Papst trifft Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmer

Konferenz junger Menschen in Assisi zur Zukunft der Ökonomie

Die Pandemie hatte geplante Begegnungen ausgebremst. Doch inzwischen ist das Projekt "Economy of Francesco" zu einem globalen Netzwerk angewachsen. Am Samstag trifft Franziskus Mitwirkende der Initiative in Assisi.

Autor/in:
Anna Mertens
Blick auf die Stadt Assisi / © canadastock (shutterstock)
Blick auf die Stadt Assisi / © canadastock ( shutterstock )

Eigentlich soll er nicht reisen. Zumindest nicht viel. Und wer Papst Franziskus auf der Reise nach Kasachstan erlebt hat, kann erahnen, wie stark seine Beschwerden im Knie und womöglich anderweitig sind. Doch die Arbeit geht vor. Und wenn Arbeit bedeutet, junge Menschen zu treffen, die sich für eine Neuausrichtung der Wirtschaft einsetzen, dann kann wohl nur ein schweres Unwetter den Heiligen Vater von seiner Reise nach Assisi abhalten. Am Samstag will er zum Treffen der Initiative "Economy of Francesco" per Helikopter in die umbrische Kleinstadt fliegen.

"The Economy of Francesco" (Die Ökonomie des Heiligen Franz von Assisi) ist ein von Franziskus vor drei Jahren persönlich angeregter Austausch junger Wirtschaftswissenschaftler mit etablierten Ökonomen.

Der Titel verweist auf den Ordensgründer Franz von Assisi (1181/82-1226). Wegen der Pandemie fanden bislang vorrangig digitale Treffen statt.

Ursprünglich für März 2020 geplant

Ausgehend von Franziskus' Idee wurde eine vom Vatikan organisierte und für März 2020 geplante Konferenz im Herbst des ersten Pandemiejahres online nachgeholt. Auch der zweite Versuch 2021 konnte nicht in voller Präsenz stattfinden. Stattdessen gab es im vergangenen Herbst ein teils virtuelles, teils in Assisi stattfindendes Treffen. Darüber hinaus hat die Initiative eine sogenannte Schule ins Leben gerufen, bei der über mehrere Monate Vorlesungen online angeboten werden.

Laut dem Konferenzleiter, Assisis Bischof Domenico Sorrentino, geht es dem Papst darum, "die heutige Wirtschaft zu verändern und der Wirtschaft von morgen eine Seele zu geben". Diesen schwierigen Prozess solle die Jugend aktiv mitgestalten – inspiriert von Franz von Assisi und der Bewahrung der Schöpfung.

Beim ersten Anlauf vor zwei Jahren tauschten sich rund 2.000 junge Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, Unternehmer und Aktivisten über die Möglichkeiten einer alternativen Wirtschaft im Sinne der Papst-Enzykliken "Laudato si" und "Fratelli tutti" aus. "Mit diesem Kongress wollen wir uns ein Stück der Zukunft zurückholen, die uns die gegenwärtig maßgebliche Generation gestohlen hat", so der Tenor der jungen Teilnehmer. Auch bekannte Namen wie Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus beteiligten sich.

"Auch die Armen brauchen Platz in der Runde der Entscheider"

In seiner Abschlussbotschaft schärfte Franziskus den Teilnehmern ein, dass nicht nur die Jungen, sondern auch die Armen einen Platz in der Runde der Entscheider haben müssten. Beim zweiten Treffen 2021 erinnerte der Papst die Beteiligten daran, dass sie Gegenwart und Zukunft zugleich seien. "Ihr seid vielleicht die letzte Generation, die uns retten kann, und ich übertreibe nicht", fügte das Kirchenoberhaupt hinzu und legte die Messlatte für das diesjährige Treffen hoch. Mit Spannung wird erwartet, was Franziskus am Samstag in Assisi sagen wird. Die Teilnehmer beraten dort seit Donnerstag.

Das Projekt "Economy of Francesco" ist laut Vatikan in der Pandemiezeit zu einem globalen Netzwerk angewachsen. Es sei eine große Freude, dass nach der Entwicklung "im Stillen" endlich ein echtes Treffen in Assisi stattfinde, erklärte die Sekretärin der vatikanischen Entwicklungsbehörde, Alessandra Smerilli, bei der Vorstellung im Sommer. Sie wolle das Projekt begleiten und unterstützen.

Die erste Begegnung "von Angesicht zu Angesicht" wird von den Franziskaner-Minoriten in Assisi organisiert. Ziel ist es, neben dem Austausch in größeren und kleineren Gruppen auch einen globalen Pakt für nachhaltige Wirtschaft zu unterzeichnen – etwas Handfestes, auf dem sich in den nächsten Jahren weiter aufbauen lässt.

The Economy of Francesco

Das in Assisi stattfindende Treffen unter dem Titel "The Economy of Francesco" ist ein von Franziskus selbst angeregter Austausch junger Wirtschaftswissenschaftler mit etablierten Ökonomen. Der Titel "The Economy of Francesco" verweist auf den Ordensgründer Franz von Assisi (1181/82-1226). Die erste Veranstaltung fand im Herbst 2020 in einem Online-Format statt.

Symbolbild Finanzen / © wutzkohphoto (shutterstock)
Quelle:
KNA
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