechend gewürdigt worden. Konkret prämiert wurde Heft 28 aus dem letzten Jahr zum Thema "Entschleunigung" bzw. "Beschleunigung". Ein Magazin im Wendeformat, das man von zwei Seiten lesen kann. Was haben Sie da genau gemacht? 

Kürble: Der erste Gedanke war, dass alles so schnell, der ganze Zeitgeist und das Leben hektisch und von dem Gedanken "Zeit ist Geld" beeinflusst ist. Wir wollten einen Gegenpol zeigen und haben überlegt, wie wir das sinnvoll hinkriegen. Auf der einen Seite mussten wir zeigen, was dieses Beschleunigte ist, das uns den Puls hochtreibt. 

Auf der anderen Seite wollten wir zeigen, wie wir da rauskommen. Nach und nach kam in der Redaktion die Idee auf, die Sache von zwei Seiten zu betrachten. Und das haben wir dann praktisch mit dem Heft umgesetzt. Unsere Layouter waren ganz toll und pfiffig und haben das Heft einfach von zwei Seiten gemacht. 

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Wettbewerbs "Pfarrbrief des Jahres 2024", Redaktion WIR. / © Deutscher (Erzbistum Köln)

DOMRADIO.DE: "Pfarrbrief", das beschreibt eigentlich nicht ausreichend, was Sie in jeder Ausgabe abliefern. Es ist ein Magazin mit Stories, mit vielen Fotos, jetzt auch mit dieser Wendeformatidee. Wie viel Zeit stecken Sie da alle rein? 

Kürble: Da steckt natürlich eine ganze Menge Zeit drin. Wir haben immer einen Vorlauf von rund einem halben Jahr. Wir haben zwei Ausgaben im Jahr, das heißt, wir können uns ein bisschen Zeit nehmen. Wir haben zwei bis drei Redaktionstreffen, was gar nicht so schrecklich viel ist. Da legen wir das Thema fest und dann recherchiert jeder, welche Ideen für spannende Artikel es gibt, die man dazu machen könnte. Und dann gehen wir auf die Suche nach Autorinnen und Autoren. 

Am Ende wird das Ganze zusammengesammelt und bis das so weit ist, vergeht natürlich der Redaktionsschluss. Aber so entsteht letztlich das Heft: Jeder im Team übernimmt eine Aufgabe, recherchiert und zieht Autoren und Autorinnen an Land. 

DOMRADIO.DE: Dabei gibt es eine Deadline und irgendwann muss abgeliefert werden. Klappt das zeitlich immer?

Kürble: Nein, selbstverständlich nicht. Es gibt die Deadline und dann gibt es noch die 14 Tage danach, das ist aber mittlerweile natürlich eingepreist. 

DOMRADIO.DE: Zwei "WIR"-Magazine erscheinen in der Regel pro Jahr. Was ist für 2025 in der Pipeline? 

Kürble: Der Redaktionsschluss für Heft 30 war schon. Das heißt, nach Ostern werden wir im Mai nach 15 Jahren mit dem 30. Heft rauskommen. Auch da gibt es wieder ganz spannende Artikel und ein spannendes Thema. "War's das?", das wird das Thema des Heftes sein. 

Martin Kürble

"Es ist das letzte Heft vom 'wir'-Magazin, das wir nach 15 Jahren vorbereiten"

DOMRADIO.DE: Weil es das Heft in dieser Form nicht mehr geben wird, richtig? 

Kürble: Genau, deswegen dieser Titel. Es ist das letzte Heft vom wir-Magazin, das wir nach 15 Jahren vorbereiten. Natürlich sind wir ein bisschen melancholisch, weil es eine tolle Zeit mit der wir-Redaktion war. Aber "War's das?" - nein, das war es natürlich nicht. Wir haben diese Woche ein Treffen mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem Nachbarseelsorgebereich. Denn wenn wir zum 01.01.2026 fusionieren, dann fusionieren natürlich auch die Gemeindemagazine, die wir hier vor Ort haben. Und da bin ich ganz fröhlich und freudig, dass aus zwei tollen Heften ein weiteres großartiges Heft wird. Insofern: Es geht weiter und wird mit Sicherheit schön, denn auf der anderen Seite der Pfarrgrenze sind genauso engagierte und kreative Menschen. Und wir schmeißen das jetzt zusammen.

Martin Kürble

"Wenn ich ein Heft in der Hand habe, dann entschleunigt mich das"

DOMRADIO.DE: Zeitungen und Magazine haben es ja inzwischen ziemlich schwer. Auflagen und Verkäufe gehen zurück, Informationen werden über die sozialen Medien verbreitet. Welchen Stellenwert hat so ein Pfarrbrief oder so ein Magazin noch im Jahr 2025? 

Kürble: Die Menschen haben immer noch gerne etwas Haptisches. Das heißt, durch das Heft zu blättern, es auf das Sofa mitzunehmen - ich weiß, es lesen auch viele auf der Toilette (lacht), völlig in Ordnung. Das Hin- und Herblättern hat immer noch eine große Bedeutung und deswegen verteilen wir unser Magazin in unseren Stadtteilen auch richtig in den Briefkästen. Wir wissen, Viele lesen es online auf unserer Homepage, aber es hat nicht nur bei den Älteren, sondern auch bei den Jüngern einfach seinen Wert, denn auch das hat etwas mit Entschleunigung zu tun. Wenn ich ein Heft in der Hand habe, dann entschleunigt mich das. 

Das Interview führte Carsten Döpp. 

Pfarrbriefe

Im Unterschied zur Bistumspresse, die seit Jahren an Auflage verliert, sind Pfarrbriefe laut einer Umfrage von 2014 im Aufwind und das reichweitenstärkste gedruckte Medium der katholischen Kirche. Die Befragung ergab damals eine Gesamtauflage von bis zu 7,5 Millionen Exemplaren pro Ausgabe, die in der Regel von einer Gruppe ehrenamtlicher Mitarbeiter der Gemeinde erstellt werden. Durchschnittlich 660 von ihnen rufen jeden Tag 4.500 Seiten von pfarrbriefservice.de auf.

Gemeinde- und Pfarrbriefe am Stand einer Druckerei / © Marijan Murat (dpa)
Quelle:
DR

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