Vatikanexperte erklärt Regeln für Papstbilder

"Erste Probleme gab es im Jahr 1958"

Was darf eigentlich mit Papstbildern angestellt werden? Durch Künstliche Intelligenz sehen wir den Papst Motorrad fahren oder tanzen, aber wie sah es mit den ersten Fotografien eines Papstes aus? Ulrich Nersinger erklärt.

Autor/in:
Carsten Döpp
Postkarten mit Abbildungen von Papst Franziskus / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Postkarten mit Abbildungen von Papst Franziskus / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( (Link ist extern)KNA )

DOMRADIO.DE: Früher wurde einfach ein Maler oder Fotograf bestellt, und dann wurde ein autorisiertes Bild des Papstes veröffentlicht. Gibt es heute noch so offizielle Porträtkünstler? 

Vatikanexperte und Buchautor Ulrich Nersinger. (EWTN)

Ulrich Nersinger (Journalist und Vatikanexperte): Die sogenannten "päpstlichen Hoffotografen" gibt es heute nicht mehr, die sind in den 1970er-Jahren verschwunden. Heute werden die offiziellen Fotografien vom Servizio Fotografico, also vom Fotodienst des L‘Osservatore Romano gemacht. Das sind wirklich die offiziellen Bilder des Papstes. 

Und dann gibt es natürlich verschiedene Maler, die von den Päpsten oder vom Vatikan angesprochen werden, Gemälde zu machen. Bei den Fotos haben wir eine gewisse Kontrolle, denn zumindest die offiziellen Bilder des Papstes gehen vom Vatikan aus. 

DOMRADIO.DE: Wie hat das denn früher funktioniert mit diesen offiziellen Fotografen oder auch Malern? 

Nersinger: Ursprünglich ganz gut. Gregor XVI. hat 1845 erstmals ein Kolleg besucht, in dem ihm das Fotografieren vorgestellt wurde. Ob dann auch ein Foto gemacht worden ist, das wissen wir nicht, da haben wir keines überliefert. Aber von seinem Nachfolger Pius IX. sind sehr viele Fotos gemacht worden und da ist es auch nie zu Problemen gekommen. Auch keine Fälschungen, die gab es aber in der Zeit schon; ich kenne Bilder von Garibaldi, die dann retuschiert oder ganz anders aufgebaut worden sind, das gab es bei den Päpsten nicht. 

Die ersten Probleme gab es unter Pius XII., und zwar kurz vor seiner Beisetzung im Jahr 1958. Der Leibarzt des Papstes hat mit einer kleinen Kamera verbotenerweise Aufnahmen des sterbenden und des toten Papstes gemacht, sehr abstoßende Bilder mit Kanülen in der Nase und im Mund. Und seitdem hat der Vatikan sehr strenge Regeln aufgestellt, was zum Beispiel das Fotografieren eines verstorbenen Papstes betrifft. 

DOMRADIO.DE: Eine öffentliche Person darf in der Öffentlichkeit fotografiert werden, aber ich kann ja heute alles Mögliche mit diesen Bildern machen. Was haben Sie da alles schon mit dem Konterfei des Papstes gefunden? 

Ulrich Nersinger

"Das sind Aufnahmen, die ziemlich perfekt aussehen."

Nersinger: Was ich in den letzten Tagen und Wochen im Internet gesehen habe, waren weniger Fotos, als viel mehr durch KI produzierte Videos des Papstes. Das ist auf der einen Seite zum Amüsement gedacht, aber andererseits auch erschreckend. Wir sehen einen Papst, der mit irgendjemandem Walzer tanzt, auf dem Motorrad fährt, oder der in den Himmel fliegt. Das sind Aufnahmen, die ziemlich "perfekt" aussehen. 

Natürlich könnte man sagen, dass der Kontext offensichtlich auf eine Fälschung hinweist. Und gibt es auch immer so Kleinigkeiten bei der Kleidung oder der Gestik, die schnell darauf schließen lassen, dass es Fälschungen sind. Aber es ist schon beeindruckend, was die KI in der Lage ist zu tun. 

Der Vatikan hat auch ein eigenes Dokument verfasst "Antiqua et Nova", das die KI sehr kritisch sieht und vor ihr warnt, vor allem was da alles geschehen kann. Und ich denke, zu Recht, denn die technische Entwicklung wird so gehen, dass man uns irgendwann einen virtuellen Papst präsentieren kann, den wir kaum noch von den echten Aufnahmen unterscheiden können. 

DOMRADIO.DE: Stellt sich natürlich auch die Frage, was man darf und was nicht. 

Nersinger: Da bewegen wir uns natürlich sehr häufig in Grauzonen. Wie schon gesagt, gibt es offizielle Aufnahmen des Papstes, die man natürlich nicht verändern darf. Aber erst einmal muss derjenige herausgefunden werden, der es gemacht und ins Netz gestellt hat. 

Wir wissen, dass es sehr schwierig zu eruieren ist. Und wenn es dann private Aufnahmen sind, die vom Papst gemacht wurden, dann ist es auch eine Frage, inwieweit das strafbar ist. Aber wie gesagt, es dürfte sehr schwierig werden, das zu ahnden. 

DOMRADIO.DE: Wer kontrolliert eigentlich die gesamte Bilderflut da rund um den Papst? Gibt es da Experten im Vatikan? 

Ulrich Nersinger

"Das wäre eine solche Flut von Anzeigen, das ist kaum zu bewältigen."

Nersinger: Es gibt eigentlich keine offizielle Stelle, die sich dem ganz explizit widmet. Natürlich schauen die Mitarbeiter des L‘Osservatore Romano darauf, dass die Bilder, die der L‘Osservatore macht, nicht an anderer Stelle "verhökert" und ausgenutzt werden. Aber das ist eine sehr schwierige Sache. 

Vor vielen Jahren habe ich einmal mit Arturo Mari gesprochen, der war ursprünglich Hoffotograf und dann der Cheffotograf des L’Osservatore. Und er hat mir gesagt: "Wissen Sie, ich könnte in jeder Stadt Europas, oder der ganzen Welt ein Rechtsanwaltsbüro beauftragen, illegale Veröffentlichungen meiner Bilder zu ahnden, aber das wäre eine solche Flut von Anzeigen, das wäre kaum zu bewältigen." 

DOMRADIO.DE: Dann drehen wir zum Schluss nochmal kurz den Spieß um: Können Sie sich vorstellen, dass man im Vatikan selbst KI nutzt, um Bilder vom Papst zu veröffentlichen, aus welchen Gründen auch immer? 

Nersinger: Ich hoffe nicht, denn das würde ziemliche Schwierigkeiten mit sich bringen. Es könnte dann behauptet werden, der Papst sei hier und da, oder dem Papst gehe es so und so. Es würde unter Umständen im Krankheitsfall eines Papstes zu Nachfragen bei Ernennungen oder Dokumenten kommen. Das ist eine gefährliche Sache, da bewegt man sich auf sehr dünnem Eis. 

Das Interview führte Carsten Döpp.

Quelle:
DR

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