DOMRADIO.DE: Sie sind für ein Treffen der 500 Missionare der Barmherzigkeit nach Rom gereist. Der Papst konnte aufgrund seines Gesundheitszustandes nicht teilnehmen. War das enttäuschend, obwohl es im vorhinein klar war?

Monsignore Georg Austen (Missionar der Barmherzigkeit und Generalsekretär des Bonifatiuswerks): Es war keine Enttäuschung, sondern schon eine Vorahnung. Das merkt man hier in Rom bei sehr vielen Menschen auch außerhalb der Kirche, dass das Hoffen und Bangen, wie es mit der Gesundheit des Papstes weitergeht, ständig Gesprächsthema ist. Franziskus hat zu diesem Weltkongress der Missionare der Barmherzigkeit eine Grußbotschaft gesendet, in der er dazu ermutigt, Barmherzigkeit durch das Evangelium in die Welt zu tragen. Auch ein Friedensappell ist darin enthalten.
DOMRADIO.DE: Der Papst hatte vor neun Jahren, im letzten Heiligen Jahr, Missionare der Barmherzigkeit ernannt. Auch Ihr Name war darunter. Was für ein Ehrentitel ist das?
Austen: Es ist eine Aufgabe, die uns überraschenderweise zugeschrieben wurde. Dem Papst ist es ein großes Anliegen, den Kernauftrag der Kirche, Barmherzigkeit zu leben, an die Menschen weiterzugeben. Wir sollen im Grunde eine Ahnung aufkommen lassen, dass das Evangelium Menschen barmherzig begegnet und auch aufnehmen will. Das sollte weltweit durch Menschen, auch von ihm, weitergetragen werden, und nicht nur an Rom gebunden sein.
Außerdem haben wir besondere Aufträge bekommen: Wir können durch das Sakrament der Versöhnung, durch die Beichte, bestimmte Losprechungen umsetzen, die ansonsten nur dem Heiligen Stuhl vorbehalten sind.
DOMRADIO.DE: Um was ging es bei dem Treffen der Missionare?
Austen: Zum einen war es wichtig, darauf aufmerksam zu machen, was es heißt, Missionar der Barmherzigkeit zu sein und den Titel kirchenrechtlich einzuordnen. Es gehörte für uns auch dazu, sich selbst auf den Pilgerweg der Hoffnung durch die Heilige Pforte zu machen. Wir hatten einen Abend der Versöhnung mit Anbetung, mit Gebet, mit dem Angebot der persönlichen Beichte. Es war insgesamt ein großer Austausch. Ich finde es sehr bereichernd, etwas aus der Weltkirche mitzubekommen. Man trifft Leute aus den Philippinen, aus Mexiko, aus der ganzen Welt und sieht, wo Kirche lebt und in welchen Formen sie lebt.
Das Interview führte Tobias Fricke.