Papst trifft vom Krankenbett aus Personalentscheidungen

Rücktritt von Jean-Pierre Blais

Papst Franziskus liegt seit Freitag mit einer Atemwegserkrankung in der römischen Gemelli-Klinik und braucht laut Vatikan "absolute Ruhe". Dennoch versieht er weiterhin manche Amtsgeschäfte - vom Krankenbett aus.

Italien, Rom: Eine Statue von Papst Johannes Paul II. ist vor der Poliklinik Agostino Gemelli in Rom zu sehen, wo Papst Franziskus ins Krankenhaus eingeliefert wurde / © Andrew Medichini (dpa)
Italien, Rom: Eine Statue von Papst Johannes Paul II. ist vor der Poliklinik Agostino Gemelli in Rom zu sehen, wo Papst Franziskus ins Krankenhaus eingeliefert wurde / © Andrew Medichini ( (Link ist extern)dpa )

Am Dienstag entließ er einen kanadischen Bischof in den Ruhestand, der in einer Sammelklage des Missbrauch bezichtigt wurde: Franziskus nahm den Rücktritt von Jean-Pierre Blais (75) an.
Zuvor hatte dieser die reguläre kirchliche Altersgrenze erreicht. Zum Nachfolger ernannte der Papst gleichzeitig Pierre Charland zum neuen Bischof von Baie-Comeau, wie der Vatikan mitteilte.

Zivilklage von mehr als 100 Personen initiiert

In einer Schadensersatz-Klage genannt Blais, seit 2009 Bischof der Diözese im Osten Kanadas, wird in einer
2022 eingereichten gemeinschaftlichen Schadensersatz-Klage gegen die Erzdiözese Quebec auf der Liste angeblicher Schadensverursacher genannt. Die Anschuldigung hatte der Bischof kategorisch dementiert, der Papst beließ ihn daraufhin im Amt. Die Zivilklage wurde laut Medienberichten von mehr als 100 Personen initiiert, die von Priestern und anderen Kirchenmitarbeitern sexuell missbraucht worden sein sollen, die meisten als Minderjährige. Die überwiegende Zahl der Übergriffe ereignete sich demnach in den 1950er und 1960er Jahren.

Gemelli-Klinik

Die Gemelli-Klinik ist das akademische Lehrkrankenhaus der Katholischen Universität «Sacro Cuore» in Rom. Das Klinikum nahm seinen Dienst 1964 auf, es gilt als eines der besten Krankenhäuser Roms. Seinen Namen verdankt es dem Mediziner und Psychologen Pater Agostino Gemelli (1878-1959).

Nach dem plötzlichen Tod von Johannes Paul I. (1978) wurde im zehnten Stock der Klinik ein eigenes Appartement für Päpste reserviert. Bis dahin wurden sie im Falle einer Erkrankung im Vatikan oder am Sommersitz Castel Gandolfo medizinisch behandelt.

Gemelli-Klinik in Rom (dpa)