DOMRADIO.DE: Vor einem Jahr standen auf der Domplatte viele Polizeiautos, weil es eine Bedrohungslage gab. Mit welchem Gefühl gehen Sie in das neue Jahr?
Msgr. Guido Assmann (Kölner Dompropst und Generalvikar): In den Tagen vor Weihnachten ist mir das natürlich sehr durch den Kopf gegangen, wie wir Weihnachten feiern werden. Wie werden wir ins neue Jahr kommen? Haben wir eine ähnliche Situation? Ich bin so froh, dass wir Weihnachten so schön feiern konnten, dass so viele Menschen gekommen sind und der Dom so voll war, wie ich ihn viele Jahre zu Weihnachten nicht gesehen habe. Das ist einfach sehr schön. Diese Freude und diese Hoffnung nehme ich gerne mit in das neue Jahr.
DOMRADIO.DE: In diesem Jahr gibt es dann eine eucharistische Konferenz und später die Domwallfahrt. Was sind denn für Sie die Highlights in diesem Jahr?
Assmann: Das Fronleichnamsfest wird seit fast 750 Jahren in Köln gefeiert und erfreut sich mit der Farbenpracht und den Fahnen einer großen Beliebtheit unter den Gläubigen. Dieses Fest wollen wir auf jeden Fall am Kölner Dom feiern. Darauf freue ich mich ganz besonders.
Wenn wir das damit verbinden können, dass sich Menschen aus dem Erzbistum bei der eucharistischen Konferenz Gedanken machen und sich möglicherweise auch Menschen außerhalb des Bistums zum Thema Eucharistie beteiligen, dann wird das bestimmt toll.
DOMRADIO.DE: Deutschland lebt politisch in unruhigen Zeiten. Die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger sind sehr unter Druck und das Domkapitel hat einen internationalen Kunstwettbewerb für den Kölner Dom ausgelobt, um mit den judenfeindlichen Darstellungen im Kölner Dom verantwortungsvoll umzugehen. Wie ist da der Stand?
Assmann: Der Plan sieht vor, dass die Jury im März zusammenkommt. Bis März müssen die vier Künstler, die ausgewählt worden sind, ihr Kunstwerk präsentieren. Die Jury wird das bewerten und dann dem Domkapitel einen Vorschlag machen. Das Domkapitel wird sich dann damit beschäftigen, wie wir heute das Verhältnis zwischen Christentum und Judentum darstellen können. Ich bin selbst sehr gespannt, weil ich auch noch nicht mehr als das weiß.
DOMRADIO.DE: In den letzten Tagen gab es ein wenig Unruhe. Es gab die Schlagzeile, der Dom müsse sparen, das Erzbistum würde die Mittel kürzen. Sie haben das eben schon richtiggestellt. Also, gekürzt wird nicht?
Assmann: Genau. Das Erzbistum friert die Zuschusshöhe ein, sodass wir auch in diesem Jahr verlässlich mit der Geldsumme rechnen können, aus Zuweisungen des Erzbistums Köln an die hohe Domkirche, wie auch im vergangenen Jahr.
Trotzdem wissen wir, dass alles teurer wird, alleine durch die Tarifsteigerungen des vergangenen Jahres. Wir haben 180 Mitarbeitende am Kölner Dom, die mit Freude zur Arbeit kommen sollen, was sie ja auch alle tun. Sie sollen aber auch die Sicherheit haben, ihre Familien ernähren zu können und ihren Verpflichtungen nachkommen zu können.
Die Tarifsteigerungen des vergangenen Jahres haben schon eine große Geldsumme bedeutet, die wir mehr zahlen müssen. Wir hoffen auf die Spenderinnen und Spender und auch die Menschen, die den Kölner Dom lange offen halten möchten, dass sie dies unterstützen.
Ich bin sehr froh und dankbar, dass das Erzbistum Köln verlässlich sagt, dass die Summe wie im vergangenen Jahr im Haushaltsplan des Jahres 2025 eingestellt wurde. Damit kann man rechnen und damit können wir verantwortlich unsere Jahrespläne aufstellen.
DOMRADIO.DE: Papst Franziskus hat an Heiligabend das Heilige Jahr 2025 eröffnet. Der Kölner Dom ist auch ein so genannter Ablassort. Vielleicht können Sie das erklären: Wie hängen der Kölner Dom und das Heilige Jahr zusammen?
Assmann: Jede Bischofskirche weltweit ist ein Ort, wo der Gedanke des Heiligen Jahres besonders gefeiert wird. Wir haben im Kölner Dom von montags bis samstags jeden Tag Beichtgelegenheit am Morgen. Man sitzt als Priester nie umsonst da. Es kommen immer Gläubige, die verlässlich wissen, dass sie hier das Sakrament der Beichte empfangen können.
Das Heilige Jahr möchte aufmerksam machen, dass Gott barmherzig ist und ein großes Herz für uns Menschen hat. Das sollte in jeder Verkündigung, in der kleinsten Dorfkirche und in der größten Kathedrale gefeiert werden. Eine Bischofskirche, also die Mutterkirche eines Bistums, soll das besonders ausstrahlen. Das soll in die Verkündigung in der Art hineingehen, wie wir die Gottesdienste feiern, nämlich dass die Menschen, die kommen, dem barmherzigen Gott begegnen können.
Das Interview führte Mathias Peter.