DOMRADIO.DE: Wie wird man denn Regimentsgeneral?
Dr. Heiner Koch (Erzbischof von Berlin): Es war wirklich unerwartet, eine reine Gnade, könnte man sagen. Es war völlig überraschend, dass ich diese Auszeichnung erhalten habe. Zum meinem runden Geburtstag kamen sie vorbei und überreichten sie mir während einer Sitzung. Das Dankeschön hat mich sehr gefreut.
DOMRADIO.DE: Was müssen Sie als Regimentsgeneral machen?
Koch: Ich werde weiterhin meine Pflichten erfüllen, die sind nicht ohne. Ich halte den Regimentsgottesdienst im Jahr, nehme an Sitzungen teil und betreue einzelne Mitglieder. Ich lade auch nach Berlin ein. Aber letztlich ist der Titel "Regimentsbischof" eine Ehrung. Die eigentliche seelsorgliche Aufgabe liegt in der Begleitung der Menschen.
DOMRADIO.DE: Welche Seelsorge muss man erfüllen?
Koch: Es geht darum, Gottesdienste zu feiern und die Vorbereitungen zu treffen, einschließlich der Kindergruppen, die beteiligt sind, sowie der Listen. Besonders wichtig ist es jedoch, als Seelsorger in schwierigen Momenten den Kontakt zu halten, hinzugehen und das richtige Wort zu finden – manchmal auch das richtige Wort zu schreiben.
DOMRADIO.DE: "Wenn Träume wieder blühen", das ist das Motto des Karnevals in Köln in diesem Jahr. Welche Träume haben Sie?
Koch: Ich habe viele Träume. Zunächst für Berlin und mein Bistum. Es ist mein Wunsch, den Menschen die Frage nach Gott näherzubringen und sie zum Glauben zu führen. Ich glaube, dass uns das im Moment ganz gut gelingt. Mein Traum für Köln ist, dass der Rosenmontagszug friedlich verläuft, ohne Probleme und dass er so gefeiert wird, wie es die ganze Session über der Fall war.
Soweit ich das mitbekommen habe, ich war ja zweimal längere Zeit hier, gab es in der Session ein gutes Miteinander und eine Offenheit füreinander. Gerade in der aktuellen Situation mit all den Spannungen, Kriegen und Konflikten, ist das ein starkes Zeichen. Wir feiern trotz allem Karneval.
DOMRADIO.DE: Trotz all der Krisen feiern wir trotzdem Karneval. Der Papst ist schwer krank, Donald Trump sorgt weiterhin für Schlagzeilen und der Ukrainekrieg belastet die Welt. Wie gelingt es uns da, trotzdem munter und fröhlich Karneval zu feiern?
Koch: Man spürt in diesem Jahr jetzt besonders, dass man an die Grenze seiner Möglichkeiten kommt, dass man doch auch von vielem abhängig ist. Wir sagen als Christen ja auch vor allen Dingen, dass wir von Gott abhängig sind und dass Gott uns nicht allein lässt.
In guten Tagen Karneval zu feiern, wo alle feiern und jubeln, ist nicht kein Problem. Aber in schweren Zeiten zu glauben und zu sagen "Nein, wir lassen die Freude unserem Herzen nicht ersterben und auch die Freude vor allen Dingen, die wir schenken", das bleibt wirklich. Das halte ich für das Wichtigste und das Zeugnis.
DOMRADIO.DE: Werden Sie in dieser Karnevalszeit auch auf solche Themen angesprochen? Es gab ja auch Terroranschläge und viele andere Ereignisse. Wird von Ihnen gefragt, wie wir uns als Christen, als Katholiken in solchen Zeiten verhalten sollen?
Koch: Ja, natürlich. Ich habe viele Diskussionen geführt, sowohl in Berlin als auch anderswo. Und es gibt viele Gründe, die gegen den Frieden sprechen. Stattdessen sehen wir oft nur Wettrüsten, Aufrüstung und das Bemühen um Sicherheit. Ich möchte mich nicht grundsätzlich dagegen aussprechen. Aber ich glaube, allein das wird keinen Frieden bringen.
Es braucht die Grundtugenden, vor allem die Bereitschaft, durch Worte und Austausch Frieden zu schaffen. Und wir müssen verstehen, dass der Frieden letztlich ein Geschenk ist, das wir nicht selbst erschaffen können. Wenn wir das vergessen, dann wird der Weg zum Frieden schwer erreichbar.
DOMRADIO.DE: Sie tragen diese prächtige Uniform eines Regimentsbischofs der Prinzengarde. Was würde passieren, wenn Sie so in Berlin durch Kreuzberg gehen?
Koch: Im besten Fall würde einer sagen, dass die Preußen auch wieder aktiv sind. Die Persiflage würde keiner verstehen. Nein. Wenn sie mich erkennen würden, würden sie glauben, dass sie jetzt einen Arzt holen müssen.
Das Interview führte Johannes Schröer.